WM-Vergabe England beschuldigt hohe Fifa-Mitglieder der Korruption

Die Fifa wird mit neuen Korruptionsvorwürfen aus England konfrontiert: Demnach sollen vor der WM-Vergabe an Russland und Katar erhebliche Summen an einflussreiche Mitglieder des Weltverbands geflossen sein. Fifa-Chef Joseph Blatter reagiert ausweichend.

Fifa-Präsident Blatter: "Kann nicht sagen, ob alle Engel oder Teufel sind"
REUTERS

Fifa-Präsident Blatter: "Kann nicht sagen, ob alle Engel oder Teufel sind"


Hamburg - Dem Fußball-Weltverband Fifa droht möglicherweise ein neuer Korruptionsskandal. In einer Anhörung vor dem britischen Parlament beschuldigte der britische Fußball-Funktionär Lord David Triesman am Dienstag vier hochrangige Fifa-Mitglieder. Der frühere Präsident des englischen Verbands FA und Ex-Chef der gescheiterten englischen WM-Bewerbung für 2018 sprach von vier Mitgliedern des mächtigen Exekutivkomitees.

Ähnliche Bestechungsvorwürfe gegen Mitglieder des Exekutivkomitees erhob auch der britische Parlamentarier Damian Collins. Vor der Vergabe der WM-Gastgeberrolle 2022 im vergangenen Dezember an Katar sollen zwei Angehörige des Gremiums je 1,5 Millionen Dollar für ihre Stimmabgabe zugunsten des Wüstenstaats erhalten haben, sagte er bei der Anhörung. Er berief sich dabei auf einen bislang unveröffentlichten Bericht der Zeitung "Sunday Times".

Fifa-Chef Joseph Blatter reagierte am Dienstag ausweichend auf die neuen Vorwürfe und forderte Beweise. Er könne "nicht sagen, ob sie alle Engel oder Teufel sind", sagte der Schweizer über die Mitglieder des Exekutivkomitees. Er könne nur für sich selbst sprechen und gehöre "nicht zu dieser Kategorie", sagte Blatter. Der nach den Bestechungsvorwürfen unter Druck stehende Fifa-Boss, der am 1. Juni um seine Wiederwahl kämpft, will alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen an die Ethikkommission des Weltverbands weiterleiten.

Vor der WM-Vergabe für die Turniere 2018 (Russland) und 2022 (Katar) waren die Fifa-Exko-Mitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti unter dem Verdacht der Bestechlichkeit suspendiert worden. Ihnen wird die Verletzung des Ethikcodes des Fußball-Weltverbands vorgeworfen. Beide Funktionäre waren auf von englischen Journalisten fingierte finanzielle Offerten für die Stimmabgabe eingegangen und dabei heimlich gefilmt worden.

aha/sid/dpa

insgesamt 30 Beiträge
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neon18 10.05.2011
1. ach...
...na das ist ja eine Überraschung, wo doch auch so wirklich ALLES für diese beiden Länder gesprochen hat...
Ex-Kölner 10.05.2011
2. Und in China...
...ist ein Sack Reis umgefallen. Eine Meldung wäre es doch nur wert, wenn es in dieser Ehrenwerten Gesellschaft keine Korruptis gäbe - oder?
alocasia 10.05.2011
3. Dfb
Wieviel wohl der DFB bezahlt hat für die WM in Deutschland?
leconnecteur 10.05.2011
4. weniger
Zitat von alocasiaWieviel wohl der DFB bezahlt hat für die WM in Deutschland?
Die war um einiges günstiger: ein Präsentkorb mit deutschen Spezialitäten und ner Kuckucksuhr. Und selbst die musste nicht einmal der DFB berappen, das hat großzügigerweise das Titanic-Magazin übernommen...
surselva-29 10.05.2011
5. Schlechte Verlierer?
Macht sich ja immer wieder gut: angeblich sollen ... erhebliche Summen... Entweder können hierfür Beweise vorgelegt werden oder man schweigt besser. Warum soll eine Fussball-Weltmeisterschaft nicht in Russland ausgetragen werden? Oder meinetwegen auch in Katar? Nur weil das "Mutterland des Fussballs" auch wieder mal gerne an der Reihe wär? Ach ja, die Olympischen Sommerspiele finden nächstes Jahr in London statt. London hatte sich in der entscheidenden Abstimmung mit 54:50 gg. den Favoriten Paris durchgesetzt. Sind da vielleicht auch ... angeblich... erhebliche Summen?
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