WM-Vergabe Englischer Verband ermittelt in Fifa-Bestechungsaffäre

Auf die Korruptionsanschuldigungen aus England gegen Fifa-Funktionäre hatte der Weltverband mit der Forderung nach Beweisen reagiert. Die will der englische Verband nun liefern und kündigte eine eigene Untersuchung bezüglich der WM-Vergabe an.

Fifa-Boss Blatter: Ein Aufklärer?
AFP

Fifa-Boss Blatter: Ein Aufklärer?


Hamburg - Den Bestechungsvorwürfen gegen mehrere Fifa-Funktionäre lässt der englische Fußball-Verband FA eigene Ermittlungen folgen. Man habe den britischen Anwalt James Dingemans angeheuert, um den Anschuldigungen gegen vier Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees im Zuge der WM-Vergabe 2018 nachzugehen, teilte der FA-Vorsitzende David Bernstein mit. Die Untersuchungen sollen vor der Präsidentenwahl der Fifa am 1. Juni abgeschlossen sein.

"Wir suchen die Wahrheit und nachprüfbare Tatsachen. Wie in jedem quasi juristischem Prozess braucht man Beweise", sagte Bernstein. Zuvor hatte bereits die Fifa Ermittlungen angekündigt und die Unterstützung der FA verlangt. Der englische Verband hat bereits einige Dokumente an die Fifa geschickt, die bei der Aufklärung helfen sollen. Die Ermittlungen der beiden Verbände sollen in den kommenden Wochen parallel verlaufen.

England war mit seiner Bewerbung um die WM 2018, die Russland ausrichten wird, gescheitert. David Triesman, früherer Präsident des englischen Verbandes und Chef des englischen WM-Bewerbungskomitees, hatte am Dienstag vier Fifa-Funktionären unterstellt, unlautere Forderungen als Gegenleistung für Stimmen gestellt zu haben. Die vier Funktionäre hätten unsachgemäß und unethisch gehandelt. Dabei seien laut Triesman neben finanziellen Ansprüchen auch immaterielle Gegenleistungen wie ein Ehrenrittertitel gefordert worden.

Australien verlangt Aufklärung

Zudem wurden zwei weitere Funktionäre des Weltverbandes beschuldigt, vor der Vergabe der WM 2022 im vergangenen Dezember an Katar je 1,5 Millionen Dollar für ihre Stimmabgabe zugunsten des Wüstenstaates erhalten zu haben.

Eine rigorose Aufklärung der Vorwürfe fordert auch das Australische Olympische Komitee AOC. "Die Fifa ist jetzt in der Pflicht, die Untersuchungen in die Hand zu nehmen", sagte AOC-Präsident John Coates. Er hoffe inständig, dass sich der Verband der Sache annehme.

"Selbst wenn es keine Beweise gibt, es bleibt die Empfindung haften, dass da etwas falsch ist", sagte Coates, der auch dem Internationalen Sportgerichtshof CAS vorsteht. Die Vorwürfe seien auch für das Image der Fifa nicht förderlich. "Dreck bleibt kleben, also ist es schädlich", sagte Coates. Um missbräuchlichen Praktiken einen Riegel vorzuschieben, forderte er mehr Transparenz in den WM-Vergabeverfahren.

Fifa-Präsident Joseph Blatter plädierte unterdessen in seiner Kolumne für die Schweizer Zeitung "Blick" für eine Beibehaltung der bestehenden Strukturen. Er ist überzeugt, dass "eine Weltorganisation wie die Fifa nur pyramidal" geführt werden könne. Das bringe ihm zwar oft den Vorwurf ein, antidemokratisch zu handeln, doch das Gegenteil sei der Fall, so Blatter, der auf die Bestechungsvorwürfe nicht einging.

Blatter nutzte die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen seinen Herausforderer um das Amt des Fifa-Bosses, Asiens Fußballchef Mohammad Bin Hammam. "Die Wahl vom 1. Juni kann zu einer tektonischen Plattenverschiebung führen, mit irreversiblen Schäden", schrieb er: "Es geht um den Fortbestand der Fifa schlechthin. Darum, ob die erfolgreich gewachsene Weltorganisation des Fußballs nach diesem Datum noch weiterbesteht oder in einem schwarzen Loch verschwindet." Er schaffte es dabei, den Namen Bin Hammams, der sich wie Blatter am 1. Juni der Fifa-Generalversammlung zur Wahl stellt, kein Mal ausdrücklich zu erwähnen.

ged/dpa/sid

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Seite 1
raju1956 13.05.2011
1. ein Wechsel ist fällig...
Zitat von sysopAuf die Korruptions-Anschuldigungen aus England gegen Fifa-Funktionäre hatte der Weltverband mit der Forderung nach Beweisen reagiert. Die will der englische Verband nun liefern und kündigte eine eigene Untersuchung bezüglich der WM-Vergabe an. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,762380,00.html
Unter Havelange war die FIFA schon ein korrupter Verband. Unter Blatter hat das alles extreme Formen angenommen! Es gibt wohl kaum einen internationalen Verband, der so korrupt und bestechlich ist, wie die FIFA. Da wird bei den Vergaben der Weltmeisterschaften geschummelt und betrogen. Und Blatter kassiert mit! Er sorgt schon dafür, dass er nur von ihm ergebenen und freundlich Gesinnten umgeben ist. Und dann werden halt gegen hohe Beträge oder wertvolle Sachleistungen Entscheidungen in die genehme Richtung gelenkt! Vielleicht könnte sich die Struktur der FIFA unter Bin Hammam zum positiven wenden. Schlechter als mit Blatter kann es kaum werden.
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