Woche der Gewalt Theo, hör die Signale!

Brennende Blöcke, randalierende Fans: Die Bilder aus deutschen Fußballstadien sind erschütternd. Viele Experten glauben, dass der Fußball durch Ultras wieder ein Gewaltproblem hat. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Dresden-Fans in Dortmund: Randale vor sechs Millionen TV-Zuschauern

Dresden-Fans in Dortmund: Randale vor sechs Millionen TV-Zuschauern

Foto: Martin Meissner/ AP

DFB-Boss Theo Zwanziger macht es sich einfach. Er setzt Ultra-Gruppen, die in Stadien Pyrotechnik zünden, mit Hooligans gleich, die randalieren. In der "Bild"-Zeitung sagt Zwanziger: "Mit verbaler Gewalt wie Hassgesängen fängt es an, geht weiter über den gefährlichen Pyro-Einsatz bis zu direkter Gewalt. Man kann das Problem nicht allein der Polizei überlassen".

Damit beweist Zwanziger vor allem eins: Er hat wenig Kenntniss von der deutschen Fanszene. Seine Logik: Wer vorgestern Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp als Hurensohn beschimpfte, hat gestern Pyrotechnik abgebrannt und ist heute schon ein Gewalttäter. Doch damit liegt er falsch, denn die Ursachen für die jüngsten Vorfälle könnten unterschiedlicher nicht sein. Die einen wollen den Einsatz von Pyrotechnik legalisieren - indem sie verstärkt zündeln. Die anderen setzen auf Gewalt, in Dortmund und Frankfurt etwa trugen durchgeknallte Hooligans eine inoffizielle Randale-Meisterschaft aus.

Beim Pyrotechnik-Streit will die Ultra-Szene ihren Protest über die gescheiterten Verhandlungen mit dem DFB in Sachen Pyrotechnik ausdrücken. Zu Beginn der Saison verzichteten die Fans wochenlang auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, da ihnen vom DFB Zugeständnisse in Aussicht gestellt worden waren. Doch davon will der DFB heute nichts mehr wissen. Aus Protest wurde daraufhin bei zahlreichen Bundesliga-Begegnungen medienwirksam gezündelt. Wolfsburger Fans veranstalteten ein Feuerwerk beim Hamburger SV, in Dortmund rauchte es minutenlang im Gästeblock der Kölner, und beim Spiel zwischen Hannover 96 und dem FC Bayern fackelten Gästefans bengalische Feuer ab.

Beim Bundesliga-Spiel in Dortmund verspätete sich der Anpfiff, zudem wurde das Tracking-System des Bundesliga-Datensammlers Impire durch den Nebel lahmgelegt. Das war alles. Man kann darüber streiten, ob der giftige Qualm und die hohen Temperaturen der abgebrannten Feuerwerkskörper eine Form der Gewalt gegen Unbeteiligte ist. Doch diese Aktionen sind in keinen Fall mit denen gleichzusetzen, die Hooligans unter der Woche im DFB-Pokal an den Tag legten.

Bei der Partie Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden schleuderten Randalierer bengalische Feuer und Knallkörper in der Dortmunder Innenstadt auf Polizisten. Im Stadion griffen die Dresdner Hooligans Ordner und Polizisten an, warfen Gegenstände und Knallkörper auf das Spielfeld und zerlegten den Catering-Bereich.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Dresdner Hooligan-Mob ausrastete. Diese Klientel plant solche Auftritte, um den martialischen Ruf in der Szene zu konservieren. Da kommen ihnen die sechs Millionen ZDF-Zuschauer während einer Live-Übertragung gerade recht. Ähnliche Szenen gab es beim Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern. Beide Fan-Szenen sind seit Jahren verfeindet, immer wieder waren die Aufeinandertreffen von Ausschreitungen begleitet.

Der DFB täte gut daran, diese Vorgänge differenziert zu betrachten. Schon deshalb, weil Vertreter des DFB selbst am runden Tisch mit Ultras durch falsche Versprechungen für verhärtete Fronten gesorgt haben. Diese Gruppe jetzt per se als Gewalttäter hinzustellen, ist fahrlässig. Genauso wie die Forderung von Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen, man möge keine Dauerkarten mehr an bekennende Ultras ausgeben. Stattdessen wäre es angebracht, den Dialog wieder aufzunehmen.

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