WM-Vergabe 2006 Vertrag gefunden, Vertrag versteckt - und wieder gefunden

Wer wusste wann was? Wolfgang Niersbach war nach SPIEGEL-Informationen schon länger über den dubiosen Beckenbauer-Vertrag mit Fifa-Funktionär Jack Warner informiert. Damit war sein Rücktritt als DFB-Präsident unabwendbar.
Niersbach, Interimschef Rauball: Doch eine persönliche Verfehlung?

Niersbach, Interimschef Rauball: Doch eine persönliche Verfehlung?

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Ursache für den Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am vergangenen Montag soll nach Informationen des SPIEGEL doch eine persönliche Verfehlung gewesen sein, die ihm zum Vorwurf gemacht wurde.

Wie es in DFB-Kreisen heißt, kannte Niersbach demnach schon seit längerer Zeit den dubiosen Vertragsentwurf, der die Unterschrift von Franz Beckenbauer und die Paraphe von Fedor Radmann trägt. Entdeckt hatte den Vertragsentwurf der Vizegeneralsekretär Stefan Hans bei einer Archivrecherche. Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.

Anschließend soll Hans, nachdem er Niersbach über den Fund informiert hatte, den Vertrag wieder im Archiv abgelegt haben - aber an einer anderen Stelle. Der Vertrag sollte allem Anschein nach nicht mehr auffindbar sein. Niersbach hatte das restliche Präsidium über den Fund des Schriftstücks allerdings nicht ins Bild gesetzt. Dennoch stießen die vom DFB beauftragten Anwälte der Kanzlei Freshfields bei ihren Ermittlungen auf das brisante Dokument.

Der Vertrag, datiert auf den 2. Juli 2000, vier Tage vor der Entscheidung über den Austragungsort der WM 2006, hätte dem aus Trinidad und Tobago stammenden Wahlmann Jack Warner Vorteile garantiert. Der DFB geht von einer Bestechungsabsicht aus, um die Stimme Warners zu kaufen.

Bei einer Krisenrunde am vergangenen Montag mit den Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball sowie Schatzmeister Reinhard Grindel stellten diese Niersbach zur Rede. Dabei soll Niersbach keine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden haben, warum er, wenn er doch das Papier kannte, den Kauf von Stimmen für die WM 2006 öffentlich kategorisch ausgeschlossen hatte. Niersbach habe daraufhin seinen Rücktritt angeboten.

Niersbach hatte diesen Schritt bisher mit seiner politischen Gesamtverantwortung für Vorgänge begründet, von denen er keine eigene Kenntnis gehabt habe. Auf eine Anfrage des SPIEGEL wollte sich der DFB wegen laufender Ermittlungen nicht äußern.

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