Reaktionen zum Niersbach-Rücktritt "Betroffen, überrascht und sehr traurig"

Joachim Löw und Matthias Sammer zeigen sich betroffen vom Niersbach-Rücktritt. Theo Zwanziger gibt sich betont gelassen. Die Reaktionen im Überblick.

Ex-DFB-Präsident Niersbach: Rücktritt als "politische Konsequenz"
DPA

Ex-DFB-Präsident Niersbach: Rücktritt als "politische Konsequenz"


Der Rücktritt von Wolfgang Niersbach als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sorgt in der Sportwelt für großes Aufsehen. Die Reaktionen reichen von Betroffenheit, Überraschung und Respekt bis hin zu Genugtuung und zur erneuten Forderung aus der Politik nach Aufklärung der Affäre. Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger, der die Protagonisten im Skandal um die WM-Vergabe 2006 zuvor öffentlich angeklagt hatte, zeigte sich betont gelassen. Die Reaktionen im Überblick:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Diese Nachricht ist jetzt erst zehn Minuten alt, ich habe es auch gerade erst erfahren und bin natürlich sehr betroffen, überrascht und sehr traurig darüber. Unabhängig von allen juristischen Fakten, die es gibt, denke ich, dass der Wolfgang ein fantastischer Mensch war, auch ein fantastischer Präsident für uns. Er hat den Fußball immer geliebt, er hat für den Fußball alles getan. Er war für uns jederzeit ein hervorragender Ansprechpartner, und deswegen tut es mir persönlich sehr, sehr leid, dass er zurückgetreten ist."

Harald Strutz (DFB-Vizepräsident, im ZDF und bei Sky Sport News HD): "Das macht mich schon sehr betroffen. Dass er die Verantwortung übernimmt, kann ich nachvollziehen. Ich hätte mir aber gewünscht, er hätte noch gewartet. Wir befinden uns immer noch im Raum der Spekulationen."

Peter Frymuth (DFB-Vizepräsident in der Rheinischen Post): "Mich hat der Schritt von Wolfgang Niersbach sehr betroffen gemacht. Die Übernahme der politischen Verantwortung beinhaltet auch Dinge, für die er nachweislich nichts kann. Mit Niersbach verliert der DFB einen Spitzenfunktionär mit unheimlich hoher Fachkompetenz und großer Menschlichkeit. Er hat sich in seinem Charakter in all den Jahren nicht verändert. Wir werden jetzt aufklären, was es aufzuklären gibt. Nichts wird unter den Teppich gekehrt."

Matthias Sammer (Vorstand Sport bei Bayern München, auf Sport1): "Ich bin schon überrascht und auch ein wenig betroffen. Ich habe sehr viel mit Wolfgang zu tun gehabt, er ist ein guter Bekannter, ein Freund von mir und unserer Familie. Das tut mir persönlich sehr leid. Ich kann zu Inhalten jetzt natürlich noch nichts sagen. Mein Bedauern möchte ich aber schon zum Ausdruck bringen."

Michael Preetz (Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC, auf der Homepage): "Mit der heutigen Entscheidung hat Wolfgang Niersbach dem Deutschen Fußball-Bund den Weg für einen Neubeginn geebnet - für diesen Schritt gebührt ihm großer Respekt. Das gesamte Wirken von Wolfgang Niersbach für den Deutschen Fußball-Bund und den Fußball allgemein allerdings nur auf diese Affäre zu reduzieren, ist nicht in Ordnung und wird ihm in keiner Weise gerecht. Fest steht aber auch, dass jetzt lückenlos aufgeklärt werden muss, damit der Fußball in Deutschland nicht weiter Schaden nimmt."

Lukas Podolski (Weltmeister von 2014): Das ist eine große Überraschung für mich. Ich habe Herrn Niersbach als sehr guten Präsidenten empfunden. Er hat immer alles für den deutschen Fußball gemacht, wir haben immer gut zusammengearbeitet. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, wir hatten immer ein gutes Verhältnis und daher ist es schade, dass er zurückgetreten ist. Aber er wird seine Gründe dafür haben und die muss man respektieren."

Toni Kroos (Weltmeister von 2014, via Twitter): "Kein guter Tag für den Fußball beim DFB. Ich empfinde großen Respekt für die Entscheidung von Wolfgang Niersbach. Menschlich sehr schade..."

Paul Breitner (Weltmeister von 1974 und Scout des FC Bayern, bei Sport1): "Ich bin nicht überrascht. Wir haben im Moment zwei Skandale laufen. Wie tief die gehen, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen: Respekt. Das war notwendig und richtig so."

Theo Zwanziger (Niersbachs Vorgänger als DFB-Präsident, zum SID): "Das ist Sache des DFB und von Wolfgang Niersbach. Das müssen sie selbst entscheiden."

Uwe Seeler (Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft): "Ich finde das nicht gut. Ich hätte ihn gern weiter als Präsidenten gehabt. Denn ich weiß, wie er tickt. Ich werde ihn auch noch anrufen. Ich glaube, dass Theo Zwanziger keine gute Rolle gespielt hat."

Özcan Mutlu (Sprecher für Sportpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen): "Die Vorwürfe hinsichtlich der WM 2006 und das Kommunikationsdesaster des DFB haben mit dem Rücktritt von Niersbach ihr erstes Opfer gefunden. Das ersetzt allerdings keine Aufklärung und wird nicht ausreichen. Anstatt eine Agentur und eine Kanzlei nach der anderen mit der Schadensbegrenzung zu beauftragen, sollten der DFB und die Beteiligten, allen voran die Herren Beckenbauer, Netzer, Zwanziger und Niersbach, endlich reinen Tisch machen und die Wahrheit erzählen. Wir fordern weiterhin eine lückenlose Aufklärung und höchstmögliche Transparenz, um Schaden vom deutschen Sport abzuwenden."

Katrin Göring-Eckardt (Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, via Twitter): "Der Rücktritt von Niersbach ist ein Anfang, ersetzt aber keine Aufklärung. Wir wollen lückenlos wissen, was im Vorfeld der WM gelaufen ist."

Thomas Oppermann (Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion): "Der Schritt von Wolfgang Niersbach war unvermeidlich. Der DFB muss jetzt für vollständige Aufklärung sorgen. Sommermärchen bleibt Sommermärchen, aber krumme Geschäfte bleiben auch krumme Geschäfte."

Dietmar Bartsch (Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag): "Endlich."

Dirk Fischer (Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes): "Ich ziehe den Hut vor der Entscheidung. Ich will, dass die Fifa und das IOC endlich korruptionsfrei werden. Der Volkssport Fußball wird davon unbeeinflusst bleiben. Aber es ist eine Delle, und die muss beseitigt werden."

Hermann Korfmacher (Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes, zum SID): "Das war für mich sehr, sehr überraschend und tut mir unendlich leid. Und ich hatte den Eindruck, dass alle so betroffen waren wie ich, weil wir die Überzeugung haben, dass wir in Wolfgang Niersbach einen sehr guten Präsidenten aufgeben mussten. Ich glaube Wolfgang Niersbach weiterhin. Er hat uns sehr, sehr glaubwürdig und sehr bewegt erklärt, dass er die politische Verantwortung übernimmt. Dies ist, das muss man klarstellen, nicht einem Schuldeingeständnis gleichzusetzen. Das, was im Raume steht, muss schnell aufgeklärt werden, damit man die Verantwortung verteilen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen kann."

Dietmar Hamann (ehemaliger Fußball-Nationalspieler, via Twitter): "Ich bin bereit."

aev/sid



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.