Medienbericht Niersbach soll Mails zur WM-Affäre gelöscht haben

Wolfgang Niersbach steht erneut im Fokus der WM-Affäre. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll er E-Mails im Zusammenhang mit dem Skandal gelöscht haben - und zwar von seinem privaten Server.

Wolfgang Niersbach
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Wolfgang Niersbach


In der Affäre um die Vergabe der WM 2006 gibt es offenbar neue Ungereimtheiten. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge rückt dabei erneut der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in den Fokus. Laut "SZ" wurden Mails im Bezug auf die Affäre nicht über Niersbachs offizielle Mail-Adresse beim DFB verschickt und empfangen, sondern über dessen privaten Account. Und einige davon seien anschließend gelöscht worden.

So habe Theo Zwanziger, von 2006 bis 2012 selbst DFB-Präsident, von seinen Ex-Kollegen eine Bescheinigung verlangt, die besagt, dass Zwanziger mögliche Komplikationen in Bezug auf die WM-Bewerbung bereits angesprochen habe. Im September 2015 habe dann Horst R. Schmidt, damals geschäftsführender Vizepräsident des Organisationskomitees, eine Mail mit einem Vorschlag an Niersbachs private Adresse geschickt. Laut "SZ" hat der damalige DFB-Präsident diese Mail wenig später gelöscht.

Die Behörden, die gegen Schmidt, Zwanziger und Niersbach aktuell wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung vorgehen, haben laut "SZ" zudem festgestellt, dass weitere Mails fehlen. In Niersbachs privatem Account gebe es nur noch neun Nachrichten. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass auch Mails im Zusammenhang mit der WM-Affäre gelöscht worden seien.

Unklar sei, wann die Nachrichten gelöscht wurden - und warum. Laut Niersbachs Anwältin werde Niersbach sich nicht äußern, bevor er dies im Verfahren gegenüber den Staatsanwälten getan habe.

Die Löschung passt ins Bild, schon zuvor sollen die Verantwortlichen für das Verschwinden von Daten gesorgt haben: Im Februar 2016 hatte der SPIEGEL berichtet, dass Niersbachs Sekretärin im Juni 2015 eine Akte mit dem Titel "WM 2016" aus dem DFB-Archiv mitgenommen habe. Anschließend verschwand der Ordner. Die "SZ" hatte zudem vor Kurzem berichtet, dass es am 22. Oktober 2015 eine Löschaktion in der DFB-Zentrale gegeben habe.

Die Agentur Freshfields, die für einen Bericht zur Aufklärung der Affäre engagiert worden war, geht auf die Niersbach-Mails nicht ein. Der Report spricht zwar von "entsprechenden offenkundigen Lücken" in den Postfächern von OK-Chef Franz Beckenbauer, dessen Berater Fedor Radmann sowie von Schmidt und Zwanziger, nicht aber von Niersbach. Außerdem entschied sich die Agentur offenbar dagegen, in ihrem Bericht eine E-Mail zu zitieren, in der Niersbach selbst klarstellte, schon früh während der Affäre "Mitwisser" gewesen zu sein.

aev

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
catcargerry 29.03.2017
1. Heiße Luft der Empörung
Meinen privaten Server räume ich auch ab und zu auf. Inwieweit war Niersbach da aufbewahrungspflichtig? Sehe ich nicht, ist auch kein Anhaltspunkt dafür genannt. Ein Problem hat er nur, wenn er etwas Entlastendes gelöscht hat. Das mit der Akte ist etwas anderes.
zivcoedge540 29.03.2017
2.
Zitat von catcargerryMeinen privaten Server räume ich auch ab und zu auf. Inwieweit war Niersbach da aufbewahrungspflichtig? Sehe ich nicht, ist auch kein Anhaltspunkt dafür genannt. Ein Problem hat er nur, wenn er etwas Entlastendes gelöscht hat. Das mit der Akte ist etwas anderes.
Schreiben Sie berufliche Mails auch via private Emailaccounts, um unvorteilhafte Sachverhalte zu vertuschen?
raihower 29.03.2017
3. Gegenfragen
Zitat von zivcoedge540Schreiben Sie berufliche Mails auch via private Emailaccounts, um unvorteilhafte Sachverhalte zu vertuschen?
- War Niersbach in seiner Funktion verpflichtet, jede Mail mit Bezug zu seiner Tätigkeit von einem offiziellen Account zu senden? - Wie lange währt die Aufbewahrungsfrist, so es denn eine solche gibt? - Woher weiß man denn, um welche Inhalte es sich drehte und ob diese "unvorteilhaft Sachverhalte" betrafen? - Woher kennen wir denn die Motive, die das Löschen auslösten? Fragen über Fragen. Und solange es keine belastbaren Beweise gibt handelt es sich höchstenfalls um Indizien und darauf basierende Mutmaßungen. Auch für Niersbach gilt doch die Unschuldsvermutung, oder?
zivcoedge540 29.03.2017
4.
Zitat von raihower- War Niersbach in seiner Funktion verpflichtet, jede Mail mit Bezug zu seiner Tätigkeit von einem offiziellen Account zu senden? - Wie lange währt die Aufbewahrungsfrist, so es denn eine solche gibt? - Woher weiß man denn, um welche Inhalte es sich drehte und ob diese "unvorteilhaft Sachverhalte" betrafen? - Woher kennen wir denn die Motive, die das Löschen auslösten? Fragen über Fragen. Und solange es keine belastbaren Beweise gibt handelt es sich höchstenfalls um Indizien und darauf basierende Mutmaßungen. Auch für Niersbach gilt doch die Unschuldsvermutung, oder?
Ich weiß ja nicht, wie Sie berufliche Mails handhaben, aber der Arbeitgeber, der akzeptiert, selbige über private Accounts und Server zu verschicken, muss erst noch "geboren" werden. Und haben Sie überlesen, dass einzig und allein Mails mit dem Bezug auf die Affäre so gehandhabt wurden? Und dass Niersbach selber eingestanden hat, "früh Mitwisser" gewesen zu sein, ist für Sie ein Indiz für Unschuld? Wahrscheinlich hat seine Sekretärin den Ordner auch nur zufällig mitgehen und verschwinden lassen. Klar gilt auch für Niersbach die Unschuldsvermutung. Aber das bedeutet nicht, dass man sich wegen des geliebten Sommermärchens dümmer und naiver stellen muss, als es die Polizei erlaubt, oder?
carinanavis 29.03.2017
5. scherzkekse
Einen Aktenordner ""WM 2016" würde ich als DFB-Mitarbeiter auch vernichten. Das hat nämlich mit Fussball nichts zu tun, im Futsal gab es 2016 ein WM in Kolumbien, dann eine U17-Frauen WM, eine Karate-WM usw. Wie üblich miserable recherchiert vom SPIEGEL in der von ihm selbst erfundenen WM-Affäre. Schreiben Sie mal lieber mehr über den Hauptverdächtigen Theo Zwanziger, dem Sie offenbar Unsummen gezahlt haben, damit er Interna preisgibt. Dummerweise hat er Ihnen von Anfang Lügengeschichten erzählt, um den Vrdacht von sich auf andere (Niersbach, Beckenabuer) abzulenken.
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