Zehn-Jahres-Plan des DFB Ein Hoch auf uns

Titel über Titel, ein prunkvoller Neubau, die EM im eigenen Land: Der DFB präsentiert ehrgeizige Pläne für die kommenden zehn Jahre. Er will auf Dauer die Nummer eins im Weltfußball sein.
Präsident Niersbach (r.): Nationalmannschaftsmanager Bierhoff: DFB 2024

Präsident Niersbach (r.): Nationalmannschaftsmanager Bierhoff: DFB 2024

Foto: Arne Dedert/ dpa

Dieses Weltmeister-Jahr darf nicht einfach schnöde zu Ende gehen. Das wird sich Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), gedacht haben und holte daher in Frankfurt am Main - bis auf Bundestrainer Joachim Löw - noch einmal alles zusammen, was im DFB etwas zu sagen hat. Eine Gelegenheit für Niersbach, nach vorne zu blicken, aber auch, den deutschen Fußball, den Verband und sich selbst zum Jahresabschluss noch einmal in Gänze zu feiern.

"Ein Hoch auf uns" heißt der Song von Andreas Bourani, der die Nationalmannschaft bei der WM im Sommer begleitet hat. Es könnte die Hymne des DFB werden. Der Verband und ihr Präsident wähnen sich auf dem Zenit. Und von diesem wollen sie auch nicht mehr herunter.

"DFB 2024" hat Niersbach sein neues Lieblingsprojekt getauft - und darunter fällt alles, was die in Brasilien errungene neue Dominanz im Weltfußball auf Dauer stabilisieren soll. Ein Zehn-Jahres-Plan, an dessen Ende als Krönung die Europameisterschaft im eigenen Lande stehen soll - "das ist unser ehrgeizigstes Ziel", sagt Niersbach. Die gleichzeitige Olympiabewerbung des DOSB für das Jahr 2024, mit der sich beide Verbände gegenseitig zu blockieren drohen, begleite er "mit Respekt und Sympathie", es gebe für ihn aber überhaupt keinen Grund, deshalb von den EM-Plänen abzuweichen.

Auf dem Weg dahin sollen diverse Titel von der U21-EM über den Olympiasieg bis zur Frauenfußball-WM eingesammelt werden. Die neue Akademie in Frankfurt soll das Selbstverständnis des DFB in Beton gießen, das Fußballmuseum in Dortmund die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen. "Wir wollen die Kompetenz im Fußball sein, national und international", sagt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. An Deutschland soll im Weltfußball kein Weg mehr vorbeigehen.

"Campo-Bahia-Flair am Main"

Kernstück aller Ambitionen wird die 89 Millionen Euro teure DFB-Akademie in Frankfurt werden, eine Kathedrale des Verbands. Noch nie hat der DFB so viel Geld in ein Einzelvorhaben investiert. Der neue Sportdirektor Hans-Dieter Flick spricht vom "Meilenstein", Mediendirektor Ralf Köttker schwärmt vom "DFB der Zukunft" und vom künftigen "Campo-Bahia-Flair am Main". Dass Gegner des Projektes in Frankfurt ein Bürgerbegehren gegen die Akademie auf den Weg gebracht haben, irritiert DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, federführend für das Bauprojekt, nicht besonders: "Wir treiben den Bau in dem geplanten Tempo voran."

Das heißt: Architektenwettbewerb bis Mai, Baubeginn 2016, Fertigstellung 2018. In dem Jahr, in dem Deutschland nebenbei in Russland den fünften Weltmeister-Stern einheimsen soll. "Es gibt kein Zurücklehnen, es geht immer weiter", sagt Niersbach, der jetzt schon an die Kinder und Jugendlichen denkt, "die dann 2024 oder 2030 für uns bei den Turnieren Titel holen sollen".

Es gehe darum, sagt DFB-Vize Rainer Koch, bei den 25.000 Vereinen in Deutschland den "besten Nachwuchs rauszufinden, der später in der A-Mannschaft spielen soll". Das System soll noch lückenloser, noch perfekter werden, kein Talent soll unentdeckt bleiben. Dass Deutschland in Zukunft "unbesiegbar" sei, wie Franz Beckenbauer es 1990 nach dem WM-Erfolg formulierte, weist Niersbach allerdings vehement zurück. Auch wenn davon mancher beim DFB träumen mag.

Titel holen - das sollen natürlich auch Horst Hrubesch als U21-Coach und Silvia Neid als Trainerin des Frauenteams, das ist ihr ganz klarer Auftrag, mit dem sie 2015 in die Turniere EM und WM geschickt werden. Während Neid noch vorsichtig darauf hinweist, dass "es mindestens acht Teams gibt, die auch Weltmeisterinnen werden wollen und können", macht Hrubesch klar: "Alle schieben uns die Favoritenrolle zu - und ich nehme die gerne an."

Und weiter geht es mit den ambitionierten Zielsetzungen: Ab dem kommenden Jahr wird Niersbach voraussichtlich im mächtigen Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes sitzen und will dann "dazu beitragen, das Image der Fifa zum Positiven zu wenden" und den Verband zu einer "Institution zu machen, die für absolute Glaubwürdigkeit und Integrität steht". Spätestens da wird dann wohl auch der DFB-Präsident seine Grenzen stoßen. Dafür braucht es wohl erst den Plan Fifa 2044.

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