WM-Affäre Deutsches Gericht lässt Anklage gegen Niersbach und Zwanziger zu

In der Schweiz wurde bereits Anklage gegen die Ex-DFB-Präsidenten Niersbach und Zwanziger erhoben. Jetzt müssen sie sich wegen der WM-Affäre auch in Deutschland vor Gericht verantworten.

Den früheren DFB-Bossen Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger (Archivbild) droht neues Ungemach
Thomas Peter REUTERS

Den früheren DFB-Bossen Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger (Archivbild) droht neues Ungemach


Die Aufarbeitung des Sommermärchen-Skandals hat eine erneute Wendung genommen. Der früheren Spitzenriege des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird im Zusammenhang mit dem Skandal um die Vergabe der WM 2006 nun doch auch in Deutschland der Prozess gemacht.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat die Anklage gegen die Ex-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie den langjährigen Generalsekretär Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung im zweiten Anlauf zugelassen. Auch der ehemalige Generalsekretär des Weltverbands Fifa, der Schweizer Urs Linsi, muss sich vor Gericht verantworten.

Mitte Oktober des vergangenen Jahres hatte das Landgericht Frankfurt beschlossen, auf die Eröffnung eines Hauptverfahrens zu verzichten. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel ein - mit Erfolg.

Im Juli hatte auch die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage gegen die WM-Macher erhoben. Niersbach, Zwanziger, Schmidt und Linsi haben nach Auffassung der Bundesanwaltschaft "arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro getäuscht". Sie machten sich demnach des "Betrugs in Mittäterschaft" (Zwanziger, Schmidt, Linsi) bzw. der "Beihilfe zum Betrug" (Niersbach) schuldig.

"Weder die Tatsache noch der Inhalt des Beschlusses ändern etwas an der von hier aus vertretenen Rechtsauffassung, wonach die Vorwürfe gegen meinen Mandanten unbegründet sind", hieß es in einer ersten Reaktion des Anwaltes von Zwanziger. Schmidts Anwälte teilten am Abend mit, dass dieser den Vorwurf der Steuerhinterziehung "weiterhin entschieden" zurückweise.

Das OLG bewertete die Sachlage anders: "Nach vorläufiger Bewertung liegt ein hinreichender Tatverdacht dafür vor, dass die vier Angeklagten im Zusammenhang mit der als Betriebsausgabe 'Kostenbeteiligung Fifa-'Gala 2006' bezeichneten Rückzahlung eines Darlehens an den Fußballer F.B. in Höhe von 6,7 Mio. Euro im Jahr 2006 eine Steuerhinterziehung bzw. Beihilfe zur Steuerhinterziehung begangen haben", hieß es in einer Pressemitteilung.

Nach Angaben des Gerichts drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Dazu verurteilt werden könne man "bei unrichtigen oder unvollständigen Angaben über steuerlich erhebliche Tatsachen"; wenn man die Behörden "über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis" lasse oder "pflichtwidrig die Verwendung von Steuerzeichen oder Steuerstemplern unterlässt und dadurch Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt", wie es in der Mitteilung des Oberlandesgerichts hieß.

Video: Theo Zwanziger über die schwarze Kasse- Exklusiv-Interview mit SPIEGEL TV

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aha/sid/dpa



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