Rücktritt als DFB-Präsident Niersbach fällt weich

Mit seinem Rücktritt als DFB-Präsident hat Wolfgang Niersbach die Konsequenzen aus der WM-Affäre gezogen. In den Führungsgremien von Fifa und Uefa will er dennoch bleiben. Wie passt das zusammen?
Niersbach: Wie reagiert die Fifa-Ethikkommission?

Niersbach: Wie reagiert die Fifa-Ethikkommission?

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Bei den Weltmeistern herrschte am Dienstag Betroffenheit. Als "menschlich sehr schade" bezeichnete Toni Kroos den Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Er hat alles für den DFB und die Mannschaft getan", ergänzte Lukas Podolski.

Niersbach hatte am Montag seinen Rücktritt erklärt. Damit übernahm der 64-Jährige die politische Verantwortung für die Affäre im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2006. Obwohl er Vizepräsident des Organisationskomitees war, habe er sich nichts vorzuwerfen, betonte Niersbach.

Vorerst übernehmen Reinhard Rauball und Rainer Koch die Geschäfte beim Deutschen Fußball-Bund. Bis spätestens zur Europameisterschaft im Sommer soll ein neuer Präsident gewählt werden, sagte Koch.

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Doch wie geht es für Wolfgang Niersbach weiter? Kann er trotz der Affäre und des Rücktritts Mitglied der Führungsgremien von Fifa und Uefa bleiben? Und was macht die Ethikkommission des Weltverbands? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich für Niersbach?

Auch wenn seine Karriere beendet sein dürfte, ändert sich für Niersbach zumindest finanziell erst einmal nicht viel. Er muss zwar künftig auf die Aufwandentschädigung verzichten, die ihm als DFB-Präsident zustand. Diese beträgt rund 70.000 Euro. Auch seinen Dienstwagen dürfte Niersbach abgeben müssen.

Seine umstrittene Betriebsrente hingegen, die im unteren sechsstelligen Bereich liegen soll, wird er dagegen weiter beziehen. Dazu kommen die Aufwandsentschädigungen als Mitglied des Uefa- und des Fifa-Exekutivkomitees. Niersbach ist seit Mai 2013 Mitglied im Führungsgremium des europäischen Verbands, seit Mai dieses Jahres zählt er auch zu den Top-Vertretern des Weltverbands.

Mitglieder der Uefa-Exekutive erhalten jährlich rund 50.000 Euro. Deutlich höher ist die Aufwandsentschädigung bei der Fifa: Wie die britische Zeitung "Sunday Times" im vergangenen Jahr enthüllte, erhalten die Funktionäre im Schnitt 200.000 Dollar pro Jahr. Dazu kommen 700 Dollar Spesen pro Tag. Niersbach äußerte sich bislang nicht zu seinen Einkünften.

Warum bleibt er Mitglied der Fifa- und Uefa-Exekutive?

Es klingt paradox: Wie kann Niersbach den deutschen Fußball weiter in den internationalen Gremien vertreten, wenn er als DFB-Präsident zurückgetreten ist?

Wenn man die Paragraphen der Verbände betrachtet, ist das jedoch durchaus möglich. Denn obwohl Niersbach vom DFB nominiert wurde - und wie beim DFB übrigens seinen Intimfeind Theo Zwanziger ablöste -, ist seine Wahl unabhängig von seinem Posten beim deutschen Verband. Es handelt sich um eine persönliche Wahl für die gesamte Amtszeit.

Selbst wenn der DFB also fordern würde, dass Niersbach seine Mitgliedschaft in den Gremien niederlegt, müsste er dem nicht nachkommen. Ein solches Szenario gab es im vergangenen Jahr, als die DFB-Spitze Zwanzigers Rückzug aus der Fifa-Exekutive forderte. Der 70-Jährige weigerte sich und blieb bis Mai der deutsche Vertreter im Führungsgremium des Weltverbands.

Wie reagiert die Fifa-Ethikkommission?

Die einzige Instanz, die Niersbachs Mitgliedschaft in den Führungsgremien von Fifa und Uefa beenden könnte, ist die Ethikkommission des Weltverbands. Wenn diese ihn für alle Tätigkeiten im Weltfußball sperrt, wie sie es etwa bei Michel Platini und Joseph Blatter getan hat, dürfte Niersbach nicht mehr an den Sitzungen der Exekutivkomitees teilnehmen - und natürlich auch kein Geld mehr von Fifa und Uefa bekommen.

Bislang hält sich die Untersuchungskammer der Ethikkommission noch bedeckt. Es gebe kein formelles Verfahren, sagte ein Sprecher auf Anfrage, man beobachte die Entwicklungen in Deutschland aber aufmerksam.

Auf die Nachfrage, ob die Ethikkommission Kontakt mit der vom DFB beauftragten Kanzlei Freshfields oder der Staatsanwaltschaft Frankfurt habe, schreibt der Sprecher: "Aus taktischen Gründen halten wir uns derzeit zu Fragen bezüglich der laufenden Ermittlungen bedeckt."

Der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert, wäre im Fall Niersbach wohl außen vor. Weil er Deutscher ist, würde er als befangen gelten. Stattdessen müsste sein Stellvertreter, der Australier Alan Sullivan, ein mögliches Urteil aussprechen.

Video: Niersbach - "Absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet"

kicker.tv