Wolfsburg schlägt Schalke Es gibt ein Leben nach De Bruyne

Klar, Kevin De Bruyne ist offiziell noch immer ein Wolfsburger - aber eigentlich doch schon weg. Ist das Team ohne ihn entkernt? Ganz und gar nicht. Gegen Schalke spielte der VfL zum ersten Mal wie eine Spitzenmannschaft.

Timm Klose (l.) und Bas Dost: VfL siegt auch ohne De Bruyne
AFP

Timm Klose (l.) und Bas Dost: VfL siegt auch ohne De Bruyne

Aus Wolfsburg berichtet


Bas Dost ist ein geradliniger Typ, auf dem Fußballplatz und abseits davon. Das war beim 3:0-Erfolg des VfL Wolfsburg über den FC Schalke 04 wieder einmal zu beobachten. In der 17. Minute brachte Dost die Wolfsburger in Führung - wie man das als guter Mittelstürmer macht, ohne zu zögern und zu zaudern: Flanke von Christian Träsch, Dost aus kurzer Distanz per Direktabnahme ins Tor.

Ähnlich zielgerichtet zeigte sich Dost in der Nachbesprechung der Partie. Natürlich ging es auch da um das Wolfsburger Dauerthema, den drohenden Weggang von Kevin De Bruyne und den nahenden Abschied von Ivan Perisic. "Es ist eine Enttäuschung, dass sie uns verlassen", sagte Dost.

Damit verstieß er ganz nebenbei gegen die Sprachregelung des Klubs. Die besagt, dass De Bruyne und Perisic immer noch Spieler des VfL Wolfsburg sind. Dass weder in De Bruynes Fall eine Einigung mit Manchester City erzielt ist noch bei Perisic mit Inter Mailand. Dass also noch gar nicht entschieden ist, ob sie den Pokalsieger und Vizemeister wirklich verlassen. Die beiden Spieler sind noch da, aber irgendwie auch nicht mehr. Im Kader von Trainer Dieter Hecking gegen Schalke fehlten beide. Sie seien im Kopf nicht frei, so die Begründung.

Torschütze Dost: Auf den Punkt
AP/dpa

Torschütze Dost: Auf den Punkt

Dahinter dürfte wohl eher eine Vorsichtsmaßnahme stehen: Der Trainer wollte die anstehenden Transfers nicht durch mögliche Verletzungen gefährden. Und er wollte sich so früh wie möglich auf die neuen Bedingungen einstellen. Darauf, dass die Wolfsburger künftig ohne De Bruyne und Perisic auskommen müssen. Vor allem De Bruynes Weggang wiegt schwer. Er war in der vergangenen Saison der beste Vorlagengeber der Liga und dürfte zum teuersten Transfer der Bundesliga-Geschichte werden. Manchester City will offenbar rund 75 Millionen Euro überweisen.

Plötzlich ein Spitzenteam - gegen schwache Schalker

Gegen Schalke zeigten die Wolfsburger, dass sie auch in der neuen Konstellation konkurrenzfähig sind. Dabei half natürlich, dass die Gäste aus Gelsenkirchen erstaunlich ideenlos auftraten. Auf De Bruynes Position im offensiven Mittelfeld spielte Max Kruse, Neu-Anschaffung aus Mönchengladbach. Den Posten von Perisic auf dem Flügel übernahm Vieirinha. Auf ein kurzes Schalker Zwischenhoch nach der Pause reagierte der VfL mit zwei Toren kurz nacheinander, 2:0, 3:0. In der 59. Minute traf Ricardo Rodriguez per Elfmeter, in der 61. Minute traf Timm Klose nach einer Ecke zum Endstand.

Die Wolfsburger traten am dritten Spieltag zum ersten Mal in dieser Saison dominant und abgeklärt auf. Sie spielten zum ersten Mal wie eine Spitzenmannschaft und wurden vorübergehend mit der Tabellenführung belohnt.

Noch-Wolfsburger De Bruyne: Gegen Schalke nur Zuschauer
AP/dpa

Noch-Wolfsburger De Bruyne: Gegen Schalke nur Zuschauer

Die Partie dürfte die Verantwortlichen des VfL in ihrer Auffassung bestätigten, dass sie die Mannschaft ohne De Bruyne nicht gleich vom Spielbetrieb abmelden müssen. "Unser Kader ist ziemlich breit, wir haben viele Möglichkeiten", sagte Sportchef Klaus Allofs und verwies darauf, dass in der zweiten Halbzeit mit André Schürrle, Nicklas Bendtner und Maximilian Arnold Spieler von der Bank gekommen seien, die genauso gut in der Anfangsaufstellung hätten stehen können.

In der Champions League warten härtere Gegner

"Wir sind noch nicht am Limit", sagte Allofs und hat sogar recht mit dieser These. Schürrle zum Beispiel hat bisher höchstens angedeutet, wofür die Wolfsburger im Februar 32 Millionen Euro an den FC Chelsea gezahlt haben.

Mit seinem Lob für den Kader will Allofs die Befürchtungen zerstreuen, dass sein Team nur noch die Hälfte Wert sei ohne Perisic und De Bruyne. Dass es entkernt werde durch die Weggänge. Bei aller Freude über den Sieg gegen Schalke weiß Allofs aber auch, dass sich die Gegner in der Champions League mit mehr Leidenschaft wehren werden.

Auf eine Debatte über mögliche Nachfolger für Perisic und De Bruyne ließ er sich am Freitag nicht ein. Zu hypothetisch, zu viele Konjunktive. "Aber natürlich machen wir uns Gedanken", sagte Allofs.

Geld dürfte bald ausreichend zur Verfügung stehen, der Handlungsspielraum ist groß. Das gilt aber auch für den Zeitdruck - am Montag endet die Wechselperiode.

insgesamt 10 Beiträge
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lupy 29.08.2015
1. Dieser Herr Hecking
fiel mir damals bereits bei Alemania Aachen auf. Ich mag die Trainer, die ruhig und unauffällig ihre Arbeit machen, so man sie denn auch läßt. Von seiner Art erinnert er mich an die beiden ganz großen Gentlemen-Trainer Jupp H. und Ottmar H. Ist das mit dem H. Zufall?
Ihr5spieltjetzt4gegen2 29.08.2015
2. Nicht ein einzelnes Match ist entscheidend, sondern die gesamte Saison
Ich habe nirgendwo in den Diskussionen gehört oder gelesen, dass sich die Wölfe nach einem Fortgang de Bruynes (und von Perisic) "vom Spielbetrieb abmelden" müssten oder im Nirvana des Bundesliga-Mittelfeldes verschwinden würden. Dazu besitzt der gesamte Kader auch zuviel Qualität, ist der Trainer zu kompetent und der Manager zu clever. Kaderinterne Umpositionierungen (wie gestern abend), Neuverpflichtungen (kurzfristig bis Montag oder zur Winterpause) oder auch mögliche Umstellungen des Spielsystems können da einiges kompensieren. Das Team wird am Ende der Saison mit höchster Wahrscheinlichkeit im ersten Tabellendrittel landen. Um dass zu prognostizieren muss man kein Nostradamus sein; wobei es sicherlich immer Überraschungen geben kann (siehe BVB letzte Saison). Die entscheidende Frage bleibt für mich aber, ob es am Ende wieder ein CL-Platz wird, oder ob es 'nur' für die EL reichen wird. Man spielt wieder in 3 Wettbewerben, so wie in der letzten Saison. Nur dürfte die CL etwas fordernder sein, als es die EL letzte Saison war. Da wird sich das Fehlen eines de Bruynes mMn schon bemerkbar machen; auch wird Perisic als Alternative für die offensiven Außenpositionen fehlen. Da wird man vielleicht noch kurzfristig jemanden verpflichten, aber ob derjenige dann auch sofort eine Verstärkung darstellt ist unsicher. Auch über die Länge einer BL-Saison bleibt es für mich fraglich, ob ein Spieler wie de Bruyne, der es derart effektiv verstand seine Mitspieler auf deren Stärken abgestimmt einzusetzen, der so viele öffnende Pässe gespielt hat, ohne Qualitätsverlust kompensiert werden kann. Wie gesagt, es geht um die Summe der Spiele, nicht um ein einzelnes Match. Es sind oft nicht so viele Punkte, die den Unterschied zwischen CL- und EL-Platz ausmachen. Aber genau diesen Unterschied hat de Bruyne in der letzten zur vorletzten Saison ausgemacht.
PowlPoods 29.08.2015
3. Sehr
schönes Spiel von Schalke. Sie haben einmal mehr gezeigt, das man einen Verein mit einem Hasenhirn als Manager und einem Seifenkistenrennentrainer durchaus auch mit Spitzenpersonal locker in die zweite Liga führen kann. Gut gemacht.
brendan33 29.08.2015
4. Sehr subtile, gute Strategie...
Die Premier League macht einen Milliarden-Fernseh-Deal. Die Bundesliga reagiert zunächst entsetzt, frustriert, neidisch. Wenn aber die vielen Fernsehmilliarden aus England über den völlig überteuerten Verkauf einiger hochtalentierter Bundesligaspieler - ohne das Gesamtqualitätsniveau insgesamt abzusenken - dann doch in der Bundesliga landen, kann ich nur sagen: "Wer zuletzt lacht...."
Mähtnix 29.08.2015
5.
Zitat von Ihr5spieltjetzt4gegen2Ich habe nirgendwo in den Diskussionen gehört oder gelesen, dass sich die Wölfe nach einem Fortgang de Bruynes (und von Perisic) "vom Spielbetrieb abmelden" müssten oder im Nirvana des Bundesliga-Mittelfeldes verschwinden würden. Dazu besitzt der gesamte Kader auch zuviel Qualität, ist der Trainer zu kompetent und der Manager zu clever. Kaderinterne Umpositionierungen (wie gestern abend), Neuverpflichtungen (kurzfristig bis Montag oder zur Winterpause) oder auch mögliche Umstellungen des Spielsystems können da einiges kompensieren. Das Team wird am Ende der Saison mit höchster Wahrscheinlichkeit im ersten Tabellendrittel landen. Um dass zu prognostizieren muss man kein Nostradamus sein; wobei es sicherlich immer Überraschungen geben kann (siehe BVB letzte Saison). Die entscheidende Frage bleibt für mich aber, ob es am Ende wieder ein CL-Platz wird, oder ob es 'nur' für die EL reichen wird. Man spielt wieder in 3 Wettbewerben, so wie in der letzten Saison. Nur dürfte die CL etwas fordernder sein, als es die EL letzte Saison war. Da wird sich das Fehlen eines de Bruynes mMn schon bemerkbar machen; auch wird Perisic als Alternative für die offensiven Außenpositionen fehlen. Da wird man vielleicht noch kurzfristig jemanden verpflichten, aber ob derjenige dann auch sofort eine Verstärkung darstellt ist unsicher. Auch über die Länge einer BL-Saison bleibt es für mich fraglich, ob ein Spieler wie de Bruyne, der es derart effektiv verstand seine Mitspieler auf deren Stärken abgestimmt einzusetzen, der so viele öffnende Pässe gespielt hat, ohne Qualitätsverlust kompensiert werden kann. Wie gesagt, es geht um die Summe der Spiele, nicht um ein einzelnes Match. Es sind oft nicht so viele Punkte, die den Unterschied zwischen CL- und EL-Platz ausmachen. Aber genau diesen Unterschied hat de Bruyne in der letzten zur vorletzten Saison ausgemacht.
Vielen Dank, volle Zustimmung. Einen so vielseitigen Spieler wie de Bruyne habe ich noch nie (live) erleben dürfen. Ich denke auch, dass es schwierig sein wird, diesen Ausfall dauerhaft zu kompensieren. Allein aus dem (wirklich guten) Kader wird das Wolfsburg wohl nicht gelingen. Für mich fällt Wolfsburg ohne de Bruyne qualitativ hinter den BVB und leider (aus meiner Sicht als EffZeh-Fan :-)) auch hinter Bayer zurück. Draxler könnte für Wolfsburg eine Alternative sein, wenn er in der Lage sein sollte, dort die nächste Stufe zu erreichen. Aber das sind viele Konjunktive :-)
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