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Wolfsburgs 0:1 gegen Leipzig Tradition schießt keine Tore

Der seit 20 Jahren erstklassige VfL Wolfsburg unterlag daheim auch Leipzig - die Rasenballer sind erst seit sieben Spielen erstklassig. Der Aufsteiger rückt so bis auf zwei Zähler an die Tabellenspitze heran.

Ausgangslage: Ein Klub, der im vergangenen Spieljahr nur knapp das Halbfinale der Champions League verpasst hatte, musste zum Abschluss des siebten Spieltags gegen einen Aufsteiger antreten. Oder: Der seit fünf Spieltagen sieglose VfL Wolfsburg stand vor einer äußerst schweren Heimaufgabe gegen RB Leipzig, den noch ungeschlagenen Liganeuling. Mit seinem rasanten Umschaltspiel beeindruckt das Team die Bundesliga und konnte mit einem Sieg mit zwei Toren Vorsprung theoretisch sogar auf den zweiten Tabellenplatz klettern. Alles eine Frage der Perspektive.

Startformationen:
VfL Wolfsburg: Casteels - Träsch, Bruma, Knoche, Rodríguez - Seguin, Luiz Gustavo - Vieirinha, Arnold, Draxler - Gomez.
RB Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Ilsanker, Demme - Sabitzer, Forsberg - Werner, Poulsen.

Das Ergebnis: 0:1 (0:0). RB Leipzig bleibt in seiner kurzen Bundesliga-Geschichte ungeschlagen, der VfL bleibt im Krisenmodus. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Der Tabellen-14. - um mögliche Missverständnisse zu vermeiden: Wolfsburg - begann stark und versuchte, über die Flügel hinter die letzte Abwehrreihe der Leipziger zu kommen. Erste Versuche von Julian Draxler (4.) und Vieirinha (11.) verfehlten allerdings ihr Ziel. Das Hasenhüttl-Team tat sich zunächst noch schwer gegen die engagierten Gastgeber, erst ein Fehler von VfL-Schlussmann Koen Casteels brachte Leipzig die erste und beste Chance der gesamten ersten 45 Minuten: Casteels hatte sich den Ball etwas zu sorglos vorgelegt, Timo Werner entschlossen seinen Körper dazwischen gebracht, um sich anschließend umgrätschen zu lassen (17.). Elfmeter - mal wieder.

Das Leitmotiv: Männer, die auf Punkte deuten. Zum zehnten (!) Mal an diesem Spieltag trat ein Spieler zum Elfmeter an - und zum fünften (!) Mal scheiterte der Schütze. In gewisser Weise übertraf Emil Forsberg dabei sogar seine vier Vorgänger: Während nämlich Pierre-Emerick Aubameyang, André Hahn und Antonio-Mirko Colak zumindest am Torwart und Lars Stindl am Querbalken scheiterten, setzte Forsberg den Ball weit am linken Pfosten vorbei. So ging's torlos in die Pause.

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Leipzigs Sieg gegen Wolfsburg: Angekommen in der Spitzengruppe

Foto: Peter Steffen/ dpa

Die zweite Hälfte: Spiele mit Beteiligung von RB Leipzig neigen schon aufgrund des Spielansatzes des Aufsteigers dazu, immer etwas hektisch zu wirken. Auch die zweite Hälfte in Wolfsburg war keine Ausnahme: Der VfL war nach Wiederanpfiff in erster Linie darum bemüht, Ballverluste zu vermeiden - was allerdings nicht ausnahmslos gelang. So kamen auch im zweiten Durchgang die Gäste zu den besseren Möglichkeiten: Dominik Kaiser (47.), Yussuf Poulsen (58.) und Timo Werner (87.) vergaben aber. Besser machte es einzig Emil Forsberg: Sein präziser Abschluss ins lange Eck bescherte Leipzig den einzigen Treffer des Abends und einen verdienten Auswärtssieg (70.).

Mario Gomez: Kehrte nach seiner Verletzung wieder in die Wolfsburger Startaufstellung zurück. Er hatte seine stärkste Szene in der ersten Hälfte, als er von Bernardo im Strafraum umgeschubst wurde, dafür aber - an diesem Spieltag: ausnahmsweise - keinen Strafstoß bekam. Ansonsten: ganze zwölf Ballaktionen in 90 Minuten, kein Torschuss. Sinnbild für das Offensivspiel des VfL. Ist das wirklich der Mann, dessen Ausfall vor dem EM-Halbfinale ganz Fußball-Deutschland bejammert hatte?

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Tonprobleme: Während einerseits die Außenmikrofone des übertragenden Senders Sky im ersten Durchgang die übellaunigen Kommentare von VfL-Trainer Dieter Hecking phasenweise zu deutlich einfingen, geriet die Schalte zum Schiedsrichterexperten Markus Merk zum nostalgischen Ratespiel für die ganze Familie. Sprach der Mann durch einen Yoghurtbecher mit verwickelter Schnur? War er live von der ISS zugeschaltet? Oder gar von noch weiter weg? Zu verstehen war er jedenfalls nicht.

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Die Erkenntnis des Abends, Teil 1: Nach dem vierten torlosen Auftritt der Saison, dem sechsten sieglosen Spiel in Folge, dürfte Dieter Hecking auch in den kommenden Trainingseinheiten wieder laut und deutlich werden - so er diese denn überhaupt noch leiten darf. Die Aussagen von Geschäftsführer Klaus Allofs ("Das kann mit dem Trainer sein, das kann ohne den Trainer sein") lassen sich nämlich nur noch unter größten Verrenkungen als Rückendeckung interpretieren.

Dieter Hecking

Dieter Hecking

Foto: Peter Steffen/ dpa

Die Erkenntnis des Abends, Teil 2: Ja, diese Leipziger, die haben schon ein recht ordentliches Team. Die werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben, aber für ganz oben reicht das noch nicht. Haben so oder ähnlich etliche Experten vor der Saison gesagt. Nun, vielleicht sollte man diese Prognose nach sieben Spieltagen noch einmal aktualisieren.