Wolfsburgs Frauen in der Champions League "Warum sollten wir dieses Produkt zum Nulltarif anbieten?"

Mit Wolfsburg und Lyon treffen im Viertelfinale der Champions League die besten Teams Europas und die besten Spielerinnen der Welt aufeinander. Eine große Kulisse wie in Turin und Madrid wird es aber nicht geben.

Lyon-Angreiferin Ada Hegerberg (Nr. 14), Wolfsburg-Mittelfeldspielerin Sara Bjork Gunnars-Dottir (l.)
JEFF PACHOUD / AFP

Lyon-Angreiferin Ada Hegerberg (Nr. 14), Wolfsburg-Mittelfeldspielerin Sara Bjork Gunnars-Dottir (l.)

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Am Mittwoch gibt es ein europäisches Spitzenspiel in der Champions League, die beiden besten Teams Europas treffen in Wolfsburg aufeinander: Der VfL empfängt nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel Olympique Lyon zum Viertelfinalrückspiel (18.15 Uhr/TV: SPORT1). Auf dem Platz werden die drei derzeit besten Spielerinnen der Welt stehen, Ada Hegerberg, Pernille Harder und Dzsenifer Marozsán.

Man sollte meinen, dass dieses Spiel Zehntausende Menschen im Stadion verfolgen werden. Zumal den Wolfsburgerinnen ein 1:0 reicht, um Revanche für die Pleite im Finale der Königsklasse vor zehn Monaten zu nehmen. Und weil in Europas Fußball der Frauen rund drei Monate vor der WM in Frankreich ein Hype ausgebrochen zu sein scheint.

60.739 Menschen kamen vor zwei Wochen zum Topspiel der spanischen Primera División zwischen Atlético Madrid und dem FC Barcelona, ein neuer Weltrekord für den Klubfußball. Am vergangenen Wochenende strömten 39.027 in der italienischen Serie A zur Partie von Juventus gegen Florenz, immerhin italienischer Rekord.

Zuschauerzahlen "künstlich aufgebläht"

Doch in Wolfsburg werden im besten Fall 5200 Zuschauer die Chance bekommen, das Geschehen auf den Rängen im Stadion zu verfolgen. Mehr passen einfach nicht ins Frauenstadion rein. Da liegt die Frage nahe: Warum ziehen die Wolfsburgerinnen nicht in das zwei Gehminuten entfernte Stadion der Männer um, das 30.000 Fans Platz bietet?

Ein Umzug wäre nur bei einer angemessenen Kartennachfrage überlegenswert gewesen, sagt ein VfL-Sprecher dem SPIEGEL. Die gab es offenbar nicht. Die Rekordspiele sieht man hier in Wolfsburg kritisch. In Madrid und Turin wurden kostenlose Tickets ausgegeben und so die Ränge gefüllt. Diese Art, die Zuschauerzahlen "künstlich aufzublähen", lehne der VfL Wolfsburg ab.

Der Verein halte die Aktionen in den sonst spärlich besuchten Ligen "bei allem Respekt" für "mit allen Mitteln der PR gepushte Einzel-Events". Die kurzfristige Aufmerksamkeit, für die ein solches Event sorgen könnte, lockt die Verantwortlichen nicht. Der Verein hält das nicht für nachhaltig. Für eine Eintrittskarte beim VfL erhalte man Frauenfußball auf europäischem Topniveau. "Warum sollten wir dieses Produkt zum Nulltarif anbieten?"

23 Tore im Achtelfinale

Trotz des Verzichts auf die große Bühne werden außergewöhnlich viele Zuschauer da sein - gemessen am sonstigen Interesse: Zu den Bundesliga-Spielen kommen in Wolfsburg in dieser Saison im Schnitt 1643 Zuschauer ins Stadion, in der Champions League sind es immerhin 2309. In Lyon kamen bisher durchschnittlich mehr als 10.000 Zuschauer zu den Heimspielen der Königsklasse - da kann Wolfsburg nicht mithalten.

Die Wolfsburger, die sich am Abend auf den Rängen einfinden (und den TV einschalten), können sich nach Lage der Dinge vor allem auf eines freuen: Tore. Beide Teams boten in der laufenden Saison Spektakel. Allein in den jeweils zwei Achtelfinalpartien von Wolfsburg und Lyon erzielten beide Teams zusammen 23 Tore.

Und dann sind da noch die drei besten Spielerinnen der Welt.

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misterknowitall2 27.03.2019
1. Komische Philosophie?
Es ist also besser vor tausend Fans zu spielen als vor 10.000 damit man den Fußball nicht unter Wert verkauft? Erst mal hat der Frauen-Fußball in Deutschland keinen Wert. Das macht man sich gerne vor, doch in der Realität interessieren sich mehr Deutsche für Skispringen als für Frauenfußball (das ist keine Wertung über Frauenfußball). Da können noch so viele Weltstars auf dem Platz stehen. Warum also dann nicht die Bude vollmachen, egal wie? Nur so kann man auch in Zukunft auf volle Stadien hoffen. Man begehrt nur das, was man regelmäßig sehen kann.
Crom 27.03.2019
2.
Zitat von misterknowitall2Es ist also besser vor tausend Fans zu spielen als vor 10.000 damit man den Fußball nicht unter Wert verkauft? Erst mal hat der Frauen-Fußball in Deutschland keinen Wert. Das macht man sich gerne vor, doch in der Realität interessieren sich mehr Deutsche für Skispringen als für Frauenfußball (das ist keine Wertung über Frauenfußball). Da können noch so viele Weltstars auf dem Platz stehen. Warum also dann nicht die Bude vollmachen, egal wie? Nur so kann man auch in Zukunft auf volle Stadien hoffen. Man begehrt nur das, was man regelmäßig sehen kann.
Wenn man die Tickets verschenkt, dann fragen sich die, welche sie kaufen, wofür sie diese eigentlich kaufen. Das kann man vielleicht mal als Schnupperangebot für ein Spiel in der Frauen-BL machen, aber nicht für das Top-Spiel in der CL. Beim VfL würden sich vielleicht auch Kombi-Tickets Herren- und Damen lohnen. Sollten die Verantwortlichen mal darüber nachdenken.
supergrobi123 27.03.2019
3. Genau andersrum.
Zitat von misterknowitall2Es ist also besser vor tausend Fans zu spielen als vor 10.000 damit man den Fußball nicht unter Wert verkauft? Erst mal hat der Frauen-Fußball in Deutschland keinen Wert. Das macht man sich gerne vor, doch in der Realität interessieren sich mehr Deutsche für Skispringen als für Frauenfußball (das ist keine Wertung über Frauenfußball). Da können noch so viele Weltstars auf dem Platz stehen. Warum also dann nicht die Bude vollmachen, egal wie? Nur so kann man auch in Zukunft auf volle Stadien hoffen. Man begehrt nur das, was man regelmäßig sehen kann.
Ob man etwas begehrt oder nicht, hat doch nichts damit zu tun, ob man es sehen kann! Bis zu einem gewissen Maß wirkt natürlich Produktwerbung, um Interesse zu schaffen, aber das ist doch keine Garantie für große Markterfolge! Frauenfußball wird in unserem Land gepusht wie kaum eine andere Nischensportart. Regelmäßig laufen zur besten Sendezeit Länderspiele. So lange ich mich erinnern kann, wird das Pokalfinale live übertragen. Wann sieht man so etwas denn mal bei Hockey, Volleyball oder Basektball? Höchstens mal zu Olympia! Nein, nein, über zu wenig PR können sich die Damen wirklich nicht beschweren. Wäre ich eine Fußballerin, ich würde auch lieber echte, zahlende Kundschaft sehen wollen, die ihren Besuch tatsächlich ernst meint. Die Massen an "Unterstützern", die zu kostenlosen (bloß keinen Euro ausgeben, so wichtig ist es dann doch wieder nicht!) Events strömen, um ein Zeichen für die armen Fußballerinnen zu setzen, würden mir wie Almosen aus Mitleid vorkommen. Frauen CL = Paralympics. Nein, danke. Dann lieber das eigene Ding machen und stolz vor 5.000 echten Fans auflaufen!
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