Wolfsburgs Torhüterin Schult im DFB-Pokalfinale Die Titeljägerin wird fehlen

DFB-Pokalsieger ist wieder einmal der VfL Wolfsburg. Das ist auch der Erfolg von Torhüterin Almuth Schult, die im Finale gegen Potsdam sogar mit angriff. Jetzt wechselt sie nach Hollywood – und hinterlässt eine große Lücke.
Almuth Schult mit dem DFB-Pokal bei ihrem letzten Spiel für den VfL Wolfsburg

Almuth Schult mit dem DFB-Pokal bei ihrem letzten Spiel für den VfL Wolfsburg

Foto: THILO SCHMUELGEN / REUTERS

Szene des Spiels: In der 87. Minute tauchte Wolfsburgs Nummer eins Almuth Schult plötzlich am gegnerischen Strafraum von Turbine Potsdam auf. Man kennt solche Szenen aus Schlussphasen, wenn auch die Torhüterin mithelfen soll, einen Treffer zu erzielen. Alles oder nichts. Doch bei Schults Ausflug nach vorn war das DFB-Pokalfinale längst entschieden, für ihr Team. Vielleicht war Schult gegen überforderte Potsdamerinnen einfach langweilig geworden, vielleicht wollte sie sich aber auch in ihrem letzten Spiel für den deutschen Dominator des Fußballs der Frauen ein Abschiedsgeschenk machen. Ein Tor erzielte sie zwar nicht, jubeln aber durfte die 31-Jährige dennoch.

Ergebnis des Spiels: Im DFB-Pokal der Frauen gibt es nur ein Gesetz, nämlich dass am Ende der VfL Wolfsburg gewinnt. Zum achten Mal in Folge hat der Klub den Wettbewerb gewonnen, zum neunten Mal insgesamt. Im Endspiel setzte sich der aktuelle deutsche Meister 4:0 (3:0) gegen Turbine Potsdam durch. Die Begegnung fand in Köln vor 17.531 Zuschauerinnen und Zuschauern statt.

Der Start: Die Meisterinnen aus Wolfsburg gingen klar favorisiert ins Spiel, und nach nicht einmal zwei Minuten gaben sie den ersten Torschuss ab. Turbine versuchte, in diesem Finale anzukommen und tauchte in der Anfangsphase auch vor dem gegnerischen Tor auf. »Es begann spannend«, stellte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Halbzeitpause am ARD-Mikrofon fest. Dann jedoch durfte der Politiker von der Tribüne einen Klassenunterschied beobachten.

Ewa Pajor (oben) lässt sich nach ihrem Tor zum 2:0 feiern

Ewa Pajor (oben) lässt sich nach ihrem Tor zum 2:0 feiern

Foto: Fabian Strauch / dpa

Die Vorführung: In der 11. Minute gelang Wolfsburgs Superstürmerin Ewa Pajor das Führungstor per Kopf nach einem Eckball – viel zu viel Platz hatte sie bei ihrem Versuch. Auch beim 2:0 hatte Pajor, erneut per Kopf, wenig Mühe. Mit einem schönen Flachschuss sorgte Jill Roord für das 3:0 (41.). Viel mehr Chancen hatte Wolfsburg gar nicht, aber die wenigen waren eben alle drin.

Die zweite Hälfte: Begann mit einigen Sekunden Verzögerung, zumindest bei der ARD, wegen eines offenbar zu langen Werbeblocks waren die TV-Bilder vom Spiel zu spät zurück. Dann setzten sich die Eindrücke der ersten Hälfte fort – Wolfsburg dominierte, Trainer Tommy Stroot nahm bereits in der 60. Minute mit Roord eine seiner besten Spielerinnen vom Feld, da diese mit Gelb vorbelastet war. Das muss man sich leisten können. Bei einem abgefälschten Freistoßtor durch Dominique Janssen kam für Turbine auch noch Pech hinzu (69.). Der Schult-Vorstoß kurz vor Schluss war der letzte Aufreger.

Auflösung der Schult-Szene: »Unser Trainer sagt, manchmal muss man was Verrücktes machen, daraus entsteht dann was Neues«, sagte Schult bei Sky zu ihrem Ausflug. Potsdam-Trainer Sofian Chahed, einst für Hertha BSC aktiv, gefiel das allerdings gar nicht. »Respekt vor ihrer Karriere, was sie alles gerissen hat. Aber ich würde mir wünschen, dass sie den Ausflug nicht macht, das zeugt von Respekt. Es gehört im Fußball dazu, dass sie dann auch im Tor bleibt.« So hat Schults Abschied zumindest einen kleinen Beigeschmack.

Abschied des Spiels: Sie spielt seit 2013 in Wolfsburg und ist mit nun 15 Titeln das Gesicht dieses Vereins, jetzt aber zieht es Schult nach Hollywood. Ab der neuen Saison wird die Torhüterin für Angel City FC aus Los Angeles auflaufen, einem Klub, der von US-Schauspielerinnen um Natalie Portman gegründet worden ist. 20.000 Fans besuchen im Schnitt die Heimspiele des neuen Schult-Vereins, knapp 20 Mal so viel  wie aktuell in Wolfsburg.

Schult verabschiedet sich nach neun Jahren vom VfL

Schult verabschiedet sich nach neun Jahren vom VfL

Foto: THILO SCHMUELGEN / REUTERS

Der Fortbildungswechsel: Schult hat immer wieder auf Missstände im deutschen Frauenfußball hingewiesen, um Anerkennung gekämpft. Daher dürfte der USA-Wechsel nicht nur ein sportliches Abenteuer werden. Sie wird in den USA beobachten, mit welchen Maßnahmen man den Fußball der Frauen auch in Deutschland voranbringen kann. Fest steht: Schult war mit ihrer Art immer auf- und anregend, auch als TV-Expertin während der EM 2021, sie hat damit auch den VfL auf die Bühne gebracht. Schult wird den Wolfsburgerinnen fehlen.

Eine Reise durch die Zeit: Im Jahr 2006 gewann Stürmerin Isabel Kerschowski mit Turbine den DFB-Pokal. Es war eine Zeit, in der die Potsdamerinnen den deutschen Fußball der Frauen mitdominierten. Heute haben die Topklubs Männerabteilungen an ihrer Seite: Wolfsburg, Bayern München, vielleicht auch bald Borussia Dortmund, das mit seiner Frauenabteilung in die Bezirksliga aufgestiegen ist . Kerschowski, inzwischen 34 Jahre, durfte ab der 55. Minute gegen Wolfsburg mitspielen – es wäre ein Fußballmärchen gewesen, hätte sie mit Turbine noch einmal den Pokal gewonnen. Doch die originären Frauenfußballklubs wie Potsdam haben es immer schwerer, vielleicht verschwinden sie irgendwann sogar ganz. Für Kerschowski war es jedenfalls das letzte Spiel ihrer Karriere.

Ausblick: Noch wird Almuth Schult kein Flugzeug in die USA besteigen. Am kommenden Dienstag wird Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Kader für die Europameisterschaft in England zusammenstellen. Torhüterin Schult dürfte als Nummer eins zum Aufgebot gehören und dabei sein, wenn die DFB-Auswahl ihr EM-Auftaktspiel am 8. Juli gegen Dänemark bestreitet.