ZDF-Film über die Causa Hopp Der Ultra-Konflikt

Das ZDF zeigt einen Film über Hoffenheims umstrittenen Geldgeber Dietmar Hopp, gemacht von Jochen Breyer, der mal den Neujahrsempfang in Hoffenheim moderierte. Kann so ein Film kritisch sein?
Dietmar Hopp und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge beim Eklat von Sinsheim

Dietmar Hopp und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge beim Eklat von Sinsheim

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Revierfoto/ dpa

Im Januar 2020 hatte ZDF-Moderator Jochen Breyer einen Außentermin. Er führte als Conférencier durch den Neujahrsempfang der TSG Hoffenheim, die TSG stellte anschließend fest: »Der ZDF-Moderator sorgte für eine innige Atmosphäre und gute Stimmung bei den Gästen.«

Fünf Wochen später kam es zum Eklat beim Spiel Hoffenheims gegen Bayern München, als die Partie wegen der »Hurensohn«-Plakate gegen Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp in der Bayern-Fankurve vor dem Abbruch stand. Hopp nahm danach in einem Videostatement im »Aktuellen Sportstudio« des ZDF Stellung, indem er von »perfider Hetze« der Fans sprach. Rück- und Nachfragen des ZDF-Moderators gab es nicht, der Moderator an diesem Abend hieß erneut Jochen Breyer.

Das sollte man zur Vorgeschichte wissen, wenn das ZDF am Samstagabend einen Film zur Causa Dietmar Hopp (»Der Prozess. Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde«) ausstrahlt. Weil der Autor des Films Jochen Breyer heißt. Und weil im Film selbst auf die Doppelrolle des ZDF-Journalisten nicht hingewiesen wird.

Mehr als ein Schönheitsfehler

Breyer selbst hat gegenüber dem NDR, der diesen Interessenkonflikt als Thema aufgegriffen hat, mitgeteilt, er werde solche Aufträge wie den des Neujahrsempfangs künftig nicht mehr wahrnehmen und er habe die »Wirkung nach außen, ehrlich gesagt, unterschätzt«. Dass dies im Film selbst nicht thematisiert wird, ist dennoch mehr als ein Schönheitsfehler. Es hätte mehrfach im Lauf der 45 Minuten die Gelegenheit gegeben, dies transparent zu machen.

Der Film selbst, den Breyer gemeinsam mit dem Journalisten Jürn Kruse gemacht hat, ist dabei wahrlich kein Ergebenheitsstück für Hopp geworden. Eher im Gegenteil: Mit zahlreichen Gesprächspartnern von Uli Hoeneß bis zu zwei Vertretern der Bayern-Ultra-Gruppe »Schickeria« bauen Breyer und Kruse das Bild zusammen, wie es zu der Eskalation von Sinsheim am 29. Februar des Vorjahres kommen konnte. Und welchen Anteil auch Hopp selbst und der Deutsche Fußball-Bund daran hatten.

Breyer begleitet einen Münchner Ultra, der von Hopp und seinem Anwalt Christoph Schickhardt vor dem Amtsgericht in Sinsheim verklagt wurde, einer von zahlreichen Fällen, in denen Hopp Fans, von denen er sich erledigt fühlt, vor Gericht gebracht hat. Schickhardt nennt Hopp in dem Film »einen Mann des Volkes, den letzten richtigen Fußballfan«.

»Die Kommerzialisierung des Fußballs ist durch«

Auf der Gegenseite lässt Breyer Jan-Henrik Gruszecki auftreten, jahrelanger BVB-Ultra, mittlerweile Berater von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei Borussia Dortmund. Gruszecki nennt Schickhardt einen »Scharfmacher«, mit den Strafanzeigen gegen die Fans habe er »eine Büchse der Pandora geöffnet«, sagt er und stellt die Frage: »Sind beleidigende Gesänge im Fußball strafbar?« Den Unterschied Hoffenheims zum BVB benennt Gruszecki so: Dortmund habe sich seinen Status in der Bundesliga über viele Jahre erarbeitet, Hoffenheim dagegen spiele nur wegen Hopps Geld ganz oben: »Die natürliche Grenze der TSG Hoffenheim verläuft in der Verbandsliga.«

Schickhardt kann über solche Differenzierungen nur den Kopf schütteln: »Die Kommerzialisierung des Fußballs ist durch.« Wobei er unbewusst oder bewusst die vielleicht bekannteste Formulierung Breyers aufgreift, der einst Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach einer Hinspielniederlage in der Champions League fragte: »Das Ding ist durch, oder?«

Zwischen den beiden Polen Schickhardt und Gruszecki sucht Breyer sich seinen Weg durch diese durchaus komplizierte Geschichte. Nur für Hoeneß ist sie ganz einfach. In Richtung Breyer sagt er: »Ihr versucht immer, beide Seiten zu verstehen. Dabei gibt es da nichts zu verstehen. Der Dietmar Hopp hat gar nichts gemacht.«

Gar nichts? Der Film zeichnet detailliert nach, wie empfindlich Hopp vor Jahren schon auf Kritik reagierte. Als der Mainzer Manager Christian Heidel 2007 das Modell Hoffenheim bemängelte, hatte Hopp einen Brief an die DFL geschrieben, setzte die Kritik mit »Diskriminierung« gleich, gipfelnd in der Forderung, solche Äußerungen müssten »sanktioniert« und so behandelt werden, als seien es rassistische Äußerungen.

Spontane Empörung liest sich anders

Das gehört zu den hübschen Details, die der Film ausgräbt: wie die Tatsache, dass Nationalspieler Timo Werner auch von Hoffenheimer Fans als »Hurensohn« beschimpft wurde. Oder dass Hoeneß bereits Tage vor dem Eklat von Sinsheim bei einem Treffen von Fanvertretern über die bevorstehenden Aktionen der Ultras informiert wurde. Auf die Frage, ob er dies im Vorfeld an seinen alten Freund Hopp weitergegeben habe, druckste der Bayern-Ehrenpräsident herum: Jeder habe doch Bescheid gewusst. Die damals vermeintlich spontane Empörung der Bayern-Verantwortlichen nach der Aktion der Bayern-Ultras liest sich so im Nachhinein sehr anders.

Spannendes fördert der Film auch aus dem Innenleben des DFB zutage: Ex-Präsident Reinhard Grindel, den Breyer in einem zünftigen Vereinsheim interviewt, berichtet über den Konflikt im Verband, als es um das Thema Kollektivstrafen für unbotmäßige Fans geht. Grindel beschloss, sie auszusetzen, Widerstand dagegen habe es von seinem Stellvertreter Rainer Koch gegeben. »Mein Verhältnis zu Koch ist durch diese Entscheidung damals nicht nur belastet, sondern fast zerstört worden.« Koch habe damals stattdessen angeregt, verdeckte Ermittler in die Fanblocks einzuschleusen, behauptet Grindel. Koch weist das zurück.

Dass die Bayern-Fans an jenem Tag in Sinsheim so rabiat reagierten, nachdem der DFB zuvor gegen Dortmunder Anhänger wegen Beleidigung Hopps eine Kollektivstrafe ausgesprochen hatte, ist für Grindel auch nur logisch: »So was kommt von so was.« Man traut es sich kaum aufzuschreiben, aber in diesem Konflikt, in dem jeder sich seine eigene Wahrheit geschaffen hat, ist derjenige, der im Film noch am sympathischsten herüberkommt, tatsächlich Reinhard Grindel.

Hopp selbst hat eine Interviewanfrage für den Film abgelehnt. Auch für das Stadion in Sinsheim erhielt Breyer keine Drehgenehmigung.

»Der Prozess: Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde«, Samstag 23.30 Uhr, ZDF

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