Zoff vor laufender Kamera Klopps Wutattacke im TV sorgt für Wirbel

Er gilt als Sonnyboy der Bundesliga-Trainer, doch nach dem Remis in Kaiserslautern war die gute Laune von Jürgen Klopp dahin. Er bezeichnete einen SWR-Reporter als "Seuchenvogel" und verweigerte ein Interview. Sein Club Borussia Dortmund spricht von einer Inszenierung des Senders.

BVB-Trainer Klopp: "Da hab' ich Bock drauf wie Zahnweh"
dapd

BVB-Trainer Klopp: "Da hab' ich Bock drauf wie Zahnweh"


Hamburg - Vor dem Spiel lächelte er noch, nach der Partie aber war die gute Laune bei Jürgen Klopp verschwunden. Im Anschluss an das 1:1-Unentschieden von Borussia Dortmund beim 1. FC Kaiserslautern fauchte der BVB-Trainer Reporter Stephan Mai vom Südwestrundfunk (SWR) an und verweigerte ihm ein Interview. "Du Seuchenvogel", titulierte Klopp den TV-Reporter und ließ ihn stehen.

Zur Vorgeschichte: Schon seit 1993 begleitet Mai Klopp regelmäßig auf dessen Karrierestationen. Wenn Mai vor Ort ist, habe Klopp in mehr als 50 Auswärtsspielen nicht gewonnen, behauptet der TV-Mann im entsprechenden Beitrag für die SWR-Sendung "Flutlicht" am Sonntagabend. Vor der Partie in Kaiserslautern begrüßte Mai Klopp mit den Worten: "Ich würde dir ja gerne viel Glück wünschen, Kloppo. Aber du weißt, es hilft nichts." Zu diesem Zeitpunkt war Klopp noch bester Laune und gab Mai die Hand. Zwei Stunden später war es mit den Nettigkeiten vorbei.

In der Zwischenzeit war der BVB gegen den FCK überlegen und durch Sven Bender in Führung gegangen, musste in letzter Minute aber noch den Ausgleich durch Jan Moravek hinnehmen. Zwei verlorene Punkte des Tabellenführers im Kampf um die Meisterschaft, dazu eine unberechtigte Gelb-Rote Karte für Dortmunds Verteidiger Neven Subotic - für Klopp offenbar zu viel.

BVB-Trainer Klopp zu TV-Reporter Mai: "Leck mich am Arsch"

Sichtlich schlecht gelaunt gab Klopp nach Spielschluss die obligatorischen Interviews und musste bei der Pressekonferenz nach dem 0:0 gegen Schalke das zweite Unentschieden seines Teams in Folge erklären. Als Klopp all das hinter sich gebracht hatte, wartete Mai bereits in der Mixed Zone. "Leck mich am Arsch. Wirklich, ohne Witz, dir ein Interview zu geben, da hab' ich Bock drauf wie Zahnweh", sagte Klopp zu Mai. "Ich kann auch nichts dafür", entgegnete Mai. "Deswegen gibt's auch kein Interview", konterte Klopp und zog von dannen.

Seitdem diskutieren Fans in vielen Internetforen über den SWR-Beitrag und Klopps Reaktion. Neben viel Zustimmung für den BVB-Trainer gibt es auch kritische Stimmen: "Ob Klopp doch im Pott geboren wurde? Diese Art Mensch trifft man doch eher hier. Fakt ist aber, dass dies ein wenig zu heftig war. Zumindest in der Wortwahl", schreibt ein Foren-User. Andere Anhänger wollen Mai nicht mehr bei einem Auswärtsspiel des BVB sehen. Bei Facebook hat die Gruppe "Stadionverbot für SWR-Redakteur Stephan Mai" schon fast 200 Fans.

Josef Schneck, Pressesprecher von Borussia Dortmund, sagte SPIEGEL ONLINE: "Das war eine vom SWR inszenierte Aufführung. Er hat versucht, Herrn Klopp vorzuführen." Mehr wolle der Verein zu den Vorkommnissen nicht sagen.

Der SWR äußerte sich in einer Stellungnahme verklausuliert: "Nach Kontakt zwischen Reporter und Redaktion (nach dem Spiel in der Mixed Zone, d. Red.) entstand die Idee, den für das 'Flutlicht' vorgesehenen Spielbericht in Form einer 'Beziehungsgeschichte' zu erzählen, vorgetragen mit Augenzwinkern."

Das Zusammentreffen von Klopp und Mai habe medial "eine Dynamik entwickelt, die mit der Absicht der Sportredaktion nichts mehr zu tun hat". Der Leiter der SWR-Sportredaktion in Rheinland-Pfalz, Claus-Dieter Gerke, sagte: "Wir kennen und schätzen Jürgen Klopp schon lange. Und ich persönlich wünsche ihm auch den Meistertitel. Ich wünsche ihm aber auch, dass er das Thema auf die leichte Schulter nehmen kann, auf die es gehört." Kurz nach dem Spiel konnte der BVB-Trainer das offenbar nicht.



insgesamt 82 Beiträge
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Jott, 15.02.2011
1. Ihr übertreibt mal wieder...
Das war doch keine Wutattacke. Klopp hat in seiner eigenen Art klargemacht, das er abergläubig ist ;) Da haben wir doch schon ganz andere Entgleisungen gesehen...
joschitura 15.02.2011
2. Galoppierender Größenwahn
Tja der Herr Klopp, offenbar in Charakter und Wesen genauso unrasiert wie im Gesicht... Bisher hielten wir Klopp für einen sympathischen Bekloppten. Jetzt zeigen sich leider auch bei ihm die ersten Anzeichen von Größenwahn. Dabei sind die Spieler im Biene-Maja-Trikot eh nur auf dem 1.Platz, weil die Bayern schwächeln. Auch Klopps Leistung wird - wie die fast aller Trainer - völlig überbewertet. Also reg dich ab, Meistertrainer. Reporter links liegen lassen kann man auch auf elegantere Weise.
Rubeanus 15.02.2011
3. Schönwettertrainer
Es lässt schon tief blicken, wenn ein Trainer angesichts eines Unentschiedens (unter zugegeben widrigen Umständen), aber immer noch im Rahmen einer beispiellosen Erfolgsserie, gleich so ausrastet. Gleichzeitig wurde er ja dieser Tage bei Bayern München ins Gespräch gebracht. Man mag sich lieber nicht ausmalen, wie es dort einem Trainer Klopp erginge, wenn Uli Hoeness nach zwei Unentschieden anfinge, gegen den Trainer zu stänkern, wie es bei den Münchnern üblich ist.
Lightwolf, 15.02.2011
4. .
Ich würde sagen, so langsam werden sie nervös.
Bunsen 15.02.2011
5. ...
Jeder hat mal nen schlechten Tag. Hätt mir auch passieren können.
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