Zuberbühler-Interview "Die 'kleine Schweiz' kann man vergessen"

Dass sich die Schweiz fürs WM-Achtelfinale qualifiziert, hätten vor Turnierbeginn nur wenige vermutet. Im Interview erklärt Torwart Pascal Zuberbühler das Erfolgsrezept des jungen Teams und wie die sonst als so besonnen geltenden Eidgenossen mit der WM-Euhorie umgehen.


Frage: Herr Zuberbühler, was überwiegt bei Ihnen: Stolz auf das Erreichen des Achtelfinales oder Vorfreude auf weiteres?

Zuberbühler: Unser Ziel ist es immer nicht aufzugeben. Das haben wir auch diesmal geschafft. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und am meisten stolz auf den Einzug ins Achtelfinale. Ein Kompliment an meine Kollegen, dass sie sich defensiv so reingehängt haben. Nun ist unser erstes Ziel erreicht, aber wir wollen mehr.

Torhüter Zuberbühler: "Wir wollen mehr"
AP

Torhüter Zuberbühler: "Wir wollen mehr"

Frage: Das Schweizer Team hat sich gegen Korea sehr kompakt präsentiert, gelingt das auch gegen andere Gegner?

Zuberbühler: Ja, unsere Stärke zeigt sich zum Beispiel daran, wie schnell wir einen 19-Jährigen wie Johan Djourou (kam in der 53. Minute für den verletzten Senderos, d. Red.) integrieren können. Der kommt rein und spielt wie nichts.

Frage: Gerade in der Defensive hat die Schweiz bislang überzeugt, haben Sie eine Erklärung dafür?

Zuberbühler: Können und Glück gehen immer zusammen. Wir haben schon in der Qualifikation schon kaum Tore kassiert, aber Glück gehört natürlich immer dazu. 

Frage: Sie haben wieder ohne Gegentor gespielt, ein paar sensationelle Paraden gezeigt, aber Spieler des Tages wurde Alexander Frei.

Zuberbühler: Ja, ist er das? Vielleicht sollte ich auch mal ein Tor schießen.

Frage: Am Montag spielen Sie gegen die Ukraine, geht der Siegeszug da weiter?

Zuberbühler: Bei einem Turnier kommt es natürlich auf die Tagesform an. Aber man kann immer alles toppen, die Mannschaft hat noch etwas zuzulegen. Und das schwerste haben wir ja geschafft: das Erreichen des Achtelfinales. Aber warum sollte man nicht auch gegen die Ukraine gewinnen?

Frage: Wie erleben sie die Schweizer WM-Euphorie?

Zuberbühler: Das ist sensationell. So etwas habe ich noch nie erlebt: dass die ruhige Schweiz so aus sich herausgeht! Wir können stolz sein auf die Schweiz, dass sie so hinter uns steht. Aber die Leute können auch stolz sein auf uns. Die Rede von der "kleinen Schweiz" kann man langsam vergessen.

Aufgezeichnet von Martin Krauß



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