Zwanziger-Vorschlag Neue Profiliga im alten Modus

Beim DFB-Bundestag in einer Woche soll die neue dritte Profiliga beschlossen werden - möglicherweise wird sich aber gar nicht so viel ändern. Verbands-Präsident Theo Zwanziger hat jedenfalls Sympathie für ein altes Modell.


Frankfurt am Main - "Es ist nicht so, dass der Fußball unterginge, wenn wir bei einer zweigleisigen dritten Liga bleiben würden", sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident der dpa. Zwanziger nannte einen Kompromiss zwischen Profivereinen und Amateurclubs jedoch wünschenswert. "Mir ist wichtig, für diese Liga, wenn man sie denn wirklich will, eine breite Mehrheit im Unterbau zu bekommen", so Zwanziger. "Es bringt nichts, einen Beschluss auf dem Bundestag durchzuboxen, der dann an der Basis Akzeptanzprobleme hätte", sagte er dem sid.

DFB-Präsident Zwanziger: "Verwerfungen im Amateurlager"
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DFB-Präsident Zwanziger: "Verwerfungen im Amateurlager"

Ursprünglich war geplant, ab der Saison 2008/2009 unterhalb der 1. und 2. Bundesliga eine eingleisige dritte Liga einzuführen mit einer dreigeteilten Regionalliga als Unterbau. Zwischen den Vereinen herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, wie viele Reserveteams der Proficlubs an dieser dritten Spielklasse teilnehmen dürfen. Die Amateurvereine wollen die Anzahl möglichst klein halten. Eine Kommission aus Profi- und Amateurvertretern soll ein tragfähiges Lösungsmodell erarbeiten, über das beim DFB-Bundestag am 8. September in Frankfurt am Main abgestimmt wird.

Diesen Kompromiss zu finden sei aber "unheimlich schwer", sagte Zwanziger der "Süddeutschen Zeitung", in der er deshalb bereits seine Sympathie für die alte Regelung bekundete. "Die Kommission sollte bedenken, ob das alte Modell der zweigeteilten Regionalliga nicht doch das beste ist." Dies könne um eine andere Fernsehgeldverteilung und eine andere Aufstiegs- und Abstiegsregel erweitert werden, so Zwanziger, der vier Absteiger aus der 2. Liga als "zu viel" bezeichnete. Die Profi-Clubs hatten zuvor angeboten, auf die TV-Gelder (jährlich 387.000 Euro) und die Teilnahme ihrer Reserveteams am DFB-Pokal zu verzichten.

"Eine Entscheidung gegen die Bundesliga wäre zwar mehrheitlich möglich. Aber das will ich nicht, und das werde ich auch nicht zulassen", sagte Zwanziger der "SZ". Diese Diskussion sei "nicht gut für den DFB. Nachwuchsförderung hat für uns höchste Priorität, und Spielförderung auf hohem Wettbewerbsniveau gehört dazu", so der 67-Jährige, der auch "Verwerfungen im Amateurlager" befürchtet, vor allem in den derzeit neun Oberligen, deren Mitglieder nach der bisher geplanten Reform mehrheitlich in die 5. Liga absteigen würden. "Es geht hier um rund 200 Vereine, keine großen Profivereine, aber auch keine Vereine, die sich der Kreisklasse zugehörig fühlen. Das ist eine ganz schwierige Zielgruppe. Da muss man klug sein."

goe/sid/dpa



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