Zweiter Bundesliga-Spieltag Augenthaler will Ballack rasieren

Zwei Partien stehen im Vordergrund: Bayer Leverkusen will gegen den Deutschen Meister Bayern München bis an die Leistungsgrenze gehen. Im Westen wird dagegen nur vom Spiel der Spiele gesprochen, vom Derby Dortmund gegen Schalke.


Münchner Ballack (l.), Möchengladbacher Oude Kamphuis: Über 93 Minuten bis an die Leistungsgrenze
DDP

Münchner Ballack (l.), Möchengladbacher Oude Kamphuis: Über 93 Minuten bis an die Leistungsgrenze

Hamburg - Im Ruhrgebiet sind es die Momente, die Ortsfremde regelmäßig ins Staunen versetzt. So muss es wohl auch dem Dänen Sören Larsen gegangen sein, als er dieser Tage zum Training beim FC Schalke 04 eintraf. 4000 Besucher hatten sich ebenfalls eingefunden - das ist eine Kulisse, von der viele Regionalligavereine bei Heimspielen träumen.

Larsen, seit dieser Saison bei Schalke, war beeindruckt, spätestens jetzt weiß er, was den Fans das Spiel am Samstag bedeutet. Die "Königsblauen" müssen zu den "Schwarz-Gelben", zu Borussia Dortmund. Und dieses Duell im Ruhrgebiet (Samstag, 15.30 Uhr Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) ist für den Schalker Trainer Ralf Rangnick "die Mutter aller Derbys. Für die Fans geht es um sehr viel Prestige und Rivalität, vor allem, weil das letzte Duell verloren ging".

Damit meint der Coach die Dortmunder Fans, denn Schalke gewann in der vorigen Saison das Aufeinandertreffen im Westfalenstadion 1:0. Mit diesem Resultat liegt der BVB allerdings im Trend, denn seit dem 14. November 1998 konnte die Borussia keines der sechs Bundesliga-Heimspiele gegen Schalke gewinnen. Rangnick erinnert daran, dass Schalke mit dem Derby-Auswärtssieg in der vergangenen Saison eine zweite Positivserie eingeleitet habe, "das könnten wir jetzt wieder schaffen", so der Coach.

Auch die Dortmunder erinnern sich an die schönen Derbymomente, um sich in Schwung zu bringen. Schließlich gewann der BVB das Rückspiel der vorigen Saison in der Arena "AufSchalke" mit 2:1 Toren. "Mit einer Leidenschaft und dem Teamgeist wie damals im Mai ist auch diesmal alles möglich", versicherte Nationalspieler Christoph Metzelder.

Allerdings haben sich im Ruhrgebiet die Gewichte etwas verschoben. Denn der einstige Krösus Dortmund ist wirtschaftlich arg angeschlagen. Schalke gibt den Großeinkäufer, Dortmund spielt den Sparmeister - das ändert den Blickwinkel: "Wir sind erstmals Außenseiter", so BVB-Verteidiger Christian Wörns. Nuri Sahrin, der Dortmunder Shootingstar und jüngste Spieler der Bundesligageschichte wird wohl nicht mitspielen können, ihn plagt eine Zerrung im Oberschenkel. Auch der Einsatz von Sebastian Kehl ist fraglich, der Mittelfeldspieler klagt über Schmerzen im Sprunggelenk.

Augenthalers große Worte

Das Revierderby stellt erfahrungsgemäß jedes andere Spiel in den Schatten. Dabei ist die Partie Bayer Leverkusen gegen Bayern München ebenfalls ein Topspiel. Die Leverkusener schöpfen Mut aus der Erinnerung an das grandiose 4:1 gegen München aus der vorigen Saison, das Bayern-Verteidiger Lucio als "das schlimmste Spiel was ich beim FC Bayern erlebt habe" bezeichnet. Kurios war damals nur, dass es nach diesem Sieg für Bayer nur noch bergab, für die Bayern aber steil berauf ging. Bis zum Titel.

Für Klaus Augenthaler, ehemaliger Bayern-Libero und heutiger Bayer-Trainer, ist die Marschrichtung für sein Team so einfach wie rustikal: "Wir müssen in 92, 93 Minuten bis an die Leistungsgrenze gehen und wie vor einem Jahr Spieler wie Michael Ballack und Ze Roberto sofort zustellen oder rasieren."

Auch bei Borussia Mönchengladbach gibt es ein Wiedersehen alter Bekannter. Denn Holger Fach, ehemaliger Borussia-Trainer, kommt heute als Coach des VfL Wolfsburg zurück an seinen alten Arbeitsplatz. "Gladbach ist der Verein, zu dem ich die größten Bindungen und Beziehungen habe." Fach war von Oktober 2003 bis September 2004 Trainer in Mönchengladbach, wurde vom Holländer Dick Advocaat abgelöst, der später Horst Köppel weichen musste. Seine eigene Entlassung hat Fach längst verarbeitet, wie er versichert. Heute sei er stolz auf die 13 Monate bei der Borussia, für deren jetziges Team er nur Lob findet: "Die aktuelle Gladbacher Mannschaft ist richtig gut und stark. Beim Auftakt in München standen sieben Spieler im Team, die Christian Hochstätter und ich geholt haben."

Doch mittlerweile musste auch der frühere Sportdirektor Hochstätter gehen, dessen Nachfolger Peter Pander wirkte einst als Wolfsburger Manager und wurde von Fach erst kürzlich in ein verbales Scharmützel verwickelt. Im Zuge des Wechsels von Martin Petrow von Wolfsburg zu Atletico Madrid bemängelte der heutige VfL-Coach eine Ausstiegsklausel im Vertrag des Bulgaren, den Pander noch abgeschlossen hatte. Pander konterte mit der Aussage, Fach müsse noch "viel lernen".

Sverkos ist heiß auf Fach

Einige Gladbacher Spieler freuen sich regelrecht auf das Wiedersehen mit ihrem alten Trainer - hier spielen Revanchegedanken eine Rolle. "Es wäre für mich eine Genugtuung, gegen ihn zu treffen", sagt Stürmer Vaclav Sverkos, der unter Fach oft nicht in der Startformation stand.

Schalker Larsen (l.) und Kristajic: "Die Mutter aller Derbys"
AP

Schalker Larsen (l.) und Kristajic: "Die Mutter aller Derbys"

Die beiden Schlagerspiele stellen das Restprogramm am Samstag mit den Duellen zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem MSV Duisburg, Arminia Bielefeld und dem Hamburger SV, Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt sowie dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 in den Schatten. Dennoch geht zum Beispiel auch in Nürnberg eine große Party ab: "Club"-Präsident Michael A. Roth, der letzte Patriarch der Bundesliga, begeht seinen 70. Geburtstag und wünscht sich nichts mehr als einen Sieg gegen 96. Doch unabhängig vom Ausgang des Spiels schmeißt der großzügige Großunternehmer für die Fans eine Runde Bratwürste und Getränke. Bemerkenswertes könnte sich noch in Bielefeld ereignen. Der Hamburger SV wäre bei einem Sieg gegen die Arminia und freundlicher Mithilfe der Konkurrenz erstmals seit dem 11. September 1999 wieder die Tabellenführer.

Nach sechs Pflichtspiel-Siegen in Folge, 599 Minuten ohne Gegentor und dem 1:0 gegen den FC Valencia versucht HSV-Coach Thomas Doll aber zunächst, die Euphorie in der Hansestadt in den Griff zu bekommen: "Das Highlight gegen Valencia muss aus unseren Köpfen. Wir haben bisher erst ein paar Ausrufezeichen gesetzt. Deshalb darf keine Selbstzufriedenheit aufkommen."

In einer der beiden Sonntagspartien (17.30 Uhr) treffen der FSV Mainz 05 und Werder Bremen aufeinander, zwei Teams, die unter der Woche internationale Aufgaben zu bewältigen hatten. Die zweite Begegnung ist VfB Stuttgart gegen Aufsteiger 1. Köln.



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