Zweitliga-Skandal DFL ermittelt wegen Verdachts der Schiebung

Dem deutschen Profifußball droht der größte Skandal seit Jahren: Nach zwei kuriosen Toren und ungewöhnlich hohen Wetteinsätzen auf den Ausgang der Zweitliga-Partie zwischen Erzgebirge Aue und Rot-Weiß Oberhausen hat sich mittlerweile die DFL in die Ermittlungen eingeschaltet.

Frankfurt am Main - "Wir befinden uns im Gespräch mit dem Kontrollausschuss", sagte DFL-Sprecher Tom Bender, "falls es einen Anfangsverdacht gibt, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und zunächst der Schiedsrichter gefragt. Wir müssen abwarten, denn es liegen noch keine Fakten vor." Aue hatte zum Hinrunden-Abschluss am vergangenen Sonntag sein Heimspiel gegen den Tabellen-16. Oberhausen mit 2:0 (1:0) gewonnen.

Eigentlich war der Sieg der siebtplatzierten Auer kein ungewöhnliches Ergebnis, wenn da nicht die Tore gewesen wären, die auf kuriose Weise gefallen waren. In der 8. Minute köpfte Oberhausens Verteidiger Tony Tieku den Ball unbedrängt ins eigene Tor, in der 57. Minute verwandelte Aues Sven Günther einen Elfmeter zum 2:0-Endstand. Vor dem Schiedsrichterpfiff hatte Oberhausens Andre Izepan seinen Gegenspieler Kos so lange am Trikot festgehalten, bis Schiedsrichter Welz schließlich eingreifen musste. "Im Fußball ist alles möglich", kommentierte Tieku sein Missgeschick zum 0:1.

Oberhausen weist Spekulationen zurück

Was einige Wettanbieter jedoch stutzig machte, war die Tatsache, dass auf einen Sieg der Auer mit mindestens zwei Toren Differenz vor der Partie außergewöhnlich hohe Handicapwetten eingegangen waren. Eine Handicapwette bedeutet, dass ein Gegner durch den Wettanbieter mit einem Bonus von einem oder mehreren Toren belegt wird. Wer auf einen Auer Sieg getippt hatte, konnte nur dann gewinnen, wenn die Ostdeutschen mit mindestens zwei Toren Differenz siegen. Oberhausen bekam ja - als Handicap - einen Treffer gutgeschrieben. Ein Sieg für Aue mit einem Tor Vorsprung, wäre beim Wettanbieter als Unentschieden gewertet worden.

Allein beim englischen Wettanbieter Betfair sollen 500.000 Euro auf Aue gesetzt worden sein. Die Quote sank von 21:10 auf 14:10. Auch in anderen Wettbüros wunderte man sich über das überraschende Interesse an dieser eher unbedeutenden Zweitliga-Partie. "Das Wettverhalten zu diesem Spiel war extrem ungewöhnlich", sagte Nicole Engelbart, Geschäftsführerin vom österreichischen Wettanbieter "Pagobet" der "Bild"-Zeitung, "mit 75.000 Euro gab es einen erheblich höheren Umsatz als sonst. Normal sind 20.000."

"Da wurden Summen gesetzt, die um das Drei- und Vierfache höher waren als normal. Wir haben auf diese Unregelmäßigkeiten reagiert und das Angebot rausgenommen", bestätigte Intertops-Geschäftsführer Detlef Train. Zwei Stunden vor dem Anpfiff konnte nicht mehr auf das Spiel geboten werden, ähnlich verfuhren andere Anbieter.

"Das sind Phantasien Dritter über Oberhausen, die wir nicht nachvollziehen können. Demzufolge ist das Thema für mich erledigt", sagte Aues Präsident Uwe Leonhardt. Oberhausens Vorstandsmitglied und Manager Manfred Rummel hält eine Manipulation für abwegig. "Das sind Gerüchte, die jeder Grundlage entbehren", sagte er, "ich vertraue Tieku und Izepon voll." Von "Rufmord" und einer "Frechheit" sprach Oberhausens Trainer Eugen Hach. Heute Nachmittag will der Verein auf einer Pressekonferenz öffentlich Stellung nehmen.

Christian Pfennig von der Presseabteilung der DFL sagte zu dem Fall: "Ob ein Verdachtmoment besteht, muss jetzt der DFB-Kontrollausschuss überprüfen, denn dort liegt die Sportgerichtsbarkeit. Wir können nicht mehr dazu sagen." Auch beim DFB konnte niemand Auskunft geben, wie es bei dem Aue-Oberhausen-Fall zu bewerten ist. "Wir müssen warten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen", so Klaus Koltzenburg von der DFB-Pressestelle. Wann der Kontrollausschuss zusammentreffen wird, steht noch nicht fest.

"Schon länger Verdacht auf Schiebereien"

Die Spekulation über mögliche Manipulationen nährte der ehemalige RWO-Coach Jörn Anderson, der in der Vorrunde nach einem enttäuschenden Saisonstart entlassen worden war. "Während meiner Zeit in Oberhausen haben mir sogar Leute erzählt, dass es Verdacht auf Schiebereien schon länger gibt", wird der Norweger in der "Bild" zitiert. Absichtlich verlorene Spiele sorgten zweimal in der Geschichte des deutschen Profi-Fußballs für Aufsehen. Beim Bundesliga-Skandal 1971 waren gleich mehrere Partien manipuliert worden.

Insgesamt gegen 52 Spieler, zwei Trainer, sechs Funktionäre und die beiden Vereine Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach verhängte der DFB Strafen in Form von Sperren, Geldbußen, Lizenzentzug, Punktabzug und Zwangsabstieg. 1991 wurde der Jugoslawe Vlado Kasalo festgenommen und vom 1. FC Nürnberg fristlos entlassen, weil er durch zwei absichtliche Eigentore in den Spielen gegen den VfB Stuttgart (0:1) und beim Karlsruher SC (0:2) die Niederlagen des FCN verursacht hatte. Kasalo brauchte angeblich Geld, um Spielschulden bei der Mafia begleichen zu können.

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