Zweitliga-Überraschung Paderborn "So nah dran wie noch nie"

Der SC Paderborn ist nach Tabellenführer Fortuna Düsseldorf die Mannschaft der Hinrunde in der Zweite Fußball-Bundesliga. Mit dem kleinsten Etat der Liga ausgestattet, spielt das Team von Trainer Roger Schmidt um den Aufstieg mit. Die ersten träumen schon von Bayern München. 

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Das Thema Fußball hat in Paderborn ungefähr 1200 Jahre lang keine große Rolle gespielt. Die alte Bischofsstadt aus dem 8. Jahrhundert ist mit Kirchen vollgestellt, gefühlt hat jedes zweite Gebäude in der Innenstadt irgendetwas mit der katholischen Kirche zu tun. Und wenn mal vom schwarzen Mann die Rede war, so war damit im Zweifel kein Schiedsrichter gemeint, sondern der jeweilige Bürgermeister, der seit dem Krieg mit satten CDU-Mehrheiten im Rathaus regieren kann.

Das war so, bis Wilfried Finke kam. Und danach Roger Schmidt.

"Im Moment ist Fußball natürlich ein Riesenthema in der Stadt", sagt Schmidt - und als Trainer des Zweitligisten SC Paderborn hat er einen maßgeblichen Anteil daran. Die Mannschaft ist als Tabellenfünfter nach der Hinrunde die Überraschung dieser Spielzeit. Die Investitionen des Großsponsors Finke beginnen sich zu rentieren.

Anfang der Neunziger fing der ostwestfälische Möbelunternehmer an, Geld in den Heimatverein zu pumpen. Der Club steckte damals in den Niederungen der Regionalliga, das Hermann-Löns-Stadion war eine altersschwache Spielstätte. Direkt über dem Platz hing eine Hochspannungsleitung. Der SCP von 2011 spielt dagegen in einem nigelnagelneuen Stadion. Es trägt den Namen Energieteam Arena, bietet 15.000 Zuschauern Platz, und seit neuestem wird hier Zweitliga-Spitzenfußball geboten.

Trotz des Sponsors nur ein Mini-Etat

Paderborn hat in der Hinrunde 33 Punkte geholt, der Abstand zum Relegationsplatz drei beträgt nur drei Zähler, gegen die Top-Teams Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli und Fortuna Düsseldorf hat man nicht verloren - Schmidt nennt diese Bilanz "herausragend", ist "selbst überrascht, dass wir so viele Punkte geholt haben" und sagt aber gleichzeitig: "Das ist alles kein Zufall. Wir haben nicht vom Glück gelebt."

Eher von den Investitionen des Sponsors. "Ohne Finke gäbe es in Paderborn sicherlich keinen Zweitliga-Fußball und keine Arena", sagte Schmidt SPIEGEL ONLINE. Dass der Club deswegen zuweilen als Hoffenheim der zweiten Liga verspottet wird, ist allerdings wenig statthaft: Der Verein hat trotz der Finke'schen Zuwendungen den mit Abstand kleinsten Etat der Liga. Es ist eigentlich "schon unglaublich, dass wir unter diesen Vorzeichen so gut dastehen".

Zudem mit einer Mannschaft von mehr oder weniger Unbekannten. Profis mit Erstliga-Vergangenheit gibt es im Kader kaum. Rolf-Christel Guié-Mien, der vor mehr als zehn Jahren mal für den damaligen Bundesligisten Karlsruher SC auflief, ist so einer. Der mittlerweile 34-Jährige ist aber nur noch Ergänzungsspieler. Stattdessen hat Schmidt ein Team von Akteuren um sich, die sich zum größten Teil seit Jahren kennen und deren Trumpf ist, gut eingespielt zu sein. Zudem hat sich Neuzugang Nick Proschwitz in der Sturmspitze als echte Verstärkung herausgestellt: Der Mann, der vom FC Thun aus der Schweiz kam, hat schon zehnmal getroffen, gehört zu den besten Torjägern der Liga.

Ein alter Bekannter in Paderborn

"Unsere Basis ist, aus einem geschlossenen Defensivverhalten konsequent nach vorne umzuschalten", sagt Schmidt und fügt gleich an: "Na ja, also eigentlich das, was alle Teams im Moment versuchen." Der 43-Jährige ist erst seit dem Sommer Chefcoach an der Pader, als er den zum FC St. Pauli abgewanderten André Schubert ersetzte. Neuland hat Schmidt aber nicht betreten: Er hat als Spieler jahrelang in Paderborn gespielt, er wohnt in der Stadt, sein weitester Ausflug als Trainer war ins 50 Kilometer entfernte Münster, wo er zwei Jahre lang die Preußen trainierte.

"Pader-boring" - langweilig - so rufen die Fans der anderen Clubs, und in Internet-Foren gilt ein Erstliga-Aufstieg der grauen Zweitliga-Maus den Traditionsfans als Horrorszenario. Schlagzeilen machte der Verein, den es unter diesem Namen sowieso erst seit 1997 gibt, eigentlich nur 2004. Da schlugen die Paderborner den großen Bundesligisten Hamburger SV in der ersten Runde des DFB-Pokals. Später kam heraus, dass der Schiedsrichter, ein gewisser Robert Hoyzer, bei diesem Spielausgang ein kleines bisschen nachgeholfen hatte.

"Das ist eben so, dass der Name Paderborn in der Außendarstellung keinen großen Glanz entfaltet", sagt der Trainer. Als er vor 20 Jahren aus beruflichen Gründen nach Paderborn gezogen sei, habe er "auch von dieser Stadt überhaupt keine Ahnung gehabt". Mittlerweile schätze er, dass "hier sehr viel Lebensqualität vorhanden ist".

Am Freitag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) startet der Club in die Rückrunde mit dem Heimspiel gegen Hansa Rostock. Gewinnt der SC, steigt eine Woche später die Spitzenpartie bei Tabellenführer Fortuna Düsseldorf. SC Paderborn in der Erste Fußball-Bundesliga - "ach, das wäre eine absolute Sensation" winkt Schmidt ab. Aber er sagt dann auch noch: "Wahrscheinlich waren wir noch nie in der Geschichte des Vereins so nah dran wie jetzt."



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Seite 1
jedernureinkreuz 09.12.2011
1. ...
Zitat von sysopDer SC Paderborn ist nach Tabellenführer Fortuna Düsseldorf die Mannschaft der Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit dem kleinsten Etat der Liga ausgestattet, spielt das Team von Trainer Roger Schmidt um den Aufstieg mit.*Die ersten*träumen schon von Bayern München.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,802224,00.html
Träumen ist erlaubt, aber vor Paderborn ist erstmal das Kleeblatt aus Fürth dran. Das spielt schon seit Jahren mit kleinem Etat oben mit und braucht noch nicht mal einen Mäzen dafür.
stesoell 09.12.2011
2.
Zitat von sysopDer SC Paderborn ist nach Tabellenführer Fortuna Düsseldorf die Mannschaft der Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit dem kleinsten Etat der Liga ausgestattet, spielt das Team von Trainer Roger Schmidt um den Aufstieg mit.*Die ersten*träumen schon von Bayern München.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,802224,00.html
Seit TUS PB Neuhaus verfolge die "Szene" meiner alten Heimat nicht mehr. In einem Freudschaftskick gegen den BVB fiel mir nur eines auf: Euer Stadion ist das grässlichste, schlimmste, Verbrechen gegen jd Fussballfan.
beobachter23 09.12.2011
3. So isses!
Zitat von jedernureinkreuzTräumen ist erlaubt, aber vor Paderborn ist erstmal das Kleeblatt aus Fürth dran. Das spielt schon seit Jahren mit kleinem Etat oben mit und braucht noch nicht mal einen Mäzen dafür.
Ich hoffe auch, dass es diesmal die Preiswertmannschaft aus Fürth schafft, die haben es echt mal verdient, auch wenn es vielleicht nur für ein Jahr reicht. Und nicht vergessen - Fürth ist immerhin 3maliger Deutscher Meister!!!
teekesselchen 10.12.2011
4.
Zitat von stesoellSeit TUS PB Neuhaus verfolge die "Szene" meiner alten Heimat nicht mehr. In einem Freudschaftskick gegen den BVB fiel mir nur eines auf: Euer Stadion ist das grässlichste, schlimmste, Verbrechen gegen jd Fussballfan.
Mit Baukosten von 21 Millionen Euro für 15.000 Zuschauer ist es auch eins der günstigsten was man bauen kann. Was allerdings daran so häßlich sein soll verstehe ich nicht so ganz? es gibt genug Stehplätze, jeweils hinter den beiden Toren, die Sicht ist dadurch das man über dem Rasen sitzt/steht eigentlich überall gut. und wenn man das Stadion mit dem altehrwürdigen HLS vergleicht, ist es um längen besser, in der Energie-Team-Arena gibt es sogar für Fans in den Gästeblocks Toiletten ;)
mrdude 17.12.2011
5. Praktikabel
Zitat von stesoellSeit TUS PB Neuhaus verfolge die "Szene" meiner alten Heimat nicht mehr. In einem Freudschaftskick gegen den BVB fiel mir nur eines auf: Euer Stadion ist das grässlichste, schlimmste, Verbrechen gegen jd Fussballfan.
Für einen Verein wie Paderborn ist solch ein Stadion einfach praktikabel..keine Schönheit - aber welches neuere Stadion ist das schon..die Sensation ist, dass Paderborn sich schon zur Winterpause keine Gedanken mehr über den Abstieg machen muss und sogar in Düsseldorf verdient gewinnt(auch wenn der Sky-Reporter das sehr exklusiv anders gesehen hat - das waren neunzig Minuten voller peinlicher Einseitikgkeit) - und das hat kein einziger "Kicker-Experte" vorher so gesehen - ich befürchte nur eines: Wenn Paderborn nicht aufsteigt schmeisst der Finke den armen Trainer wegen Erfolglosigkeit raus...
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