Golf-Routinier Langer Der Alt-Master

Das Masters-Turnier in Augusta geht heute los, und natürlich ist Bernhard Langer wieder mit dabei - zum nunmehr 37. Mal. Deutschlands Golfstar ist mit 63 immer noch ehrgeizig und sagt: "Ich bin sehr gut in Form."
Bernhard Langer lässt mit 63 noch den Schläger fliegen

Bernhard Langer lässt mit 63 noch den Schläger fliegen

Foto: Jens Büttner / dpa

Es gibt einen beliebten journalistischen Kniff, wenn man verdeutlichen will, wie lange etwas vergangen ist. Dann verweist man gerne auf Ereignisse, die in jenem Jahr stattgefunden haben, um die Leser ans eigene Erinnern und zum Staunen zu bringen.

Bei Bernhard Langer, Deutschlands berühmtestem Golfer und zugleich Deutschlands berühmtestem Anhausener, funktioniert dieser Kniff so: In dem Jahr, in dem er sein erstes Major-Turnier gespielt hat, die British Open, starb Mao Tse-Tung, in Ostberlin wurde der Palast der Republik eröffnet, wohlgemerkt, nicht abgerissen. Björn Borg gewann in Wimbledon, Niki Lauda verbrannte fast auf dem Nürburgring. Jimmy Carter wurde US-Präsident. Das alles war 1976, und man kann man mit Fug behaupten, dass das sehr lange her ist.

Langer ist jetzt 63, wenn heute das Masters als eines der vier großen jährlichen Golf-Events startet, Corona-bedingt in den November verschoben, dann ist Langer wieder am Start – zum mittlerweile 37. Mal. Dabei gibt es das Turnier an der Magnolia Lane erst in der 84. Auflage. Seit 1984 ist er jedes Mal dabei gewesen, zwei Mal, 1985 und 1993, hat er das Turnier gewonnen, er war mal Sechster, Siebter, Neunter, noch einmal Achter, da war er auch schon 57 Jahre alt.

Kaymer verpasst die Qualifikation

Natürlich ist er Deutschlands ältester Teilnehmer am Masters, das wäre er allerdings auch, wenn er als Jungspund von 1976 teilgenommen hätte. Er ist auch der einzige Deutsche am Abschlag. Martin Kaymer, Zweitprominentester im deutschen Golf, hat sich nicht qualifizieren können. Langer als zweifacher Gewinner hat ohnehin ein lebenslanges Startrecht in Augusta.

Die Männerfestung Augusta

Seit 1934 wird das Masters-Turnier in Augusta im US-Staat Georgia ausgetragen, diesmal Corona-bedingt im Herbst statt wie sonst im April. Es ist damit das jüngste der vier Major-Turniere und dennoch vielleicht das, das am längsten an den alten Traditionen festgehalten hat. Frauen wurde über viele Jahre im konservativen Augusta National Golf Club die Aufnahme verweigert. Das hat sich erst in den vergangenen zehn Jahren geändert. Mittlerweile gibt es auch ein eigenes Frauenturnier.

Aber Langer ist keiner, der sich mit diesem Freifahrtschein ein paar schöne Tage beim Masters macht, selbst mit 63 hat er sich seinen Ehrgeiz erhalten. Und die körperliche Fitness. Auf seiner Website hat er im Corona-Frühjahr im Video Workout-Tipps gegeben, er hat die Übungen selbstverständlich selbst vorgemacht. Langer hat immer asketisch gelebt, 50 Jahre für seinen Sport, Yoga, Autogenes Training, kein Tropfen Alkohol. Statt sich auszuruhen in seinem Wohnsitz in Florida, golft er übers Jahr in der Champions Tour. Dort, wo die älteren Profis jenseits der 50 sich messen. Nur 2020 hat er sich Pausen vergönnt, es waren Zwangspausen. Corona-bedingt.

"Ich kann das selbst kaum glauben, dass ich hier der Älteste bin. Auf der anderen Seite bin ich dafür dankbar, in einem solchen Alter noch Wettbewerbe zu bestreiten", sagte er vor dem Turnier in einem Interview, das er seinem Sponsor gegeben hat. Interviews sind nach wie vor nicht sein Ding, öffentliche Auftritte hält er in Grenzen. Lieber zieht er sich in seinen Bibelkreis zurück, den er schon vor Jahren auf der Golf-Tour gegründet hat. 2017 hat Donald Trump ihn als seinen Freund bezeichnet. Da musste Langer sich dann doch öffentlich zu Wort melden und sich beeilen, zu versichern, dass von einer Freundschaft keine Rede sein könne. "Trump erfindet Freundschaft zu Bernhard Langer", hießen danach die Schlagzeilen.

Die Favoriten sind andere

Zu den Favoriten des Turniers zählt er mit seinen 63 sicherlich nicht mehr, noch einmal unter den ersten Zehn des Klassements zu landen, das wäre schon eine Sensation. Vielleicht eine noch größere als der Comeback-Sieg von Tiger Woods aus dem Vorjahr. Der US-Superstar, mittlerweile auch schon seit mehr als 25 Jahren erfolgreich auf der Tour, geht dadurch als Titelverteidiger an den Start. Aber auch ihm werden nur Außenseiterchancen eingeräumt. Die Favoriten auf das Grüne Jacket des Siegers sind andere: US-Open-Sieger Bryson DeChambeau zum Beispiel und sein Landsmann Dustin Johnson, der ehemalige Weltranglistenerste Jon Rahm, der beim Training in dieser Woche mit einem Zauberschlag die Social-Media-Kanäle flutete, Nordirlands Rory McIllroy, der in den vergangenen zehn Jahren alles gewonnen hat, aber noch nie das Masters.

Als Langer 1985 in Augusta siegte, da war dies der Coup eines jungen Außenseiters. Einer, der sich gegen Lee Trevino, Jack Nicklaus und Gary Player durchsetzte, all jene Golf-Legenden der Zeit. Heute ist er selbst in dem Alter, in dem die jungen Spieler zu ihm aufgucken, Langer, der Beständige, Mister Consistency. Seine vier Kinder sind allesamt auch Golfspieler geworden. Natürlich.

Er sagt zum Turnierstart: "Ich habe das Gefühl, dass ich sehr gut in Form bin." Für seine Verhältnisse ist das schon fast eine Kampfansage.

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