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Gut zu wissen Hätte Kobe Bryants Witwe auch hier Millionen kassiert?

aus DER SPIEGEL 36/2022
Bryant, Tochter, Wandbild in Los Angeles 2021

Bryant, Tochter, Wandbild in Los Angeles 2021

Foto:

FREDERIC J. BROWN / AFP

Ein US-Gericht hat der Witwe des bei einem Hubschrauberabsturz getöteten Basketballstars Kobe Bryant 16 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen – und der Landkreis Los Angeles muss einem weiteren Kläger, der Frau und Tochter verloren hatte, 15 Millionen zahlen. Denn Rettungskräfte und Polizisten hatten an der Unglücksstelle Fotos gemacht und herumgezeigt, auf denen Leichenteile zu sehen waren.

Was hätten die Hinterbliebenen in Deutschland als Schadensersatz erhalten? »Null Euro«, sagt Marc-Oliver Srocke, Medienanwalt der Hamburger Kanzlei Advant Beiten, die auch den SPIEGEL vertritt. In Bezug auf Schadensersatz unterscheide sich das deutsche elementar vom US-amerikanischen Recht. Auch in Deutschland wäre es illegal gewesen, ohne Anlass Fotos der Leichenteile zu machen. Die Beamten hätten sich aber strafrechtlich verantworten müssen, Geldforderungen wären hingegen chancenlos gewesen.

Aus: DER SPIEGEL 36/2022

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Hinter den hohen Summen in den USA steckt der Gedanke, Täter über den tatsächlichen Schaden hinaus zu bestrafen zu wollen. Vor Gericht hatte die Bryant-Witwe Vanessa gesagt, die Angst belaste sie sehr, dass die Aufnahmen ins Internet gelangen könnten: »Es ist wie Covid. Wenn es sich einmal ausgebreitet hat, kann es nicht rückgängig gemacht werden.« Sie hatte keine postmortale Verletzung der Rechte ihres Mannes, sondern eine Verletzung ihrer eigenen Privatsphäre beklagt. Nach dem Urteil postete sie allerdings über Instagram: »Gerechtigkeit für Kobe«. Die Höhe der Entschädigung ist auch in den USA nicht unumstritten. »Sie wird von Geschworenen festgesetzt, die emotionaler agieren als Berufsrichter«, sagt Srocke.

In Deutschland können Hinterbliebene bei Fotoveröffentlichungen von Verstorbenen nur auf Entschädigung hoffen, wenn sie selbst dort auftauchen. Im Namen des Verstorbenen können sie nichts geltend machen, auch nicht, wenn deren Rechte noch zu Lebzeiten verletzt wurden. Beispielhaft ist der Fall Helmut Kohls. Der Ex-Bundeskanzler hatte zunächst eine Million Euro von seinem ehemaligen Ghostwriter erstritten, weil dieser Tonbandprotokolle gegen Kohls Willen veröffentlicht habe – die bis dahin höchste Entschädigung wegen verletzter Persönlichkeitsrechte. Vor Abschluss der zweiten Instanz verstarb Kohl. Seine Witwe versuchte erfolglos, das Verfahren weiterzubetreiben.

ULU
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