Wegen der Coronakrise Handballer beenden Saison vorzeitig - Kiel ist Meister

Anfang März wurde zuletzt in der Handball-Bundesliga gespielt, nun steht fest: Die Saison ist vorbei. Der Titel bei den Männern geht nach Kiel. Bei den Frauen wird kein Meisterteam gekürt.
Kiels Patrick Wiencek und Teamkollege Domagoj Duvnjak gehen als neue Meister hervor

Kiels Patrick Wiencek und Teamkollege Domagoj Duvnjak gehen als neue Meister hervor

Foto: Rene Weiss/ imago images/ Eibner

Die Entscheidung war erwartet worden, nun haben sich die Verantwortlichen der Erst- und Zweitligisten aus dem Handball mehrheitlich geeinigt: Der Spielbetrieb im deutschen Profihandball wird wegen der Coronavirus-Pandemie vorzeitig eingestellt. Deutscher Meister bei den Männern ist der THW Kiel. Dies legte die Liga nach einer virtuellen Mitgliederversammlung fest. 

Die erforderliche Dreiviertelmehrheit ist laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann "deutlich überschritten" worden. "Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich das Beste gewesen, die Saison fortzusetzen. Der Rahmen hat gesundheitlich, organisatorisch und wirtschaftlich aber nicht gepasst. Von den ungerechten Lösungen haben wir diese für die beste gehalten", sagte Bohmann.

In der Bundesliga der Männer hätten noch sieben Spieltage ausgestanden. Spiele in leeren Hallen seien aufgrund der hohen Bedeutung von Zuschauereinnahmen im Handball keine Option gewesen.

"Sehr bitter, aber alternativlos"

Die Saison soll nicht annulliert, sondern nach einer Quotientenregel zu Ende gerechnet werden. Meister wird demnach Kiel. Absteiger wird es nicht geben - die neue Erstliga-Saison würde dann mit 20 statt bisher 18 Bundesligisten beginnen. Noch ist unklar, wann das ist.

Für Rekordmeister Kiel ist es nach vier erfolglosen Anläufen der erste Meistertitel seit 2015 und der 21. insgesamt. Zum Vizemeister wurde die SG Flensburg-Handewitt erklärt. Der Meister der beiden Vorjahre, der in der seit Anfang März eingefrorenen Tabelle den zweiten Platz belegte, ist damit wie der THW für die Champions League der kommenden Saison qualifiziert. Der SC Magdeburg, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen spielen in der Euro League (ehemals EHF-Cup). Aufsteiger sind HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen. Für das Pokalhalbfinale und Endspiel soll ein neuer Termin gefunden werden.

Liga-Präsident Uwe Schwenker betonte, dass "ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt nicht mehr machbar" gewesen wäre, "da das Zeitfenster, das uns bis zum 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten". Der Abbruch sei daher zwar "sehr bitter, aber alternativlos".

Kein Titel bei den Frauen, keine Absteiger, aber ein Champions-League-Ticket

Bereits im März hatte die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihre Spielzeit vorzeitig beendet. Wie im Volleyball kürte die DEL im Gegensatz zur Handball-Liga aber keinen Meister.

Auch in der ebenfalls abgebrochenen Handball-Bundesliga der Frauen wird 2020 kein Titel vergeben. Maßgeblich für die Entscheidung sei nach HBL-Angaben, dass zum Zeitpunkt des Abbruchs noch fast ein Drittel der Saison zu spielen war und auch das Rückspiel zwischen dem Tabellenzweiten SG BBM Bietigheim und Spitzenreiter Borussia Dortmund noch ausstand. Der Verband hatte die Saison am 18. März nach 18 von 26 Spieltagen abgebrochen.

Dortmund erhält mit einem Punkt Vorsprung allerdings das einzige Champions-League-Ticket für die kommende Spielzeit. Die dahinter liegenden Teams aus Bietigheim und von der TuS Metzingen qualifizieren sich für die European Handball League (EHL).

Absteiger wird es auch hier keine geben, aus der 2. Bundesliga steigen der Erstplatzierte HL Buchholz 08-Rosengarten sowie der auf dem Relegationsplatz befindliche Tabellenzweite SV Union Halle-Neustadt auf. Damit wird die Eliteklasse für die kommende Spielzeit auf 16 Teams aufgestockt, was durch einen vermehrten Abstieg für die Saison 2021/22 wieder ausgeglichen werden soll.

jan/sid
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