Handball-EM Titelverteidiger Spanien und Rekord-Europameister Schweden im Finale

»Das war ein Sieg gegen eine Weltmacht«: Spanien bejubelt seinen Sieg gegen Weltmeister Dänemark. Im Finale am Sonntag wartet nun Schweden, das Olympiasieger Frankreich bezwang.
Jubelnde spanische Spieler beim Sieg gegen Weltmeister Dänemark

Jubelnde spanische Spieler beim Sieg gegen Weltmeister Dänemark

Foto: Sanjin Strukic/PIXSELL / imago images/Pixsell

Titelverteidiger Spanien und der WM-Zweite Schweden stehen im Finale der Handball-Europameisterschaft. Der Champion von 2018 und 2020 besiegte am Freitag im Halbfinale Weltmeister Dänemark mit 29:25 (13:14). Im Anschluss setzte sich der viermalige Europameister aus Schweden ebenfalls in Budapest gegen Olympiasieger Frankreich mit 34:33 (17:14) durch. Das Finale findet am kommenden Sonntag um 18 Uhr statt.

Bester spanischer Werfer vor 7286 Zuschauern im MVM Dome in Budapest war Rechtsaußen Aleix Gómez Abelló mit elf Treffern. Zudem zeigte Torhüter Gonzalo Pérez de Vargas eine überragende Leistung und ließ die Dänen-Stars um Torjäger Mikkel Hansen (8 Treffer) vor allem in der Schlussphase verzweifeln.

»Wir sind das beste Team«

»Das war ein Sieg gegen eine Weltmacht. Was diese Mannschaft leistet, ist unglaublich«, jubelte Spaniens Kapitän Gedeón Guardiola vom TBV Lemgo: »Es war eine Show der Emotionen. Ich bin unheimlich stolz. Wir sind vielleicht nicht die beste Mannschaft, aber wir sind das beste Team.«

Dänemark, das schon seit 2012 auf einen EM-Titel wartet, hatte in der ersten Halbzeit bereits mit vier Toren in Führung gelegen, ehe die Spanier im zweiten Abschnitt das Kommando übernahmen und am Ende hochverdient in ihr viertes EM-Finale in Serie einzogen.

Dänemark fehlte es an Präzision

»Spanien war heute einfach besser, vor allem in der zweiten Halbzeit. Egal, was wir versucht haben, sie hatten immer die bessere Lösung parat«, sagte der dänische Rechtsaußen Lasse Svan von der SG-Flensburg-Handewitt.

»Eine Medaille zu gewinnen, dafür sind wir hier, und wie immer wollen wir jetzt den ganzen Weg gehen. Daran besteht kein Zweifel«, hatte Dänen-Coach Nicolaj Jacobsen vor der Neuauflage des olympischen Halbfinales angekündigt. Dieser Wille war beiden Teams von Beginn an deutlich anzumerken. Doch es fehlte zunächst an Präzision. Technische Mängel wechselten sich ab mit teils haarsträubenden Fehlpässen und einigen Fehlwürfen.

Spanien ging in Führung und blieb cool

Davon profitierten im ersten Abschnitt die Dänen. Hinten hielt der Kieler Torhüter Niklas Landin einen Wurf nach dem anderen und vorne zeigte sich vor allem Rückraum-Ass Hansen treffsicher. Als Jungstar Mathias Gidsel nach 18 Minuten zum 8:4 einnetzte, schien es für den Weltmeister der Jahre 2019 und 2021 nach Plan zu laufen.

Doch Spanien blieb ausgesprochen cool und vor allem dank der Paraden von Keeper Pérez de Vargas im Spiel. Bis zur Pause war der Rückstand auf ein Tor geschmolzen. Als die Mannschaft von Trainer Jordi Ribera beim 17:16 erstmals in Führung ging, nahm das Schicksal für die Dänen seinen Lauf. Spanien baute seinen Vorsprung weiter aus und ließ nichts mehr anbrennen.

Überragende Leistung von Schwedens Torhüter Palicka

Auch im zweiten Halbfinale schlüpfte ein Torwart in die Hauptrolle. Schwedens Andreas Palicka, der viele Jahre in der Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen spielte, war bei seinem Turnier-Comeback nach überstandener Coronainfektion der überragende Mann auf dem Parkett. Der 35-Jährige zeigte nicht nur zahlreiche Glanzparaden, sondern erzielte auch noch drei Tore.

Im zweiten Durchgang ging dem Routinier zwar kurz die Puste aus, doch in der heißen Schlussphase war er wieder hellwach. Im Angriff war Jim Gottfridsson nicht zu stoppen. Mit neun Toren führte der Regisseur vom deutschen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt die Skandinavier zum Sieg. Für Frankreich war Hugo Descat achtmal erfolgreich.

Norwegen auf Platz fünf

Das Spiel um Platz fünf gewann Norwegen gegen Island mit 34:33 (27:27, 16:12) nach Verlängerung. Der EM-Dritte von 2020 sicherte sich damit das direkte Ticket für die WM 2023 in Schweden und Polen, für die zudem die beiden Gastgeber, Titelverteidiger Dänemark sowie Frankreich und Spanien bereits qualifiziert sind.

col/sid/dpa