21 Jahre nach Kretzschmar und Co. Der SC Magdeburg ist wieder deutscher Handballmeister

Durch den Sieg gegen Balingen steht der SC Magdeburg von Trainer Bennet Wiegert vorzeitig als deutscher Handballmeister fest. Der Jubel ist entsprechend groß – es hatte immerhin zwei Jahrzehnte gedauert.
Matthias Musche jubelt: Die Handballer des SC Magdeburg sind zum zweiten Mal nach 2001 deutscher Meister geworden.

Matthias Musche jubelt: Die Handballer des SC Magdeburg sind zum zweiten Mal nach 2001 deutscher Meister geworden.

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Ronny Hartmann / dpa

Matchball genutzt, Geschichte geschrieben: Der SC Magdeburg ist erstmals seit 21 Jahren wieder deutscher Handballmeister. Die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert sicherte sich den vorzeitigen Titelgewinn durch ein 31:26 (15:15) gegen HBW Balingen-Weilstetten. Durch den 30. Sieg im 32. Ligaspiel ist der SCM in den ausstehenden zwei Partien nicht mehr von der Bundesligaspitze zu verdrängen.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem legendären Team um Coach Alfred Gislason, der das Spiel auf der Tribüne verfolgte, und Star-Linksaußen Stefan Kretzschmar feierten die Magdeburger mit ihren enthusiastischen Fans am Donnerstagabend in der heimischen Getec-Arena die Rückkehr auf den deutschen Handball-Thron. Der SCM folgt auf Rekordmeister THW Kiel, der den Titel in den vergangenen beiden Spielzeiten gewonnen hatte.

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Vier Tage nach dem so unglücklich verlorenen Finale in der European League (39:40 nach Verlängerung bei Benfica Lissabon) tat sich der SCM mit Abstiegskandidat Balingen lange schwer. Erst in der Schlussphase konnten sich die Gastgeber entscheidend absetzen.

»Tausend Mal Chapeau vor meiner phänomenalen Mannschaft. Ich kann nur den Hut ziehen«, sagte Wiegert. Den Gewinn der Meisterschaft bezeichnete der 40 Jahre alte gebürtige Magdeburger als »Wahnsinn. Unser Stufenplan sah vor, den Abstand zu den großen zwei – zu Kiel und Flensburg – zu verkleinern. Das jetzige Ergebnis war unvorstellbar.« Zur Erinnerung: Magdeburgs Rückstand auf die beiden Topteams hatte in der vergangenen Saison noch 15 Punkte betragen.

Durch den Erfolg gegen Balingen schraubten die Grün-Roten ihr Punktekonto am Donnerstagabend auf 60:4 Punkte – und nutzten direkt den ersten ihrer drei Meister-Matchbälle. Verfolger Kiel (52:10), der noch im Pokalfinale die Oberhand behalten hatte, hat im Saisonendspurt keine Chance mehr.

Architekten des Erfolgs sind Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt und vor allem Wiegert. Der Trainer, der in Personalunion auch das Amt des Magdeburger Sportchefs bekleidet, übernahm die Geschicke beim finanziell wie sportlich strauchelnden Traditionsklub im Herbst 2015 und führte den zehnfachen DDR-Champion mit einer Mischung aus harter Arbeit und wilder Entschlossenheit zurück an die nationale Spitze. Dem überraschenden Titelgewinn bei der Klub-WM im Herbst folgte nun das i-Tüpfelchen.

Wiegert, der den bis dato einzigen gesamtdeutschen Meistertitel 2001 als Spieler miterlebt hatte, verstärkte das Team mit Spielern wie dem Linkshänder Omar Ingi Magnusson oder Spielmacher Philipp Weber sukzessive und implementierte einen Tempohandball, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Gewinnt der SCM auch seine letzten beiden Saisonspiele, winkt der größte Vorsprung an der Ligaspitze seit 2013, als Kiel den Rivalen aus Flensburg am Saisonende um sieben Punkte distanzierte.

ara/sid
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