Kongolesischer Handballer Gauthier Mvumbi Er will das Stirnband des besten Spielers stehlen

Erstmals findet eine Handball-WM mit 32 Teams statt, und das spült Amateure und Außenseiter ins Turnier. Zum Beispiel den Kreisläufer Gauthier Mvumbi aus dem Kongo. Ein erstes Ausrufezeichen hat er schon gesetzt.
Nummer 15 fliegt: Gauthier Mvumbi ist eines der neuen Gesichter bei dieser WM

Nummer 15 fliegt: Gauthier Mvumbi ist eines der neuen Gesichter bei dieser WM

Foto: Mohamed Abd El Ghany/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Immer wieder riss der Mann mit der Rückennummer 15 die Arme hoch. Spielt mich an, und den Rest erledige ich, sollte das wohl bedeuten. Wenn der Mann mit der Nummer 15, Gauthier Mvumbi, den Ball bekam, dann ging es wirklich schnell. Der Handballer schob am Kreis, setzte den Körper ein, drehte sich und ließ die Gegenspieler nicht an sich herankommen. Im Vorrundenduell gegen Argentinien gelang das dem Handballer aus dem Kongo gleich viermal.

Aber von vorne. Für die Weltmeisterschaft in Ägypten hat sich Mvumbi drei Ziele gesetzt.

Der Kreisläufer will mit der kongolesischen Nationalauswahl Spaß haben, erzählte er. Die Handballer aus der Demokratischen Republik Kongo gehören zu den vielen Außenseitern bei dem Turnier, erstmals überhaupt sind sie für eine Endrunde qualifiziert. Und sie sind vor allem deswegen dabei, weil die WM zum ersten Mal mit 32 statt 24 Nationen stattfindet. Spaß haben also, das ist sein erstes Ziel.

Der 26-Jährige will außerdem nicht an Covid-19 erkranken. Einer französischen Zeitung  erzählte Mvumbi, dass ihm »dieses verdammte Virus nicht der schönsten Zeit seines Lebens«, der Zeit bei der Weltmeisterschaft, berauben soll. Kein Corona, Ziel zwei.

Mal ist weiß, mal rot, mal schwarz: Das Stirnband von Mikkel Hansen

Mal ist weiß, mal rot, mal schwarz: Das Stirnband von Mikkel Hansen

Foto: Henning Bagger / imago images/Ritzau Scanpix

Und dann ist dort noch eine dritte Angelegenheit offen, und da kommen der aktuelle Weltmeister aus Dänemark und Superstar Mikkel Hansen ins Spiel. Diesem Spieler, dessen Markenzeichen nicht nur wuchtige Würfe sind, sondern auch Haarpracht und vor allem das Stirnband, wolle er jenes Stirnband stehlen. Mvumbi erzählte, dass in der kongolesischen Auswahl ein Wettbewerb entstanden sei, Hansen das Stirnband abzunehmen. Und er möchte diesen Wettbewerb gewinnen. Ob das klappt, klärt sich am Sonntag, wenn Mvumbi und seine Teamkollegen auf Dänemark treffen.

Die Weltmeisterschaft in Ägypten, sie ist in der Vorrunde noch nicht der Kampf der großen Handballnationen um den Titel. Sie ist auch eine Bühne für Außenseiter und Amateure, für Nationen, die normalerweise keine Rolle im Welthandball spielen, und für einige Spieler, die oftmals in den untersten Ligen Europas eher als Hobbysportler aktiv sind, aber in ihren Heimatländern die besten Handballer sind. Der Kongolese Mvumbi, im Verein in der vierten Liga Frankreichs aktiv, gehört dazu. Jetzt ist er bei der WM dabei.

Außenseiter zu sein, bedeutet nicht, dass Mvumbi die Zeit in Ägypten nicht genießen kann. Im Gegenteil: Gleich im ersten Spiel gegen Argentinien erzielte er vier Treffer bei vier Würfen. Wenn der Kreisläufer erst einmal durchbricht, dann ist er kaum zu stoppen. Er hat Masse und das Durchsetzungsvermögen, das auf seiner Position benötigt wird. Die Bilder von seinen Toren verbreiteten sich schnell in den sozialen Netzwerken, und wer sie begutachtet, wird auf einen ziemlich kaltblütigen Spieler stoßen.

Seine große Schwachstelle ist die Rückwärtsbewegung, die im Handball nicht ganz unwichtig ist und ziemlich schnell bestraft wird. Argentinien bestraft sie an diesem Abend oft genug.

Gauthier Mvumbi und die Teamkollegen nach dem Argentinien-Duell

Gauthier Mvumbi und die Teamkollegen nach dem Argentinien-Duell

Foto: Mohamed Abd El Ghany/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Seine Mannschaft dürfte die Vorrunde kaum überstehen. Zu groß sind die Unterschiede zwischen den Neulingen bei dieser WM und besonders den europäischen Nationen. Beim 43:14 zwischen der DHB-Auswahl und Uruguay wurde das deutlich. Auch das Team von Mvumbi, das sogar nur gegen den südamerikanischen Vertreter und Turnieraußenseiter Argentinien traf, musste sich am Ende 22:28 geschlagen geben.

Die Ziele, die Chancen

Trotzdem stehen die Chancen nicht so schlecht, dass Mvumbi zumindest einen Teil seiner drei Ziele erreicht. Wie viel Freude die kleinen Nationen selbst beim Verlieren haben, zeigten schon die Uruguayer gegen die DHB-Auswahl. Jede noch so gute Tat wurde gefeiert wie ein Sieg. Auch die Kongolesen wirkten nicht traurig, als sie am Ende als Verlierer vom Platz gingen. Dabei sein ist alles, so wirkt es. Ziel eins also, Spaß haben, das sollte Mvumbi erreichen.

Beim zweiten Ziel, bloß nicht mit Corona infizieren, muss man schon etwas skeptischer sein. Das Coronavirus ist zu Beginn dieser WM das Dauerthema, zwei Nationen mussten kurzfristig absagen, nachdem sie zu viele positiv getestete Spieler gemeldet hatten. Auch in der dänischen und slowenischen Auswahl sind die ersten Fälle aufgetreten, der nächste deutsche Gegner, Kap Verde, ist ebenfalls betroffen. Im Team von Mvumbi ist jedoch noch kein positiver Fall nachgewiesen.

Bleibt das dritte Ziel: das Stirnband von Mikkel Hansen. Dass der Weltstar das Stirnband freiwillig abgibt, muss man bezweifeln. 2019 wurde die dänische Handballauswahl Weltmeister und als der Pokal überreicht wurde und die Spieler längst in Feierlaune waren, als inzwischen egal war, ob Haare durch das Gesicht wehen oder nicht, da trug Mikkel Hansen sein Stirnband noch immer. Mvumbi steht am Sonntag vor einer harten Herausforderung.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten