Unverständnis über Aus des Handballbundestrainers "Prokop hat den Kampf gegen Windmühlen verloren"

Nach der Entlassung von Christian Prokop melden sich Spieler und Offizielle zu Wort - die meisten eint Unverständnis über die Entscheidung.
Christian Prokop

Christian Prokop

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Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Die Nachricht von seinem überraschenden Aus als Handball-Bundestrainer traf Christian Prokop völlig unvorbereitet - und nicht nur ihn. Auch Kapitän Uwe Gensheimer reagierte darauf mit Unverständnis. "Ich war geschockt, als ich die Nachricht bekommen habe. Ich hatte überhaupt keine Ahnung davon und war sprachlos im ersten Moment, weil ich niemals damit gerechnet hätte und es aufgrund der Ergebnisse auch nicht für nötig gehalten habe", sagte der 33 Jahre alte Linksaußen von den Rhein-Neckar Löwen nach dem Bundesligaspiel gegen die MT Melsungen (30:33) beim TV-Sender Sky.

Er habe das Gefühl gehabt, mit Prokop sei alles auf dem richtigen Weg gewesen, betonte der 33 Jahre alte Linksaußen. "Wir haben es mehrfach angesprochen, dass wir ein gutes Verhältnis zu Christian haben und ihn sehr schätzen. Deswegen kann ich das nicht nachvollziehen - unabhängig von der Qualität seines Nachfolgers", sagte Gensheimer.

"Das muss er sicher erstmal sacken lassen"

Auch Oliver Roggisch, Teammanager der deutschen Handballer, äußerte Kritik an der Trennung von Prokop. "Ich glaube, dass Christian Prokop eine richtig gute Europameisterschaft gespielt hat mit der Mannschaft, die hinter ihm steht", sagte Roggisch dem TV-Sender Sky. Die Entscheidung des Verbandspräsidiums sei daher "nach außen erst einmal schwer nachzuvollziehen".

Roggisch selbst war nach eigener Aussage "in keiner Weise in die Entscheidung eingebunden und heute genauso überrascht wie alle anderen auch, dass Christian beurlaubt worden ist", sagte der 41-Jährige. Direkten Kontakt mit Prokop habe er noch nicht gehabt, ihm aber eine Nachricht via WhatsApp geschickt. "Jeder kann sich vorstellen, dass er sehr enttäuscht ist. Das muss er sicher erstmal sacken lassen", fügte Roggisch hinzu.

"Es war immer eine latente Unzufriedenheit"

Stefan Kretzschmar zeigte sich ebenso überrascht: "Am heutigen Tag, schlagen zwei Herzen in meiner Brust, weil ich mit beiden Protagonisten gut befreundet bin. Auf der einen Seite tut es mir wahnsinnig leid und ich bin sehr traurig über die Entscheidung gegen Christian. Auf der anderen Seite freut es mich natürlich für Alfred."

Auf die Frage, ob es weitere Konsequenzen beim DHB geben müsse, sagte Kretzschmar: "Ich gaube, man sollte das jetzt nicht dem DHB in die Schuhe schieben. Prokop hat den Kampf gegen die Windmühlen verloren. Es war immer eine latente Unzufriedenheit mit ihm und seiner Person als Bundestrainer zu spüren, über Fehler von ihm möchte ich hier jetzt nicht sprechen. Ich weiß nicht, ob man jetzt den Kopf von Hanning oder Michelmann fordern und eine neue Sau durchs Dorf treiben soll. Über Gislason möchte ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, ich bin emotional noch zu aufgewühlt."

Dierk Schmäschke, Geschäftsführer des deutschen Meisters SG Flensburg-Handewitt, hatte vor allem für den Zeitpunkt der Ereignisse im Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag kein Verständnis. "Den Zeitpunkt kurz vor einem Bundesliga-Spieltag finde ich sehr unglücklich." Die Verantwortlichen der Nationalmannschaft müssten "sich selbst hinterfragen - angefangen bei Bob Hannings Pulloverwahl bis hin zu öffentlichen Statements auf Pressekonferenzen - ob alles im Lot ist", sagte Schmäschke.

Den Punkt griff auch Weltmeistertrainer Heiner Brand auf: "Zum einen war das Turnier nicht schlecht, zum anderen sind mir die Äußerungen im Kopf, die immer pro Christian waren. Da konnte man wirklich nicht mit rechnen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Trennung für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, so eine Entscheidung hätte man wenn, dann früher treffen müssen. Jetzt werden wieder die Diskussionen anfangen, warum man Christian damals eingestellt hat."

DHB-Präsident Andreas Michelmann rechtfertigte die Trennung von Prokop. "Wir haben diese schwere Entscheidung nach reichlicher Abwägung und einer ganzheitlichen Analyse aus Verantwortung für den deutschen Handball getroffen", begründete er.

Nationaltorhüter Andreas Wolff freut sich derweil auf die Zusammenarbeit mit Alfred Gislason. "Wir kriegen einen Trainer mit einer riesigen Erfahrung und einer großen Titelsammlung, der über Jahre in mehreren Mannschaften gezeigt hat, dass er zur Spitze der Trainergilde gehört", sagte Wolff.

ara/sid/dpa
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