THW-Handballer zurück in der Erfolgsspur Kieler Wochen

Lange war der THW Kiel die unumstrittene Nummer eins im deutschen Handball. In den letzten Jahren bröckelte dieser Status. Nun melden sich die Kieler eindrucksvoll zurück - national wie international.

Filip Jicha feiert erste Erfolge als Chefcoach des THW Kiel
GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Filip Jicha feiert erste Erfolge als Chefcoach des THW Kiel


In den vergangenen vier Jahren machten zwei Vereine den deutschen Meistertitel im Handball unter sich aus: 2016 und 2017 standen die Rhein-Neckar Löwen zum Saisonende an der Tabellenspitze, 2018 und 2019 war es die SG Flensburg Handewitt. Dabei hatte man sich eigentlich längst an einen anderen Anblick gewöhnt. Doch Serienmeister THW Kiel, der von 2005 bis 2015 zehn von elf möglichen Titeln holte, rutschte von der Rolle des Gejagten in die des Jägers.

Damit soll nun Schluss sein. Im Sommer endete in Kiel die Ära von Trainer Alfred Gislason, der seit 2008 für die "Zebras" verantwortlich war. Ihm folgte Filip Jicha nach. Der Tscheche, einst Kapitän der Kieler und 2010 als Welthandballer ausgezeichnet, hatte bereits im Vorjahr als Co-Trainer unter Gislason gearbeitet und noch als Spieler zwei Champions-League-Titel unter der Führung des Isländers an die Förde geholt. Am Samstag erlebte Jichas Team einen Abend wie zu besten Zeiten in der Königsklasse: Beim französischen Topklub Montpellier HB gelang ein eindrucksvolles 33:30 (17:16), der vierte Sieg in neun Tagen.

Selbstvertrauen dank der Champions League

"Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft", sagte Jicha im Anschluss. Der THW liegt in der stark besetzten Gruppe B mit 9:1 Punkten auf dem ersten Platz. Die anspruchsvollen Auswärtsspiele gegen die direkten Verfolger aus Veszprém (Ungarn), Skopje (Nordmazedonien) und nun eben Montpellier konnten allesamt gewonnen werden.

Dabei hatten die Kieler in Frankreich eine Viertelstunde vor Schluss noch 22:25 zurückgelegen (45.). Jicha reagierte, brachte den dänischen Weltmeistertorwart Niklas Landin - und sah seinem Team dabei zu, wie es die Partie noch drehte. "Ich bin glücklich und stolz, wie meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit zurückgekommen ist", sagte Jicha und lobte: "Der Teamspirit ist außergewöhnlich." Rückraumspieler Lukas Nilsson pflichtete seinem Trainer bei: "Wir haben nach den Siegen in der Champions League ein unglaublich gutes Gefühl innerhalb des Teams", erklärte der 22 Jahre alte Schwede, der mit elf Treffern der beste Werfer der Kieler war.

Lukas Nilsson überragte gegen Montpellier als Torschütze
GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Lukas Nilsson überragte gegen Montpellier als Torschütze

Im vorherigen Jahr hatte der THW in der Champions League noch zuschauen müssen. Nun winkt der Durchmarsch: Bei einem Gruppensieg würde Kiel das Achtelfinale überspringen, wäre direkt für das Viertelfinale qualifiziert und hätte dort im Rückspiel das Heimrecht.

Auch national läuft es für die Kieler wieder rund. Im Pokal ist das Viertelfinale erreicht. In der Liga ist der vierte Platz damit zu erklären, dass noch zwei Nachholspiele ausstehen. Sollte der THW diese gewinnen, wäre er auch in der Bundesliga wieder obenauf.

cev/dpa/sid



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