Handball in Deutschland Ukrainischer Meister Saporischschja startet in der 2. Bundesliga

In der Ukraine ruht der Spielbetrieb wegen des Kriegs, nun nimmt Handball-Serienmeister FK Motor Saporischschja als Gaststarter in Deutschlands zweithöchster Spielklasse teil.
Flensburgs Holger Glandorf (l.) gegen Igor Soroka (Saporischschja) in der Champions-League-Gruppenphase (Bild von Oktober 2018)

Flensburgs Holger Glandorf (l.) gegen Igor Soroka (Saporischschja) in der Champions-League-Gruppenphase (Bild von Oktober 2018)

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BEAUTIFUL SPORTS/Mario M. Koberg/ imago/Beautiful Sports

Der ukrainische Handball-Meister FK Motor Saporischschja nimmt in der kommenden Saison als Gaststarter am Spielbetrieb der 2. Bundesliga teil. »Wir helfen damit, die Existenz des Vereins zu sichern, weil ein Spielbetrieb in der Ukraine wegen des Krieges nicht möglich ist«, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte einen entsprechenden Bericht der »Bild«-Zeitung.  Zuvor hatte das Portal »handball world«  berichtet.

Demnach wird der Champions-League-Teilnehmer, der die heimische Meisterschaft seit 2013 ununterbrochen gewinnen konnte, seine Heimspiele in Düsseldorf austragen und ganz normal in der Tabelle geführt. Der Plan sieht allerdings vor, die Spiele aus dem Auf- und Abstiegskampf herauszurechnen.

Die 2. Liga sollte in der Spielzeit 2022/23 ursprünglich 19 Teams umfassen. Dadurch lasse sich Saporischschja als 20. Mannschaft problemlos in den Spielplan integrieren. »In der Bundesliga wäre das absolut unmöglich gewesen«, sagte Bohmann. Nachdem die Zweitligavereine bereits in der Vorwoche mit großer Mehrheit für die Aufnahme der Ukrainer gestimmt hätten, seien mittlerweile nahezu alle Formalien, wie die Unterbringung der Spieler und ihrer Familien oder die Erlaubnis der ukrainischen Regierung, geklärt worden.

Novum in der Liga

»Die Klubs haben gesagt: Hier helfen wir, Handballer helfen Handballern«, sagte Ligapräsident Uwe Schwenker dem Sportinformationsdienst zufolge.

Die Heimspiele absolvieren die ukrainischen Handballer in Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt sorge laut Schwenker auch für die Unterbringung des Teams. Der »Bild« zufolge würden die Spieler vorerst weiter von ihrem Hauptsponsor, einem ukrainischen Motorenhersteller, bezahlt.

Die Saison im deutschen Unterhaus beginnt Anfang September. Nach dem Angriffskrieg Russlands ruht derzeit der Spielbetrieb in der Ukraine.

Saporischschja könnte durch die Spiele in Deutschland die nötige Spielpraxis für die Champions League sammeln. Für eine Teilnahme an der Königsklasse müsste die Europäische Handball-Föderation (EHF) dem Klub allerdings eine Wildcard erteilen.

Der Gedanke einer Integration des ukrainischen Serienmeisters in den deutschen Spielbetrieb entwickelte sich bereits vor einigen Wochen.

ngo/dpa/sid
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