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»Happel braucht mit keinem zu reden«

SPIEGEL-Interview mit dem Sponsor des FC Tirol, Langes-Swarovski, über die Verpflichtung des HSV-Trainers Gernot Langes-Swarovski, 43, ist geschäftsführender Gesellschafter der Swarovski-Gruppe in Wattens, Österreich. Das Unternehmen, das Kristallwaren, Schmuck, optische Geräte herstellt und 20000 Mitarbeiter beschäftigt, erzielte im Jahr 1986 einen Umsatz von drei Milliarden Mark. *
aus DER SPIEGEL 16/1987

SPIEGEL: Herr Langes-Swarovski, Wacker Innsbruck wurde 1986 in FC Swarovski Tirol umbenannt, seither halten Sie sich den Klub als kickende Werbetruppe. Kann man mit österreichischem Fußball überhaupt werben?

LANGES-SWAROVSKI: Nur dann, wenn die Mannschaft im Europapokal mitspielt. Eine Umfrage in Deutschland hat zum Beispiel ergeben, daß unser Name vor allem über den Fußball bekannt geworden ist. Nach unserem Erfolg im Uefa-Cup gegen den AC Turin wurde ich in Italien immer wieder angesprochen: Sind Sie der Swarovski, der den Fußballklub hat?

SPIEGEL: Was kostet Sie der Spaß?

LANGES-SWAROVSKI: Unser Zuschuß an den Klub ist auf fünf Millionen Schilling pro Jahr fixiert.

SPIEGEL: Für fünf Millionen Schilling im Jahr, rund 700000 Mark, kriegen Sie ja gerade Ernst Happel, der in dieser Woche bei Ihnen einen Trainervertrag unterschreiben soll. Was hat Sie dazu bewogen, den Coach des Hamburger SV zu engagieren?

LANGES-SWAROVSKI: Herr Happel ist ein exzellenter Trainer.

SPIEGEL: Ohne Frage, er ist sogar der Beste in der Bundesliga. Als Werbeträger für ein Unternehmen eignet sich der bei seinen öffentlichen Auftritten meist grantig wirkende Wiener allerdings weniger.

LANGES-SWAROVSKI: Wichtig für uns ist, daß der Verein im Europapokal wenigstens die zweite Runde erreicht. Dafür brauchen wir einen Trainer, der dies gewährleistet. Ich messe die Werbewirksamkeit eines Trainers nicht daran, daß er nach jedem Spiel zur Pressekonferenz erscheint. Happel braucht mit keinem zu reden. Seine Werbewirkung ist dann gut, wenn er die Mannschaft so weit bringt, daß sie als Werbeträger taugt.

SPIEGEL: In Hamburg redet Happel nicht mehr mit den Journalisten, weil eine Zeitung berichtet hatte, er sei mit einer neuen Freundin in der Spielbank gesehen worden. HSV-Manager Felix Magath ist nicht gerade erfreut über die Funkstille zwischen Trainer und Reportern, die er ja zum Anheizen der Heimspiele braucht.

LANGES-SWAROVSKI: Das wäre mir völlig egal.

SPIEGEL: Und wie reagieren Sie, wenn sich in den österreichischen Medien eine Ablehnungsfront gegen Happel formieren sollte?

LANGES-SWAROVSKI: Die österreichischen Journalisten werden sich daran gewöhnen müssen - oder sie haben es schon, weil ja auch sie vergebens versucht haben, mit Happel zu sprechen. Österreicher gewöhnen sich relativ schnell an neue Verhältnisse, das ist unsere Mentalität.

SPIEGEL: Ihr Fußballklub soll möglichst in den Ländern zu Freundschaftsspielen antreten, in denen die _(Am 17. März gegen AC Turin, in der ) _(Mitte Hansi Müller. )

Firma geschäftlich engagiert ist. Spielt Happel da mit?

LANGES-SWAROVSKI: Ziel- und Wunschvorstellungen der Firma für Werbezwecke sind Herrn Happel bekannt, er ist mit Auftritten der Mannschaft im Sinne der Werbeabteilung einverstanden. Im übrigen glauben wir, daß die große Stärke des Herrn Happel darin liegt, aus relativ unbekannten Spielern Stars zu machen. Das ist für uns ein wichtiger Faktor, weil unser Stadion zu klein ist, um einen Profiverein in einer vernünftigen Kosten-Nutzen-Relation unterhalten zu können. Wir müssen deshalb davon ausgehen, in bestimmten Zeitabständen Spieler zu verkaufen.

SPIEGEL: Wie verträgt sich dieses Konzept denn mit Stars wie Karl-Heinz Rummenigge oder Bruno Pezzey, die mit Ihrem Klub in Verbindung gebracht werden?

LANGES-SWAROVSKI: Den Namen Rummenigge kenne ich nur aus der Zeitung. Ich weiß nicht, wer uns schaden wollte und ihn ins Gespräch gebracht hat. Und an Pezzey hatte ich gedacht, weil er früher bei uns gespielt hat. Aber Bremen hat so indiskutable Ablöse-Vorstellungen, daß wir ihn wieder vergessen haben. Außerdem will Herr Happel, der bei uns in sportlichen Dingen allein bestimmt, keine Stars, das hat er mir ausdrücklich gesagt. Er soll Talente aufbauen, die wir dann auch transferieren können.

SPIEGEL: Happel soll Ihnen nicht nur Werbung, sondern auch noch das Geld für die Werbung beschaffen?

LANGES-SWAROVSKI: Genauso ist es.

SPIEGEL: Da macht ausgerechnet der so erfolgsorientierte Happel mit?

LANGES-SWAROVSKI: Herr Happel weiß über unsere Zielsetzungen detailliert Bescheid, er ist sich genau darüber im klaren, wo wir hinwollen.

SPIEGEL: Und wenn das von Ihnen gesetzte Ziel nicht erreicht wird, steht er zur Disposition wie jeder Abteilungsleiter auch?

LANGES-SWAROVSKI: Er wäre selbst der erste, der von sich aus eine Vertragsauflösung verlangen würde, sollte die Zielsetzung nicht erreicht werden.

SPIEGEL: Und Sie als Sponsor verlieren dann ebenfalls die Lust an Ihrem Spielzeug?

LANGES-SWAROVSKI: Der FC Swarovski ist Teil der Firma. Eine Abteilung wie jeder andere Produktionsbereich. Falls sich die Firma nicht mehr mit dem Klub identifizieren kann, wird alles an unseren früheren Partner Wacker Innsbruck zurückgegeben.

SPIEGEL: Der dann, ohne die Firmengelder, vermutlich die besten Spieler verkaufen müßte, um weiter existieren zu können. Läßt sich ein Klub wie eine Firma managen?

LANGES-SWAROVSKI: Im ersten Jahr, nachdem Wacker Innsbruck in FC Swarovski Tirol umbenannt wurde, haben wir an traditionellen Vereinsstrukturen festgehalten. Zusammen mit Ernst Happel übernimmt jetzt Gerhard Leutgeb, der bisher eine Swarovski-Tochtergesellschaft als Geschäftsfuhrer geleitet hat, den Klub und wird ihn eben wie eine Tochtergesellschaft führen.

SPIEGEL: Und wenn es nicht läuft, bestellen Sie ihn und Ernst Happel zum Rapport?

LANGES-SWAROVSKI:Ganz genauso wird das sein, und Herr Happel erwartet das auch. Das ist, aus betriebswirtschaftlicher Sicht gesehen, eine normale Kontrolltätigkeit. Ich sehe in der ganzen Welt Ansätze, daß Fußballvereine wie Handelsgesellschaften geführt werden. Bernard Tapies Olympique Marseille zum Beispiel ist doch ähnlich strukturiert.

SPIEGEL: Was macht dann den Reiz Ihres Klubs aus, daß renommierte Profis wie Hansi Müller dort spielen?

LANGES-SWAROVSKI: Nach Beendigung der Profikarriere ist Innsbruck für intelligente Spieler sehr attraktiv, falls sie in das Unternehmen eingegliedert werden. Und ein Spieler wie Herr Müller, der fünf Sprachen spricht, der über die Grenzen Österreichs und Deutschlands hinaus bekannt ist, wird im Unternehmen Swarovski seinen Weg machen, davon bin ich überzeugt.

SPIEGEL: In zehn Jahren regieren dann ausrangierte Profis Swarovski? LANGES-SWAROVSKI: Ich möchte nicht sagen, daß Swarovski so aussehen wird wie Adidas. Aber wenn alle zwei Jahre ein Profi seinen Weg im Marketingbereich des Unternehmens machen würde, würde es mich freuen.

SPIEGEL: Und bis dahin muß er laufen, damit Sie Ihre Werbung haben?

LANGES-SWAROVSKI: Die Spieler stehen wie ich unter Erfolgszwang. Wir haben einen Fünfjahresplan erstellt, und vor Ablauf dieser Frist werden wir nüchtern analysieren, was es gebracht hat. Und wie dann ab 1991 die Zukunft aussieht.

SPIEGEL: Eine Bestandsgarantie für Ihren Klub übernehmen Sie also nicht?

LANGES-SWAROVSKI. Als verantwortungsbewußter Geschäftsmann kann ich das nicht.

SPIEGEL: Am vergangenen Mittwoch hat Ihr Klub das Uefa-Cup-Spiel in Göteborg 1:4 verloren. Haben Sie schon mal daran gedacht, daß eine Anhäufung von Mißerfolgen negative Auswirkungen für Ihr Unternehmen haben könnte?

LANGES-SWAROVSKI: Eine Niederlagenserie würde der Firma schaden, da würde viel Kristall kaputtgehen. Das könnten wir nicht hinnehmen. Wir erwarten von Happel, daß er im nächsten Jahr den Meistertitel holt.

Am 17. März gegen AC Turin, in der Mitte Hansi Müller.

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