Schachturnier in Wijk aan Zee Im Armageddon behält ein 21-Jähriger die Nerven

Mehrere Spieler hatten vor dem letzten Turniertag noch Chancen auf den Sieg beim »Wimbledon des Schachs«. Am Ende lief alles auf ein historisches Finalduell hinaus. Jorden van Foreest feierte seinen größten Erfolg.
Jorden van Foreest beim »Wimbledon des Schachs«

Jorden van Foreest beim »Wimbledon des Schachs«

Foto: via www.imago-images.de / imago images/ANP

Der 21 Jahre alte Jorden van Foreest hat überraschend das prestigeträchtige Schachturnier im niederländischen Wijk aan Zee gewonnen. Im Tiebreak setzte sich van Foreest gegen Anish Giri durch. Beide hatten das Turnier nach 13 Runden mit je 8,5 Punkten angeführt. Schon vor dem Tiebreak stand damit fest, dass erstmals seit Jan Timmans Sieg 1985 wieder ein Niederländer das Turnier gewinnen würde.

Für van Foreest ist der Sieg in Wijk aan Zee, das auch als »Wimbledon des Schachs« bezeichnet wird, sein bislang größter Karrieerfolg. »Ich hoffe, das Beste kommt erst noch«, sagte van Foreest: »Aber ich bezweifle, dass ich das jemals toppen kann.« Richtig begreifen konnte er den Sieg noch nicht: »Das kommt erst, wenn ich heute Nacht im Bett liege und versuche zu schlafen«.

Van Foreest gilt spätestens seit 2015 als Top-Talent. Damals, mit 15 Jahren, sicherte er sich als jüngster Niederländer in der Geschichte den Großmeistertitel. Zweimal spielte er daraufhin schon beim Masters-Turnier in Wijk aan Zee, 2020 belegte er nach guter Leistung den vierten Platz.

Vor Beginn des diesjährigen Turniers war er nach der Elo-Weltranglistenzahl im Vergleich mit seinen Konkurrenten nur der elftbeste Spieler. Von den 13 Partien mit klassischer Bedenkzeit verlor van Foreest jedoch keine einzige, auch Weltmeister Magnus Carlsen hielt er stand. Vier Partien gewann van Foreest. Durch den Erfolg steigt der 21-Jährige in der Live-Weltrangliste 30 Plätze auf und ist nun 37.

Entscheidung im Tiebreak

Schon vor dem Finaltag hatte sich abgezeichnet, dass die Entscheidung knapp ausfallen könnte. Mehrere Spieler hatten noch Chancen auf den Turniersieg. Giri führte die Tabelle mit einem halben Punkt Vorsprung an. Da er Remis spielte und van Foreest sein Parallelspiel gewann, mussten die beiden ins Tiebreak.

In zwei Blitzpartien trennten sich van Foreest und Giri jeweils Remis. Es folgte eine sogenannte Armageddon-Partie, in der Weiß eine Minute mehr Bedenkzeit hat, ein Remis jedoch als Sieg für Schwarz gewertet wird. Giri erspielte sich mit den weißen Figuren einen Vorteil, verlor am Ende aber, weil seine Bedenkzeit abgelaufen war.

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Dritter wurde ebenfalls überraschend der 18 Jahre alte Andrei Jessipenko, der unter anderem Weltmeister Magnus Carlsen besiegt hatte. Carlsen belegte nach einer für seine Verhältnisse schlechten Leistung nur den sechsten Rang. Der deutsche Schachprofi Alexander Donchenko belegte mit 3,5 Punkten den 14. und letzten Platz. In der Weltrangliste  ist er nun nicht mehr der beste Deutsche, diesen Platz hat jetzt der 23 Jahre alte Matthias Blübaum als 67. inne.

Donchenko war erst zwei Tage vor Turnierbeginn nachnominiert worden. Daniil Dubow hatte wegen eines Corona-Kontakts kurzfristig absagen müssen.

ptz
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