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Gestorben Lee Evans, 74

aus DER SPIEGEL 21/2021
Foto: SVEN SIMON / ddp/Sven Simon

Die Olympischen Spiele von Mexiko 1968 gelten vielen bis heute als die aufregendsten, spektakulärsten Sommerspiele der Neuzeit, nicht nur aus sportlichen, auch aus politischen Gründen. Der US-Läufer Lee Evans hatte an beidem seinen Anteil. Der damals 21-Jährige pulverisierte zunächst im 400-Meter-Endlauf den bestehenden Weltrekord und blieb mit 43,86 Sekunden erstmals unter der 44-Sekunden-Marke – eine Bestleistung, die zu den Jahrhundert-Leichtathletik-Rekorden zählt. Es dauerte 20 Jahre, bis Butch Reynolds die Zeit von Evans unterbot. Bei der Siegerehrung von Mexiko trugen die drei schwarzen US-Amerikaner auf dem Podest, neben Evans waren das Larry James und Ron Freeman, schwarze Barette. Es war ihr Zeichen für die Unterstützung der Black-Panther-Bewegung. 1968, das war die Zeit, in der in den USA die Konflikte um die Diskriminierung von Schwarzen explodierten – und die schwarzen US-Athleten ihre Solidarität zeigten. Anders als die 200-Meter-Läufer Tommie Smith und John Carlos, die bei ihrer Siegerehrung die Fäuste ballten und daraufhin aus dem US-Team ausgeschlossen wurden, wurde Evans für seine Aktion nicht mit Sanktionen belegt. Das Bild der drei Läufer mit den Baretten auf dem Podium wurde ebenso wie die Aufnahme von Smith und Carlos Teil der Olympia-Geschichte. Lee Evans starb am 19. Mai in Lagos, Nigeria, an den Folgen eines Schlaganfalls.

aha
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