EM-Gold über 100 Meter Gina Lückenkemper ist die schnellste Frau Europas

Unter elf Sekunden und schneller als alle anderen: Gina Lückenkemper ist die neue Europameisterin über die 100 Meter – und musste nach ihrem Sieg erst einmal ins Krankenhaus. Bei den Männern gewann Marcell Jacobs aus Italien.
Sie hat es geschafft: Gina Lückenkemper lief in 10,99 Sekunden allen davon

Sie hat es geschafft: Gina Lückenkemper lief in 10,99 Sekunden allen davon

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Sprinterin Gina Lückenkemper hat bei der Heim-EM in München sensationell Gold über 100 Meter gewonnen. Die 25-Jährige setzte sich im Olympiastadion nach einem packenden Finish in 10,99 Sekunden vor der zeitgleichen Schweizerin Mujinga Kambundji durch. Bronze ging an die Britin Daryll Neita (11,00).

Lückenkemper holte damit die achte Medaille für das deutsche Leichtathletik-Team in München, vor vier Jahren in Berlin hatte sie Silber gewonnen. Titelverteidigerin und Europas Jahresbeste Dina Asher-Smith (Großbritannien) musste verletzungsbedingt aufgeben. Tatjana Pinto und Rebekka Haase waren im Halbfinale ausgeschieden.

Lückenkemper ist die erste deutsche Europameisterin über die 100 Meter seit Verena Sailer, die den Titel 2010 in Barcelona gewann. »Ich bin euch so unfassbar dankbar«, rief Lückenkemper den 40.000 Fans im Münchner Olympiastadion nach dem Zieleinlauf zu. Noch bei der enttäuschend verlaufenden WM in Eugene hatte Lückenkemper mit dem Support von den Rängen gehadert, als die Zuschauer die Athletinnen nach dem Fehlstart einer Läuferin mit Buhrufen bedacht hatte.

In München erlebte Lückenkemper, die schon bei den deutschen Meisterschaften im Juni gezeigt hatte, dass sie wieder Zeiten unter elf Sekunden laufen kann, nun das andere Extrem. Nach ihrem Sensationslauf jubelten die Massen ihr zu. Beim Straucheln nach dem Zieleinlauf hatte sich Lückenkemper eine blutende Wunde am linken Knie zugezogen, die die neue Europameisterin in der Euphorie jedoch ignorierte, während sie Freudentränen weinend auf die Tartanbahn sank.

Am Abend musste Lückenkemper allerdings noch im Krankenhaus behandelt werden. Mit acht Stichen wurde ihre Wunde genäht. »Ich weiß noch nicht genau, woher die Wunde kommt. Ob vom Sturz oder etwas anderem«, sagte sie nach ihrer Ankunft im Teamhotel: »Aber mir geht es gut! Ich bin überglücklich und kann das alles noch gar nicht fassen.«

Jacobs wie schon in Tokio nicht zu schlagen

Olympiasieger Marcell Jacobs ließ derweil keine Zweifel daran aufkommen, dass er mindestens der beste Sprinter Europas ist. Nach eher mäßigem Start kam der Italiener schnell auf Touren, zog nach 50 Metern davon und siegte in 9,95 Sekunden vor dem britischen Titelverteidiger Zharnel Hughes (9,99) und dessen Landsmann Jeremiah Azu (10,13).

Marcell Jacobs holte nach Olympia- auch EM-Gold

Marcell Jacobs holte nach Olympia- auch EM-Gold

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Bei der WM vor drei Wochen in Eugene hatte Jacobs wegen Muskelproblemen vor dem Halbfinale zurückziehen müssen. Im Münchner Olympiastadion holte er sich dafür nach Gold bei Olympia in Tokio auch Gold bei der EM, ein Double, das zuletzt der Brite Linford Christie 1994 vollendet hatte.

Das DLV-Trio Owen Ansah, Lucas Ansah-Peprah und Julian Wagner war im Halbfinale ausgeschieden. Zuletzt hatte mit Lucas Jakubczyk (Berlin) 2014 in Zürich ein Deutscher in einem EM-Finale über 100 Meter gestanden.

cev/sid
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