Mihambo, Klosterhalfen und Co. Alles, was Sie zum Start der Leichtathletik-WM wissen müssen

Im US-Bundesstaat Oregon beginnt die Leichtathletik-WM. Wer sind die Stars, wie stehen die deutschen Chancen? Startet Russland? Und wo kann man zuschauen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Die deutsche Weitsprung-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Malaika Mihambo will in Eugene ihren WM-Titel verteidigen

Die deutsche Weitsprung-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Malaika Mihambo will in Eugene ihren WM-Titel verteidigen

Foto: Fredrik Karlsson / Bildbyran / IMAGO

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Wann findet die Leichtathletik-WM statt?

Die WM startet an diesem Freitag und geht bis Sonntag, den 24. Juli. Wegen der Zeitverschiebung von neun Stunden finden die letzten Wettkämpfe nach mitteleuropäischer Zeit allerdings erst in der Nacht zum Montag (25.7.) statt. Der in der Saison vergleichsweise frühe Zeitpunkt ergab sich durch die Verschiebung der Wettkämpfe: Nach der coronabedingten Verlegung der Olympischen Spiele 2020 um ein Jahr zog die Leichtathletik nach. Weil für 2022 aber auch schon die EM in München (15.-21. August) feststand, passte sich die WM im Kalender an.

Und wo ist das Ganze?

Die Titelkämpfe werden in diesem Jahr in Eugene im US-Bundesstaat Oregon ausgetragen. Obwohl die US-Sportlerinnen und Sportler internationale Wettkämpfe oft dominieren, ist es das erste Mal, dass eine Leichtathletik-WM in den USA stattfindet.

Die Universitätsstadt Eugene hat knapp 180.000 Einwohner und liegt im Westen des Bundesstaats. Austragungsort ist das Hayward Field auf dem Campusgelände der Universität. Das Stadion fasst seit einem Umbau extra für die WM (Kostenpunkt geschätzt 200 Millionen Dollar) 30.000 Zuschauer und ist nach einem früheren Leichtathletik-Coach an der Uni benannt. Übrigens: Auch die Sportler und Sportlerinnen sind bei der WM statt in Hotels in Studentenwohnheimen untergebracht.

Das Hayward Field in Eugene, Oregon

Das Hayward Field in Eugene, Oregon

Foto: University of Oregon / ZUMA Press / IMAGO

Eugene – war da nicht was?

Um die Vergabe der WM hatte es 2015 einige Diskussionen gegeben. Eugene hatte den Zuschlag ohne Bewerbungsprozess erhalten, obwohl es mit Göteborg sogar einen anderen Interessenten gab. Das brachte dem Weltverband IAAF (heute World Athletics) einige Kritik und sogar Korruptionsermittlungen ein. Der Verband wiederum argumentierte, am Standort den Sportmarkt in den USA erschließen zu können und wies sämtliche Vorwürfe zurück.

In Eugene wurde der Sportartikelhersteller (und Verbandssponsor) Nike gegründet, das Unternehmen hat noch heute seinen Sitz im rund 160 Kilometer entfernten Beaverton. Dort trainiert übrigens auch die Deutsche Konstanze Klosterhalfen, am Campus des ehemaligen Nike Oregon Project.

Apropos Klosterhalfen – auf wen gilt es aus deutscher Sicht zu achten?

Die deutsche Langstreckenläuferin hatte zuletzt mit Corona zu kämpfen, hofft aber bei der WM dennoch auf ein Topresultat. Insgesamt sieht es mit den Medaillenchancen fürs deutsche Team eher mau aus: Nach mit nur drei Medaillen enttäuschenden Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Tokio ist eigentlich nur mit Weitspringerin Malaika Mihambo (WM-Gold 2019, Olympia-Gold 2021) zu rechnen.

Auch Diskuswerferin Kristin Pudenz (Olympia-Silber) und Speerwerfer Julian Weber (Olympia-Vierter) können sich womöglich Hoffnungen machen. Einstige Leistungsträger wie Weltmeister Johannes Vetter und Europameisterin Christin Hussong oder der Olympia-Zweite im Gehen, Jonathan Hilbert, haben ihre Teilnahme wegen Verletzungen oder Formschwäche abgesagt.

Auch Zehnkampf-Titelverteidiger Niklas Kaul und Hindernisläuferin Gesa Krause kämpften zuletzt mit gesundheitlichen Problemen. Insgesamt startet der deutsche Verband mit 80 Athletinnen und Athleten. Vorbereitet hat sich das Team an der Küste Kaliforniens in Santa Barbara.

Stabhochsprung-Weltrekordhalter Armand Duplantis

Stabhochsprung-Weltrekordhalter Armand Duplantis

Foto: Aleksandra Szmigiel / REUTERS

Wer werden die Stars der Wettkämpfe?

In Eugene starten in gleich mehreren Disziplinen die aktuellen Weltrekordhalter. Bei der Flugshow des schwedischen Stabhochspringers Armand Duplantis könnte es nach der aktuellen Form sogar direkt für die nächste Bestmarke reichen. Auch der schnelle Belag auf der Bahn könnte in den Laufwettbewerben für Spektakel sorgen – etwa bei den 400-Meter-Hürdenläufern Sydney McLaughlin (USA) und Karsten Warholm (Norwegen). Emotional wird vermutlich auch der Auftritt der siebenmaligen US-Olympiasiegerin Allyson Felix – die Sprinterin hat für ihr Heimspiel ihr Karriereende angekündigt.

Interessant werden könnte zudem das Comeback auf großer Bühne von Caster Semenya: Die frühere 800-Meter-Olympiasiegerin durfte zuletzt wegen ihres natürlich hohen Testosteronwerts nicht mehr über ihre Paradestrecke starten – nun steht sie überraschend aber auf der Startliste über 5000 Meter.

Darf Russland starten?

Der russische Leichtathletikverband ist wegen des Dopingskandals bereits seit 2015 suspendiert, bisher durften bei internationalen Wettkämpfen aber einige Athletinnen und Athleten unter »neutraler Flagge« starten. Das ist in diesem Jahr anders: Wegen des Angriffs auf die Ukraine hat der Weltverband nun alle Sportler und Sportlerinnen sowie Offiziellen aus Russland und dem ebenfalls am Krieg beteiligten Belarus von den Weltmeisterschaften ausgeschlossen.

Wo kann man die Wettkämpfe sehen?

Die Zeitverschiebung von neun Stunden macht es deutschen Leichtathletikfans zwar schwer, aber nicht unmöglich, die Wettbewerbe zu verfolgen. ARD und ZDF zeigen die Wettkämpfe wie auch in den Vorjahren ausführlich live. Neben der Übertragung im linearen Programm setzen beide dieses Jahr schwerpunktmäßig auf Livestreams. Eine Übersicht, wer was wann genau überträgt, finden Sie zum Beispiel hier . Einen Zeitplan, wann Sie welche Disziplinen erwarten können, finden Sie außerdem hier .

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