»Mangels hinreichenden Tatverdachts« Tierquälerei-Vorwürfe gegen Springreiter Beerbaum – Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Springreiter Ludger Beerbaum muss nach einer Anzeige wegen Tierquälerei keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Ausgestanden ist die Affäre für den viermaligen Olympiasieger aber noch nicht.
Ludger Beerbaum, hier auf Pferd Mila

Ludger Beerbaum, hier auf Pferd Mila

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Uwe Anspach / picture alliance/dpa

Springreiter Ludger Beerbaum muss nach einer Anzeige wegen Tierquälerei keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Die Staatsanwaltschaft Münster hat das Ermittlungsverfahren gegen den viermaligen Olympiasieger »wegen des Vorwurfs einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt«, wie es am Dienstag in einer Pressemitteilung hieß. 

Die Tierschutzorganisation Peta hatte gegen Beerbaum auf Grundlage eines Beitrages in der Sendung »RTL Extra«  Anzeige erstattet. In dem Beitrag war Beerbaum vorgeworfen worden, die verbotene Trainingsmethode des Barrens bei seinen Springpferden angewandt zu haben.

Beerbaum teilte am Dienstag in einer Mitteilung mit: »Die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft ist eine Bestätigung für mich. Damit ist jetzt auch bewiesen, dass die Vorwürfe im RTL-Beitrag gegen mich und meinen Stall nicht zutreffend sind. Jetzt hoffe ich, dass die Disziplinarkommission der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ebenso zu einer zeitnahen Entscheidung kommt.«

Beim Barren wird den Tieren beim Sprung über ein Hindernis eine Stange gegen die Beine geschlagen. Das verursacht beim Pferd Schmerzen. Erlaubt war Anfang des Jahres hingegen noch das Touchieren, bei der ein maximal drei Meter langes, nicht mehr als zwei Kilo schweres glattes Rundholz benutzt werden darf.

»Es genügt für ein strafwürdiges Verhalten nicht jede (kurzzeitige) Beeinträchtigung tierischen Wohlbefindens; diese Beeinträchtigung muss vielmehr nach Art und Dauer gewichtig (»erheblich«) sein«, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Videosequenzen ließen der Staatsanwaltschaft zufolge einen entsprechenden Nachweis nicht zu.

Beerbaum hat die Vorwürfe immer bestritten

Der Reiter hatte schon nach Ausstrahlung des RTL-Beitrags die Anschuldigungen zurückgewiesen und geschrieben: »Der Beitrag von ›RTL extra‹ ist in vielen Punkten nachweislich falsch, verleumderisch und ehrverletzend.«

Beerbaum hatte zudem »eine umfangreiche Stellungnahme an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) geschickt«. Er sei zuversichtlich, dass sich der Verband nach Überprüfung dieser Ausführungen seiner »Meinung anschließt, es handelt sich bei den Aufnahmen um regelkonformes Touchieren, das eine zulässige Ausbildungsmethode darstellt«.

FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach hatte hingegen gesagt, »dass Teile der dokumentierten Vorgänge eindeutig nicht unserer Beschreibung des Touchierens entsprechen«. Die leichte Berührung der Pferdebeine durch Gegenstände war beim Springen als Touchieren erlaubt gewesen, das stärkere Barren hingegen nicht.

Der Fall führte zu einer Regeländerung

Das Verbandsverfahren gegen Beerbaum läuft noch. Die Staatsanwaltschaft prüfte nicht, ob Beerbaum sich einer unerlaubten Trainingsmethode bedient hatte. »Denn selbst wenn ein Regelverstoß vorliegen sollte, wäre dies nicht gleichbedeutend mit einer Straftatbegehung. Die Prüfung eventuell regelwidriger Trainingsmethoden obliegt der Deutschen Reiterlichen Vereinigung«, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der Fall hatte eine breite Diskussion ausgelöst. Die FN beschloss im März, die umstrittene Trainingsmethode des Touchierens in Zukunft verbieten zu wollen. Damit folgte sie einer Empfehlung der Kommission für Ausbildungsmethoden.

kjo/dpa
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