Abkürzungen beim Marathon in Mexiko-Stadt 11.000 Läufer nachträglich disqualifiziert
Der Lauf begann im Estadio Olimpico Universitario, wo 1986 auch die Fußball-WM stattfand
Foto: Isaac Esquivel / EPAMehr als 30.000 Menschen sind am 27. August bei der 40. Ausgabe des Marathons von Mexiko-Stadt gestartet – rund 11.000 von ihnen könnten nun nachträglich disqualifiziert werden. Wie zahlreiche heimische und internationale Medien berichteten, seien bei der Auswertung einer Ergebnis-App Unregelmäßigkeiten aufgetreten.
Mit individuellen Trackingchips konnten die Rennverläufe nachvollzogen werden. Ergebnis: Manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer liefen demnach 30 Kilometer, andere einen Halbmarathon, vereinzelt waren es auch nur wenige Kilometer. Abgekürzt wurde teils per U-Bahn, Bus oder dem eigenen Auto.
Die Sportbehörde der Hauptstadt reagierte am 30. August auf die Vorwürfe und kündigte an: »Wir werden die Fälle identifizieren, bei denen die Marathon-Teilnehmer unsportliches Verhalten an den Tag gelegt haben, und werden ihre Zeiten aus den Ergebnislisten löschen.«
Ziel des Betrugs: Der Boston-Marathon
Grund für den Betrug vieler dürfte der berühmte Boston-Marathon sein. Um sich für das Rennen in den USA zu qualifizieren, müssen die Teilnehmer in den letzten 18 Monaten vor dem Rennen eine bestimmte Zeit in einem anderen Lauf erreicht haben.
Männer müssen je nach Altersklasse Zeiten zwischen drei Stunden und 4:50 Stunden laufen, Frauen zwischen 3:30 Stunden und 5:20 Stunden. Das große Teilnehmerfeld mag zudem die Hoffnung genährt haben, unbemerkt zu bleiben.
Mexiko-Stadt erlebte damit ein Déjà-vu: Bereits im Jahr 2017 sollen Tausende Teilnehmer geschummelt haben, damals wurden 6000 Läufer disqualifiziert. 1296 von ihnen hatten eine Zeit angegeben, die sie für den Boston-Marathon qualifiziert hätte.
Nutzt sein Taxi nur beruflich: Hector Garibay Flores, Sieger des Marathons von Mexiko Stadt 2023
Foto: Hector Vivas / Getty Images»Es ist peinlich, dass wir bei unserem Marathon in Mexiko-Stadt so viele Leute haben, die nicht ausreichend moralische Integrität besitzen, um zu trainieren und einen kompletten Marathon zu laufen«, ärgerte sich der zweimalige Olympia-Teilnehmer Dionicio Cerón (57) in einer Videobotschaft auf X (ehemals Twitter).
Sieger des Marathons wurde Hector Garibay Flores aus Bolivien. Der 35-Jährige, der auch als Taxifahrer arbeitet, schaffte die Strecke in Mexiko-Stadt als erster Athlet in unter 2:10 Stunden (02:08:23 Stunden) – ohne Abkürzung.