Wasserspringen Bundestrainer will nichts von Missbrauchsvorwürfen gewusst haben

Lutz Buschkow hat einer Äußerung des ehemaligen Weltklassespringers Jan Hempel widersprochen, wonach er schon früh über dessen Missbrauchsvorwürfe informiert gewesen sei. Der derzeit freigestellte Coach stellt die Sache anders dar.
Lutz Buschkow (l.) bei der EM in Rom

Lutz Buschkow (l.) bei der EM in Rom

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Jo Kleindl / Eibner / IMAGO

Der derzeit freigestellte Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow hat nach eigener Aussage von den Missbrauchsvorwürfen des früheren Weltklassespringers Jan Hempel erst in diesem August erfahren: »In einer Mail-Anfrage der Produktionsfirma Eye Opening Media am 10.8.22, 15.43 Uhr, in der mir von den Anschuldigungen von Jan Hempel gegenüber seinem Trainer berichtet wurde«, sagte der 64-Jährige im Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. 

In einer Dokumentation der ARD mit dem Titel »Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport« hatte Hempel erstmals die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen seinen 2001 gestorbenen langjährigen Trainer Werner Langer öffentlich gemacht. Demnach hatte Langer sich von 1982 bis 1996 an dem Olympia-Zweiten von Atlanta 1996 vergangen, unter anderem während der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, unmittelbar vor einem Wettkampf.

In dem Film warf der heute 51-jährige Hempel dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und auch Buschkow vor, schon 1997 von den Vorwürfen gewusst, aber nichts Entscheidendes getan zu haben. Hempel hatte sich nach eigenen Angaben 1997 der damaligen Bundestrainerin Ursula Klinger, die 2006 starb, anvertraut. Diese soll dann die Verbandsführung und die DSV-Trainer informiert haben.

»Das kann ich nicht bestätigen«, sagte Buschkow der »FAZ«. Er war 1997 Bundestrainer Nachwuchs und Sichtung am Bundesstützpunkt in Berlin. »Ich habe für mich noch mal nachgeforscht und was ich sagen kann, ist, dass wir als DSV-Trainer bei den Deutschen Meisterschaften 1997 in Berlin in einem offiziellen Gespräch von Ulla Klinger informiert wurden, dass aufgrund von persönlichen Differenzen mit sofortiger Wirkung Frank Taubert Jan Hempel trainieren wird«, sagte Buschkow. »Mehr wurde uns dazu nicht gesagt.«

Für ihn stelle es sich so dar, »dass einige wenige Dresdener damals von Jan Hempel ins Vertrauen gezogen wurden und dass es eine Absprache zwischen ihm und Ulla Klinger gegeben hat, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, weil auch Jan Hempel das ausdrücklich so gewünscht hat«, sagte Buschkow weiter.

»Wie hätten Sie da reagiert?«

Hempel hatte unter anderem Trainer Frank Taubert ins Vertrauen gezogen. Hempel habe dabei »mir gegenüber und wenigen anderen hier in Dresden den Wunsch geäußert, dass es nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll, um ihn und seine Familie zu schützen«, sagte Taubert der »FAZ«. Anschließend habe es ein Vieraugengespräch zwischen Hempel und Klinger gegeben. Daraufhin habe man sich geeinigt, Hempels Wunsch zu akzeptieren.

Hempel selbst widerspricht allerdings ebenfalls in der »FAZ« der Darstellung, es sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. »Die Springerführung hat mir damals gesagt: Wenn du das an die große Glocke hängst, dann war es das mit dem Wasserspringen, dann kannst du deine Karriere vergessen. Wie hätten Sie da reagiert?«, sagte er.

Nach Bekanntwerden von Hempels Aussage, Buschkow habe schon früh Kenntnis von den Missbrauchsvorwürfen gehabt, stellte der DSV den Bundestrainer noch während der EM Mitte August in Rom vorerst frei. Der DSV-Vorstand prüfe den Vorwurf gegen Buschkow »aktuell intensiv«. Die bis dahin durchgeführte Akteneinsicht habe »keinerlei derartige Anhaltspunkte« ergeben, hieß es in der Mitteilung vom 18. August.

Buschkow arbeitete seit 1991 für den DSV, seit 2002 war er Cheftrainer der Wasserspringer. Von 2008 bis 2016 war er zudem als Leistungssportdirektor tätig.

ngo/dpa/sid
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