Nachruf auf Boxer Leon Spinks Eine Nacht in Las Vegas

Leon Spinks stand nur kurz im Scheinwerferlicht des Weltsports. Aber das reichte, um ewigen Boxruhm zu erlangen. Sein Sieg über Muhammad Ali ist Sportgeschichte.
Leon Spinks (rechts) gegen Muhammad Ali

Leon Spinks (rechts) gegen Muhammad Ali

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Dieser eine Abend, dieser eine Kampf genügte, um Leon Spinks in die Sportgeschichte zu katapultieren. Der 15. Februar 1978 im Hilton Hotel von Las Vegas, die großen Siebzigerjahre im Boxsport, sie gehen in dieser Nacht zu Ende. Leon Spinks schlägt »The Greatest«, er besiegt Muhammad Ali nach Punkten und wird neuer Schwergewichtschampion im Boxen. Es ist die Sensation des Sportjahres, mindestens.

Es stehen sich gegenüber: Muhammad Ali, der größte Boxer der Welt, der Mann aus den unsterblichen Kämpfen gegen Joe Frazier und George Foreman, die Ikone des Weltsports. Und in der anderen Ecke: Leon Spinks, Olympiasieger von Montreal, immerhin, aber erst mit sieben Profikämpfen auf dem Konto.

Zuvor hatte sich Spinks gegen Scott LeDoux in ein Unentschieden gerettet. Scott LeDoux, den kennt kein Mensch, seinen berühmtesten Punch landete er, als er mal nach einem Kampf im Handgemenge dem bekannten US-Fernsehreporter Howard Cosell das Toupet vom Kopf schlug.

Gegen Spinks zu gewinnen, diesen 24-jährigen Jungspund, würde ein Spaß für Ali werden. So dachten alle, vor allem Ali selbst. Er machte vor und noch während des Kampfes seine bekannten Clownerien. Sie zeigten, was ohnehin zu spüren war: wie wenig er diesen Kontrahenten ernst nahm.

Das stachelte Spinks erst recht an.

Der Champion ist untrainiert

Immer wieder landete der Außenseiter Treffer, auch am Kopf des großen Ali. Als das Runde um Runde so weiterging, merkte der Champion plötzlich, wie ihm dieser Abend, dieser Kampf, wie ihm der WM-Titel entglitt.

Ali versuchte, sich umzustellen, aber er war auf diese Situation nicht vorbereitet, taktisch, körperlich. Er hatte viel zu wenig trainiert, hatte in den Monaten vor dem Kampf davor Dinge getan, die nicht einem fokussierten Boxerleben entsprachen. Ein Kirmes-Kampf gegen einen japanischen Wrestler, ein Nonsens-Auftritt im deutschen Fernsehen bei Rudi Carrell. Das war nicht mehr der Muhammad Ali, den alle bewunderten.

Ali war kurz zuvor 36 geworden, die Dinge gingen nicht mehr so einfach wie in seiner Blütezeit. Die ganze Welt sah in dieser Nacht von Las Vegas einen untrainierten Champion, der in den Ring gestiegen war, um seinen Gegner lächerlich zu machen. Und dann plötzlich selbst wie eine lächerliche Figur wirkte.

Neuer Champion, entthronter Champion

Neuer Champion, entthronter Champion

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Nach Ende der 15. Runde blieb den Kampfrichtern nichts übrig, als den Zehn-zu-eins-Außenseiter Leon Spinks zum neuen Champion der Verbände WBA und WBC zu erklären. Es war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ein Schwergewichtschampion einen Kampf nach Punkten verlor. Es war das erste Mal, dass ein Boxer Ali den Titel im Ring entrissen hatte.

Ein einsamer Höhepunkt

Das Bild, wie der neue Champion mit seiner gewaltigen Zahnlücke in die Kamera grinste, war auf allen Titelseiten. Spinks krönte sich an diesem 15. Februar 1978. Danach kam nicht mehr viel.

Der Sieger von Las Vegas sollte seinen Titel gegen den alten Fahrensmann Ken Norton verteidigen, so war das vor dem Kampf verabredet worden. Man war davon ausgegangen, dass Ali gegen Norton antreten würde, eine große Nummer, Norton galt als Alis Angstgegner. Jetzt aber hieß der Kampf Spinks gegen Norton, alles andere als der Garant für das Millionengeschäft, das sich die Promoter versprachen.

Also wurde stattdessen ein Rückkampf Spinks gegen Ali terminiert. Dieser Bruch der Vereinbarung kostete den Champion zwar den WBC-Titel, aber Spinks blieb noch der WBA-Gürtel, und für die Gage von 3,5 Millionen Dollar kann man schon mal die Regeln brechen.

Im Rückkampf chancenlos

So kam es am 15. September im Louisiana Superdome von New Orleans zum Re-Fight. Ali war viel besser vorbereitet, er hatte noch einmal trainiert wie ein Berserker, der Kampf wurde zu einem Debakel für Spinks. Diesmal war er der Unvorbereitete, er hatte in den Vormonaten seinen neuen Ruhm im Übermaß genossen. An diesem Abend war er chancenlos und konnte froh sein, dem K.o. zu entrinnen. Sieben Monate nach seinem Triumph war er seinen Titel wieder los und bekam ihn nie zurück.

1981 betrat Spinks noch einmal die große Bühne, ein Titelkampf gegen den neuen Superstar Larry Holmes. Der hatte zuvor schon Ali mehr oder weniger verprügelt. Spinks erging es kaum besser. Es war ein Klassenunterschied im Ring und das Ende von Spinks' Karriere. Zu den Anekdoten des Boxsports gehört es, dass ausgerechnet sein Bruder Michael 1985 Larry Holmes entthronte.

Spinks versuchte sich danach durchaus erfolgreich noch eine Weile als Wrestler, nach und nach verschwand er aus dem Scheinwerferlicht. Sein Sohn Corey war ebenfalls erfolgreich, auch sein Enkel war ein talentierter Boxer.

Leon Spinks ist am Freitag im Alter von 67 Jahren an Krebs gestorben. Er hat an einem einzigen Abend alles geschafft, das man in einem Boxerleben, in einem Sportlerleben nur erreichen kann: Er hat Muhammad Ali besiegt.