Boxpromoter zum Angriff auf Oliver Pocher »Das war Totalversagen des Sicherheitsdienstes«

Oliver Pocher wurde bei einem Box-Event von einem Mitglied der Rapszene attackiert. Hier erklärt Veranstalter Ludger Inholte, wie es dazu kommen konnte und warum überhaupt so viele Rapper am Ring waren.
Ein Interview von Malte Müller-Michaelis
Comedian Pocher bei der Veranstaltung in Dortmund: Heftige Ohrfeige in Reihe eins

Comedian Pocher bei der Veranstaltung in Dortmund: Heftige Ohrfeige in Reihe eins

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Revierfoto / dpa

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SPIEGEL: Herr Inholte, Sie sind angetreten, um das Boxen in Deutschland wieder groß und vor allem seriös zu machen . Nun kam es direkt bei Ihrer ersten Veranstaltung zu einem Eklat: Oliver Pocher wurde tätlich angegriffen. Ist Ihr Vorhaben schon gescheitert?

Inholte: Ich kann mich bei Oliver Pocher nur in aller Form entschuldigen. Ich bin erschüttert über das, was da passiert ist.

SPIEGEL: Wie konnte es denn dazu kommen?

Inholte: Das war ein Totalversagen des Sicherheitsdienstes. Ich kann Ihnen versichern, dass ich nie wieder in der Dortmunder Westfalenhalle veranstalten werde. Man hat mich im Vorfeld in verschiedenen Bereichen regelrecht erpresst. Ich durfte nicht meinen eigenen Catering-Partner mitbringen, ich durfte die Programmhefte nicht eigenständig verkaufen, und schließlich – und das ist der Grund für diese Eskalation – durfte ich nicht mit der Security-Firma meiner Wahl zusammenarbeiten.

SPIEGEL: Ihnen als Veranstalter wurde untersagt, den Sicherheitsdienst zu benennen und das Sicherheitskonzept für die Veranstaltung zu machen?

Inholte: So ist es. Und das Ergebnis haben Sie gesehen. Dieser Mensch, der den Oli da attackiert hat, hatte im VIP-Bereich am Ring gar nichts zu suchen. Der hätte da eigentlich gar nicht reingedurft. Dass dann niemand eingegriffen hat, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

SPIEGEL: Haben Sie den Angriff unmittelbar mitbekommen?

Inholte: Nein, ich war zu dem Zeitpunkt nicht in der Nähe, sonst wäre ich selbst dazwischengegangen. Aber dafür gibt es ja eigentlich die Security.

»Das mit den Rappern würde ich nicht noch einmal so machen.«

SPIEGEL: Selbst wenn Sie auf die Sicherheit keinen Einfluss hatten: Das Konzept der Veranstaltung lag sehr wohl in Ihrer Verantwortung. Dass sich Menschen aus der Rapszene am Ring aufgehalten haben, war kein Zufall. Schließlich gab es Auftritte von Schwesta Ewa und Milonair.

Inholte: Das stimmt, da habe ich einen Fehler gemacht. Ehrlicherweise bin ich schlecht beraten worden. Ich wollte eigentlich ganz andere Musik-Acts buchen, aber jemand sagte mir, das passe nicht zum Boxen. Außerdem wollten wir ein junges Publikum ansprechen, und die jungen Menschen hören nun mal so was.

SPIEGEL: Kannten Sie Schwesta Ewa und Milonair vorher? Wussten Sie, wen Sie da an Bord geholt haben?

Inholte: Nein, ich habe mich da auf meine Ratgeber verlassen. Als ich dann die Texte gehört habe, habe ich mich geschämt. Das ist sicher nicht mein Stil und nicht das, wofür ich stehen möchte. Das würde ich nicht noch einmal so machen.

SPIEGEL: Wie fällt denn insgesamt Ihr Fazit aus?

Inholte: Der Angriff auf Oliver Pocher überschattet jetzt natürlich alles. Und zu den Rap-Acts habe ich alles gesagt. Aber ansonsten war es ein gelungenes Event, das meine Erwartungen sogar übertroffen hat. Wir hatten 4500 Zuschauer in der Halle, bei der Stimmung hätte man aber denken können, es waren mehr als 10.000. Und auch sportlich haben wir höchste Qualität geboten.

SPIEGEL: Aber Ihr Hauptkämpfer und Zugpferd Felix Sturm hat klar verloren.

Inholte: Das stimmt. Von ihm und seinem Team bin ich enttäuscht. Ich hatte vorher schon gewarnt, dass Szili ein großartiger Kämpfer ist. Zudem hat er mit Conny Mittermeier einen grandiosen Trainer. Aber so ein bisschen habe ich bei Felix und seinem Team Überheblichkeit und Arroganz gespürt. Der Kampfplan war nicht gut und ist nicht aufgegangen.

Boxer Sturm bei seiner Niederlage gegen István Szili: »Eine weitere Chance wird es nicht geben«

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Foto: IMAGO/Michael Titgemeyer / IMAGO/osnapix

SPIEGEL: Sturm und vor allem sein Trainer Maurice Weber haben sich im Nachhinein über unfaire Aktionen Szilis und den Ringrichter beschwert, weil der nicht eingegriffen habe.

Inholte: Das muss ich klarstellen: Szili ist ein absolut fairer Sportsmann, der einfach der Bessere war und verdient gewonnen hat – sogar klarer, als die Punktrichter das gewertet haben. Das habe ich auch bei der Pressekonferenz entgegnet, als diese Aussagen des Trainers kamen. Da muss man die Größe haben, eine Niederlage anzuerkennen, anstatt irgendwelche Ausflüchte zu suchen.

SPIEGEL: Wie geht es jetzt für Sturm weiter?

Inholte: Ich kann nicht für Felix sprechen. Er hat ja gesagt, dass er das gemeinsam mit seiner Familie entscheiden will. Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass ich alles gegeben habe, um ihm diese Chance und diese Bühne zu bieten. Eine weitere Chance wird es mit mir nicht geben.

SPIEGEL: Wie steht es um Ihre Pläne, dem deutschen Boxsport die Seriosität zurückzugeben. Bleiben Sie weiter dabei oder hat dieser erste Abend Sie zu sehr verschreckt?

Inholte: Ich hatte ja im Vorfeld angekündigt, dass ich mich zwei bis drei Jahre selbst um das Geschäft kümmern will. Dazu stehe ich. Ich habe auch Szili unter Vertrag und werde ihn zu dem WM-Kampf gegen Lerrone Richards führen, den er sich verdient hat. Ob es allerdings Sinn ergibt, so einen Kampf nach Deutschland zu holen, muss man sehen.

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