Geldstrafe nicht gezahlt Russlands Leichtathletik droht das Olympia-Aus

Der Leichtathletik-Weltverband stoppt die Zulassung neutraler Athleten aus Russland bei Wettkämpfen. Der Verband hat eine Geldstrafe nicht gezahlt - nach wiederholter Verletzung der Antidoping-Bestimmungen.
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Der Leichtathletik-Weltverband geht wegen einer ausgebliebenen Strafzahlung weiter gegen Russland vor. Weil der russische Verband Rusaf trotz Mahnungen nicht die verhängten fünf Millionen Dollar zahlte, stoppt World Athletics sowohl den Wiedereingliederungsprozess des seit 2015 gesperrten Verbands als auch die Zulassung neutraler Athleten (ANA) bei internationalen Wettkämpfen mit sofortiger Wirkung. Russlands Leichtathleten droht damit nun das Aus für die Olympischen Spiele in Tokio 2021. Auf einer Weltverbandssitzung vom 29. bis 30. Juli soll geprüft werden, wie es weitergeht.

Russland war wegen wiederholter Verstöße gegen die Antidoping-Richtlinien am 12. März bestraft worden. Bei den Olympischen Spielen in Tokio sollten nur zehn Leichtathleten als neutrale Sportler starten dürfen. Dazu muss der russische Verband eine Strafe in Höhe von zehn Millionen Dollar (8,8 Millionen Euro) zahlen. Die Hälfte davon wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zahlungsfrist war der 1. Juli.

"Wir sind sehr enttäuscht über die mangelnden Fortschritte. Die Rusaf lässt ihre Athleten schwer im Stich. Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, um unseren Ana-Prozess voranzutreiben und Rusaf bei seinem Wiederaufbauplan zu unterstützen, aber scheinbar ohne Erfolg", sagte Weltverbandspräsident Sebastian Coe. "Wir hatten Zusicherungen und haben gehofft, dass Veränderungen vorgenommen werden. Die Erfahrung der russischen Taskforce unter dem Vorsitz von Rune Andersen zeigt jedoch, dass diese weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist."

Verband hatte mehrmals um Aufschub gebeten

Stabhochsprung-Weltmeisterin Anschelika Sidorowa, der nun ein internationales Startverbot und das Olympia-Aus für Tokio droht, reagierte resigniert. "Es ist eine Schande. Nach fünf Jahren sind wir immer noch keinen Schritt weitergekommen. Manchmal will ich einfach diesen ganzen Schmutz hinter mir lassen, in dem wir anscheinend für immer feststecken, Richtung Sonnenuntergang laufen und nie mehr etwas mit diesem Sport zu tun haben", schrieb die 29-Jährige bei Instagram.

Die Rusaf hatte am Mittwoch mitgeteilt, nicht über die entsprechenden Mittel zu verfügen, um die Geldbuße pünktlich zahlen zu können und bat daher um einen Aufschub. "Wir haben das Geld leider nicht auftreiben können", sagte Jewgeni Jurtschenko, Präsident der seit 2015 suspendierten Rusaf, der Nachrichtenagentur Tass. Jurtschenko, der an den "gesunden Menschenverstand seitens World Athletics" appellierte und die "schwierige wirtschaftliche Situation in der Welt" angesichts der Coronakrise anführte, wollte weiter mit dem Weltverband über eine Stundung verhandeln. World Athletics hatte aber bereits Mitte Juni eine Bitte um Aufschub abgelehnt.

ara/dpa/sid
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