Beachvolleyball-Turnier in Doha Katar nimmt Kleiderordnung für Frauen zurück

Kleidervorschriften für ein Beachvolleyball-Turnier in Katar hatten seit dem Wochenende durch eine SPIEGEL-Recherche international Kritik erfahren. Nun ist dem Veranstalter der Druck wohl zu groß geworden.
Karla Borger und Julia Sude

Karla Borger und Julia Sude

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Christian Charisius / picture alliance/dpa

Beim World-Tour-Event der Beachvolleyballerinnen wird es nun doch keine Kleidervorschriften geben. Wie eine Sprecherin des für die Serie zuständigen Volleyball-Weltverbands FIVB dem SPIEGEL bestätigte, haben die katarischen Ausrichter die ursprünglich geplanten Restriktionen für die Arbeitskleidung der Frauen zurückgenommen.

»Nach weiteren Gesprächen hat der QVA bestätigt, dass es keine Einschränkungen für Spielerinnen geben wird, während der Veranstaltung in Doha Standarduniformen zu tragen, wenn sie dies wünschen«, erklärte eine Sprecherin des Weltverbands gegenüber dem SPIEGEL.

Noch am Dienstagmorgen hatte der katarische Volleyballverband QVA die Vorschriften dementiert – und damit dem Weltverband widersprochen, der diese bereits unter anderen auf seiner Website veröffentlicht hatte. Der Verband widersprach damit der Darstellung des Weltverbands FIVB und der Spielerorganisation IBVPA. Diese hatten gegenüber dem SPIEGEL beide die Kleidervorschriften explizit bestätigt. In einer Mail der FIVB vom 17. Februar hieß es, die Kleidervorschriften wären von den betreffenden katarischen Behörden angefordert worden. Von der Spielervereinigung IBVPA hieß es dazu am selben Tag: »Die Kleidung muss bei Frauen über die Schultern und bis zu den Knien gehen.«

Deutsches Team Borger / Sude hatte Boykott erklärt

Nun scheint dem katarischen Verband der internationale Druck jedoch zu groß geworden zu sein. Am Dienstagabend teilte der Weltverband auf SPIEGEL-Anfrage mit: »Die FIVB ist der festen Überzeugung, dass Frauen-Beachvolleyball, wie jede andere Sportart auch, nach Leistung und Einsatz und nicht nach der Uniform beurteilt werden sollte.« Es stehe den Spielerinnen während des Turniers in Doha frei, die Standarduniform zu tragen, wenn sie dies wünschen. »Die FIVB und der QVA sind sich einig in ihrem Engagement, ein einladendes, sicheres und inklusives Event zu veranstalten, das es den Athleten ermöglicht, ihr Bestes zu geben.«

Die Kleidervorschriften hatten seit dem Wochenende durch eine SPIEGEL-Recherche internationale Aufmerksamkeit bekommen. Mit Karla Borger und Julia Sude hatte Deutschlands aktuell bestes Team, auf der Weltrangliste auf Platz 16, im SPIEGEL seinen Verzicht auf die Veranstaltung erklärt. »Wir wollen das nicht mittragen«, sagten Borger und Sude. »Es geht gar nicht um wenig anhaben oder nicht. Es geht darum, dass wir in unserer Arbeitskleidung nicht unsere Arbeit machen können«, sagte Sude. Beachvolleyball sei außerdem »verdammt anstrengend«, sagte Borger.

Für Ärger sorgte auch, dass offensichtlich mit zweierlei Standard geurteilt wurde. Die Leichtathletinnen durften bei ihrer Weltmeisterschaft 2019 in Doha noch mit ihrer üblichen kurzen Arbeitskleidung in die Wettkämpfe gehen. Laut schriftlicher Mitteilung der Spielervereinigung gegenüber dem SPIEGEL habe es damals »eine Ausnahme für Leichtathletik von der königlichen Familie« gegeben. Warum die Volleyballerinnen zunächst keine bekamen, blieb jedoch offen.

Nun scheint Katar dem Druck jedoch nachgegeben zu haben.

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