Corona-Hilfen Geldsegen für den Teamsport - und was ist mit den anderen?

Wer hilft dem Sport bei der Bewältigung der Corona-Schäden? Die Bundesregierung bewilligt im Konjunkturprogramm nach SPIEGEL-Informationen nun zusätzlich 150 Millionen Euro - aber vornehmlich für die Profis.
Die Füchse Berlin, Handball-Bundesligist, könnten von dem Konjunkturprogramm profitieren

Die Füchse Berlin, Handball-Bundesligist, könnten von dem Konjunkturprogramm profitieren

Foto:

Andreas Gora/ picture alliance/dpa

Der deutsche Mannschaftssport darf auf einen Zahltag hoffen. So sollen im jüngsten Konjunkturpaket der Bundesregierung nach Informationen des SPIEGEL zusätzliche 150 Millionen Euro für Vereine und Unternehmen der professionellen und semiprofessionellen Ligen zur Verfügung stehen. Für einige dieser Vereine dürfte diese Förderung existenzsichernd sein.

Die Eckpunkte des Konjunkturpakets zur Milderung der Corona-Schäden hatte die Regierungskoalition am 3. Juni beschlossen. Am 29. Juni soll das entsprechende Gesetz von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Dazu gehört ein Programm für Überbrückungshilfen in Höhe von 25 Milliarden Euro für kleine und mittelständische Unternehmen. Im Eckpunktepapier waren dazu unter Punkt 13 kryptisch "Profisportvereine der unteren Ligen" als mögliche Empfänger aufgeführt.

Die Formulierung wird in der Gesetzesvorlage wohl noch korrigiert. "Untere Ligen" meint im Grunde: professioneller Ligensport ohne die 1. und 2. Fußball-Bundesliga der Männer. Die in der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierten Vereine sind ausgenommen, weil sie ihren großen Konjunkturmotor bereits durch die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Mai erhielten - mit der damit verbundenen Auszahlung der TV-Gelder.

Fast 300 Vereine dürfen hoffen

Im neuen Konjunkturpaket kämen nach einer Kalkulation des Lobbyverbandes "Teamsport Deutschland" insgesamt 287 Vereine in diesen Ligen in den Genuss der Überbrückungshilfen:  

  • Fußball: Frauen-Bundesliga, 3. Liga Männer

  • Handball: 1. und 2. Bundesliga Frauen und Männer

  • Eishockey: Männer DEL und DEL 2

  • Basketball: Frauen (DBBL) und Männer (BBL) 1. und 2. Bundesliga

  • Volleyball: Männer und Frauen 1. und 2. Bundesliga (VBL)

Diese Aufstellung berücksichtigt bereits einige Änderungen für die kommende Saison, etwa die Aufstockung der Handball-Bundesliga der Männer auf 20 Teams. Die Überbrückungshilfen sollen jedoch nicht auf diese fünf Mannschaftssportarten beschränkt sein. Sie können auch von Vereinen anderer Ligen und Sportarten in Anspruch genommen werden - sofern es sich um Profisport handelt.

In vielen Sportarten und kleineren Ligen, auch in olympischen Sportarten, ist das allerdings nicht der Fall. So sagte Carola Morgenstern-Meyer, die Präsidentin des Deutschen Hockey-Bundes (DHB): "Wir haben keine Profiliga. Im Vergleich zu den anderen Ligen geht es bei uns um Peanuts. Wir sind Amateure, und wir fühlen uns vom DOSB gut vertreten."

DOSB-Chef Alfons Hörmann hat derzeit hinter den Kulissen viel zu verhandeln

DOSB-Chef Alfons Hörmann hat derzeit hinter den Kulissen viel zu verhandeln

Foto:

Frank Rumpenhorst/ dpa

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, hatte im Sportausschuss des Bundestages Ende Mai von gewaltigen Corona-bedingten finanziellen Schäden gesprochen. Auf Grundlage einer Hochrechnung bezifferte Hörmann sie auf Vereinsebene auf "mehr als eine Milliarde Euro". Zusätzlich nannte er einen Schaden von angeblich 235 Millionen Euro bei den Sportverbänden, Landessportbünden und DOSB-nahen Organisationen. Hörmanns Rechnungen waren bei mehreren Abgeordneten allerdings auf Skepsis gestoßen, im Sportausschuss zweifelte man seine Zahlen an.

Wie verträgt sich das mit dem EU-Recht?

Die nun im politischen Berlin verhandelten 150 Millionen für Profisportvereine kämen zusätzlich zu den bereits vereinbarten 150 Millionen Euro Aufstockungen im Investitionsplan Sportstätten des Bundes, die im aktuellen Konjunkturpaket unter Punkt 23 verplant sind. Aussagen darüber, wie viel Geld der Sport auf Landesebene aus verschiedenen Fördertöpfen bereits erhalten hat, trifft der DOSB nicht.

Die Forderungen des Sports gehen weit über die bisherigen Eckpunkte des Konjunkturpakets hinaus: So ist die staatliche Überbrückungshilfe eigentlich auf drei Monate (Juni bis August) und insgesamt 150.000 Euro pro Unternehmen beschränkt. Der Lobbyverband "Teamsport Deutschland", in dem sich die wichtigsten Mannschaftssportarten zusammengetan haben, hat in seinem jüngsten Schreiben an den Sportausschuss des Bundestages aber eine Überbrückungshilfe "für die Monate März bis zunächst einschließlich Dezember 2020" gefordert.

Ein Paket von 150 Millionen ergäbe bei 287 Vereinen ein Volumen von mehr als einer halben Million Euro pro Antragsteller - also das Dreifache der für Unternehmen vorgesehenen Höchstförderung. Und es sieht danach aus, als würden die "anderen Spezifika" des Sports in den hektischen Verhandlungen erneut großzügig berücksichtigt.

Sportausschuss-Mitglied Frank Steffel (CDU) gehört als Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin zu den wichtigsten Lobbyisten des Teamsports. Steffel hatte vor vier Wochen zunächst eine Zahl von 100 Millionen Euro für Profivereine genannt, kurz darauf erhöhte er auf 200 Millionen. Das für Spitzensport zuständige Bundesinnenministerium (BMI) erklärte unmittelbar nach Steffels erstem Vorstoß, es sei gar kein Förderprogramm des Bundes geplant.

Nun aber werden 150 Millionen verhandelt, und es geht momentan sogar darum, ob dieses Finanzpaket aus dem Bundeswirtschaftsministerium in die Verantwortung des für den Sport zuständigen Bundesinnenministeriums verschoben wird. So plant es die sportpolitische Koalition.

Auch dies korrespondiert mit den Forderungen von "Teamsport Deutschland". In dessen jüngstem Schreiben heißt es: "Den Vereinen sollte ein einfacher Zugang zu den Fördermitteln ermöglicht werden. Dazu regen wir an, dass die Beantragung nicht auf Länder-, sondern auf Bundesebene erfolgen sollte." Und man geht noch einen Schritt weiter: "Die jeweiligen Verbände und die Ligaorganisationen sollten hierbei als Clearingstelle bzw. Treuhänder für die Mittelverteilung eingebunden werden."

Bundesmittel, verteilt über Sportverbände und die privat organisierten Ligainstitutionen? Zudem stellt sich die Frage: Wie verträgt sich eine solche Förderung von Profisport-Unternehmen, die sich teilweise im internationalen Wettbewerb befinden, mit dem EU-Beihilferecht?

Solche Fragen sind derzeit noch vollkommen unbeantwortet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.