Nach Wada-Beschluss Russland legt Protest gegen Dopingsperre ein

Das war erwartet worden: Die russische Antidopingagentur will den vierjährigen Ausschluss des Landes von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften nicht hinnehmen. Der Sportgerichtshof Cas muss nun entscheiden.
Nächste Runde in der Russland-Causa

Nächste Runde in der Russland-Causa

Foto: MAXIM SHIPENKOV/EPA-EFE/REX

Russland leitet juristische Schritte ein, um die generelle Olympia-Teilnahme seiner Athleten zu ermöglichen. Die russische Antidopingagentur legt beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Einspruch gegen den Ausschluss von den Spielen und Weltmeisterschaften in den nächsten vier Jahren ein. Das kündigte die Rusada am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Moskau an.

Der Sprecher des Rusada-Aufsichtsrates, Alexander Ivlev, teilte mit, man werde der Generalversammlung der Antidopingagentur dieses Vorgehen empfehlen. Ivlev kritisierte eine "kollektive Bestrafung, die inakzeptabel" sei. Es ist allerdings bekannt, dass Rusada-Chef Juri Ganus keine großen Aussichten sieht, dass dieser Protest erfolgreich sein könne.

Schon Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die neuen Strafen unmittelbar zuvor erneut als "ungerecht" zurückgewiesen. Das Land werde für ein und denselben Verstoß mehrfach bestraft, kritisierte er. "Jede Bestrafung sollte individuell sein." Die Mehrheit der Sportler in Russland sei sauber, betonte der Präsident. Russland werde deshalb alles dafür tun, dass seine Sportler bei den Olympischen Spielen unter ihrer nationalen Flagge antreten könnten.

Wobei die Strafe auch nach dem Wada-Beschluss genau das ist, was Putin einfordert: individuell. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang im Vorjahr können Athleten, wenn sie nachweisen, nicht in das russische Dopingsystem verstrickt gewesen zu sein, an den Sommerspielen von Tokio 2020 oder den Winterspielen von Peking 2022 teilnehmen - nur eben ohne Hymne und Flagge als sogenannte neutrale Athleten.

Am 9. Dezember hatte die Welt-Antidopingagentur (Wada) auf ihrer Exekutivsitzung in Lausanne beschlossen, Russland für vier Jahre auszuschließen. Außerdem darf Russland bis 2023 weder Gastgeber sein, noch sich für eine Ausrichtung großer Wettkämpfe bewerben.

Für den Einspruch beim Cas hatte die Rusada 21 Tage Zeit. Die Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr mit Spielen in St. Petersburg und das Champions-League-Finale 2021 dort sind nicht betroffen, weil es sich nach Wada-Definition nur um regionale Ereignisse handelt.

Forensische Untersuchungen durch Wada-Experten hatten ergeben, dass die Dopingdaten aus dem Moskauer Labor von 2012 bis 2015 "weder vollständig noch vollständig authentisch" sind. Dies konnte im Vergleich mit einer der Wada 2017 von einem Whistleblower zugespielten Daten-Kopie nachgewiesen werden. Dabei hat Russland nach Wada-Angaben "Hunderte von mutmaßlichen nachteiligen Analyseergebnissen gelöscht oder geändert". Dabei sollen 145 mutmaßliche Doping-Fälle vertuscht oder verfälscht worden sein.

Mitarbeit: Tatiana Sutkovaya

aha/dpa
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