Reaktionen zum Walijewa-Urteil »Wir sind enttäuscht über die Botschaft, die davon ausgeht«

Die 15 Jahre alte Russin Kamila Walijewa darf trotz Dopingverdachts im Eiskunstlauf starten, das hat der Internationale Sportgerichtshof beschlossen. Dafür gibt es scharfe Kritik – und ein Lob aus Russland.
Kamila Walijewa

Kamila Walijewa

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Bernat Armangue / AP

Die 15 Jahre alte Eiskunstläuferin Kamila Walijewa darf bei Olympia im Einzelwettbewerb der Eiskunstläuferinnen starten – trotz einer positiven Dopingprobe. Das hat der Internationale Sportgerichtshof Cas entschieden. In Walijewas Heimat Russland wird der Beschluss begrüßt, ansonsten gab es dafür international vor allem Kritik.

»Wir sind enttäuscht über die Botschaft, die von dieser Entscheidung ausgeht«, teilte das Nationale Olympische Komitee (NOK) der USA mit. »Es liegt in der kollektiven Verantwortung der gesamten olympischen Gemeinschaft, die Integrität des Sports zu schützen und unsere Athleten, Trainer und alle Beteiligten an die höchsten Standards zu binden«, hieß es: »Die Athleten haben ein Recht darauf zu wissen, dass sie unter gleichen Bedingungen antreten. Leider wird ihnen das heute verweigert. Dies scheint ein weiteres Kapitel in der systematischen und allgegenwärtigen Missachtung des sauberen Sports durch Russland zu sein.«

Der Chef der US-Antidopingagentur Travis Tygart sagte, nur die Zeit werde zeigen, »ob Walijewa bei diesen Spielen antreten sollte und ob alle ihre Ergebnisse disqualifiziert werden oder nicht.« Aber Russland habe »bei den sechsten Olympischen Spielen in Folge den Wettbewerb gekapert und den sauberen Teilnehmenden und der Öffentlichkeit den Moment gestohlen.« Und weiter: »Neben den Athleten und der Öffentlichkeit wurde diese junge Athletin von den Russen und dem globalen Antidopingsystem, das sie unfairerweise in dieses Chaos gestürzt hat, furchtbar im Stich gelassen.«

»Die Wada ist von der Entscheidung enttäuscht«

Auch die Welt-Antidopingagentur Wada kritisierte das Urteil – sie war neben dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gegen einen Start Walijewas im Einzel vorgegangen. Dieser Start stehe »nicht im Einklang mit den Bestimmungen des Welt-Anti-Doping-Codes«, hieß es. »Die Wada ist von der heutigen Entscheidung der Ad-hoc-Abteilung des Cas enttäuscht.«

»Obwohl die Wada den begründeten Schiedsspruch nicht erhalten hat, scheint es, dass das Cas-Panel beschlossen hat, die Bestimmungen des Codes nicht anzuwenden, der keine spezifischen Ausnahmen in Bezug auf obligatorische vorläufige Suspendierungen für ›geschützte Personen‹, einschließlich Minderjährige, zulässt.«

»Extrem unglücklich und traurig für die Athletinnen und Athleten«

Aus Kanada hieß es, die Situation sei »extrem unglücklich und traurig für die Athletinnen und Athleten«. Das kanadische NOK setze sich voll und ganz für einen sauberen Sport ein, und wir sind fest davon überzeugt, dass niemand, der in Doping oder andere korrupte Praktiken verwickelt ist, einen Platz in der olympischen Bewegung hat.«

Zwar vertraue man darauf, »dass die Cas-Entscheidung das Ergebnis eines fairen Verfahrens war«, aber: »Wir sind über dieses Ergebnis äußerst enttäuscht.«

»Das Doping von Minderjährigen muss gestoppt werden«

Die internationale Sportlervertretung Global Athlete teilte mit: »Die Tatsache, dass bei Kamila Walijewa (...) eine leistungssteigernde Substanz nachgewiesen wurde, ist ein Beweis für den Missbrauch einer Minderjährigen. Der Sport sollte seine Athleten schützen und sie nicht schädigen.« Der Fall müsse »ein Weckruf für alle Fans, Eltern und Athleten sein, die zusammenstehen und Reformen fordern.« Und weiter: »Das Doping von Minderjährigen muss gestoppt werden. Ein Land, das seine Athleten systematisch dopt, darf nicht am internationalen Sport teilnehmen.«

»Auf geht's, Kamila!«

In Russland ist die weitere Olympia-Starterlaubnis mit großer Erleichterung aufgenommen worden. »Morgen feuert das ganze Land sie (Walijewa) und alle unsere wunderbaren Eiskunstläuferinnen an«, schrieb das russische NOK mit Blick auf den am Dienstag beginnenden Einzelwettkampf der Damen.

Auch der russische Eistänzer Nikita Kazalapow munterte die 15-Jährige in Peking auf: »Auf geht's, Kamila!«, sagte Kazalapow nach dem Gewinn der Silbermedaille mit seiner Partnerin Wiktoria Sinizina.

Der Präsident des russischen Eiskunstlaufverbandes, Alexander Gorschkow, sagte der Staatsagentur Ria Nowosti: »Das Einzige, was man hier sagen kann, ist, dass der gesunde Menschenverstand und die Gerechtigkeit gesiegt haben.«

mon/Reuters
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