Peter Ahrens

Winterspiele in Peking Brauchen wir Olympia überhaupt noch?

Peter Ahrens
Ein Kommentar von Peter Ahrens
Menschenrechte, Umweltsünden, Corona: Vorfreude auf diese Winterspiele von Peking gibt es kaum. Aber es geht gar nicht nur um den Ausrichter China. Die Idee Olympia gehört grundsätzlich auf den Prüfstand.
Proteste vor der IOC-Zentrale gegen die Spiele von Peking

Proteste vor der IOC-Zentrale gegen die Spiele von Peking

Foto: VALENTIN FLAURAUD / AFP

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Die Argumente gegen die Spiele von Peking sind sattsam bekannt. Die fehlende Nachhaltigkeit, der Gigantismus, die Menschenrechtsproblematik, die fehlende Wintersportaffinität Chinas. Dazu all das unter der drohenden Coronawolke, die die Teilnahme der Athletinnen und Athleten zur Lotterie werden lässt.

Wenn man ehrlich ist, gibt es keinen vernünftigen Grund, die Spiele zum jetzigen Zeitpunkt und an diesem Ort auszutragen. Bis auf den, dass am Ende bis auf China und Kasachstan kein Bewerber mehr übrig geblieben ist.

Es ist vom IOC wiederholt darauf verwiesen worden, dass andere Kandidaten es ja abgelehnt hätten, die Spiele auszutragen: München, Krakau, Sankt Moritz, Stockholm, Oslo.

Es war den dortigen Verantwortlichen entweder zu teuer, oder es scheiterte an der Ablehnung der Bevölkerung. Und damit ist man beim Kern dieses Themas angelangt.

Ein gigantischer Moloch

Warum sind all diese Bewerber abgesprungen? Wer sich dieser Frage nähert, bleibt nicht mehr bei »Peking – ja oder nein?« stehen. Es geht um die olympische Idee im Prinzip. Falls es überhaupt noch so etwas wie eine olympische Idee geben sollte.

Die Diskussion darüber, ob man Olympische Spiele in diktatorische Länder geben darf oder nicht, ist nur vorgeschaltet. Vielmehr geht es darum, ob man Spiele, so wie sie jetzt sind, überhaupt noch irgendwohin vergeben sollte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Am Ende steht die Frage: Brauchen wir Olympische Spiele überhaupt noch? Vor allem: Brauchen wir solche Olympischen Spiele, wie wir sie heute haben?

Die Spiele sind ein gigantischer Moloch geworden, ganze Gegenden werden umgepflügt, Milliarden für Bauten ausgegeben, deren Nutzen über die zwei Wochen der Spiele oft genug nicht hinausreicht. Und am Ende sind es dann doch reine TV-Spiele, die man auch von hundert anderen Orten auf dieser Welt hätte senden können.

IOC mit maliziösem Lächeln

Es ist doch wirklich nicht verwunderlich, dass Menschen immer häufiger danach fragen: Was bringen mir/uns diese Spiele überhaupt? Was soll das Ganze noch? Welcher Chinese, der nicht zu den Sponsoren dieses Spektakels zählt, profitiert davon, dass China diese Spiele beherbergt, dass hier Unsummen hineingesteckt werden? Dass aus Städten Sicherheitszonen werden, das am Ende nur das IOC mit maliziösem Lächeln sich die Taschen vollgemacht hat.

Es ist doch nur richtig und logisch, dass die Menschen sich davon abwenden und sagen: So etwas wollen wir bei uns nicht haben.

Es wird dann gerne auf die nächsten Ausrichter verwiesen: Paris, Mailand, Los Angeles, Brisbane. Städte, mit denen alles wieder gut werden soll. Aber die im Grunde auch nichts anderes sind als Abspielstationen für das Diktat der Sponsoren, die bis aufs kleinste bestimmen, wer was vermarkten darf, wer was essen darf, mit welcher Kreditkarte man bezahlen darf.

Es ist ein Irrsinn, der jedem ins Auge sticht, der einigermaßen aufmerksam über ein Olympiagelände läuft.

Paris und Mailand, sie sind nur der Reparaturbetrieb für das Image des IOC. Mehr nicht.

Maschine muss weiterlaufen

Olympische Spiele sind für Sportler und Sportlerinnen das Größte. Das sagen die Athleten selbst, das ist der gemeinsame Nenner, mit dem man die Maschine immer wieder am Laufen halten kann. Auch wenn man das akzeptiert: Warum muss das alles so überdimensioniert sein, warum kann man Spiele nicht mehr so austragen wie 1976 in Montreal oder in Innsbruck? Auch damals fühlten sich die Sportler auf dem Olymp. Ohne all den Pomp.

Man kann das hoffnungslos naiv nennen, man kann es aber auch einfach mal ernsthaft überlegen.

Veranstaltungen dieser Größenordnung, sie passen nicht mehr in das Bild einer Weltgesellschaft, die sich um ihre Ressourcen so sehr sorgen muss wie nie zuvor. Die Olympischen Spiele müssen sich im Grundsatz ändern, oder sie werden irgendwann abgeschafft werden müssen.

Die Winterspiele von Peking sind ein guter Anlass, um darüber nachzudenken.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.