Korruptionsprozess gegen Sportfunktionär Diack legt Geständnis ab - zumindest ein bisschen

Lamine Diack ist in Paris wegen Betrugs, Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche angeklagt. Nun hat der ehemalige Leichtathletik-Boss ein Teilgeständnis abgelegt - es geht um Strafen gegen Doper.
Lamine Diack vor dem Gericht in Paris - zwischen 1999 und 2015 war er Boss des Leichtathletik-Weltverbands

Lamine Diack vor dem Gericht in Paris - zwischen 1999 und 2015 war er Boss des Leichtathletik-Weltverbands

Foto: THOMAS SAMSON/ AFP

Der frühere Präsident des Leichtathletik-Weltverbands, Lamine Diack, hat vor einem Pariser Strafgericht eingeräumt, Disziplinarverfahren gegen gedopte russische Athleten zurückgesetzt zu haben. Das berichten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. Es sei ihm vor allem um die finanzielle Gesundheit des früheren Weltverbands IAAF (heute World Athletics) gegangen, sagte der 87-Jährige demnach.

Die Enthüllung so vieler Fälle auf einmal hätte einen Skandal ausgelöst und die Verhandlungen mit Sponsoren belastet, sagte Diack. Demnach habe er nicht versucht, die Athleten zu schützen, sondern lediglich sichergestellt, dass nicht alle Fälle auf einmal an die Öffentlichkeit gelangten.

"Die finanzielle Gesundheit der IAAF musste gesichert werden, und ich war bereit, diesen Kompromiss einzugehen", sagte er. Durch die Verzögerung konnten Athleten etwa noch an den Olympischen Spielen 2012 in London teilnehmen.

Diack ist wegen Betrugs, Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche angeklagt - ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Diack, der von 1999 bis 2015 IAAF-Chef war, direkt oder indirekt 3,45 Millionen Euro (3,9 Millionen Dollar) von verdächtigten Dopern erpresst haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft Diack zudem vor, während Verhandlungen für Sponsorings und Fernsehrechten 1,5 Millionen Dollar aus Russland erhalten zu haben. Damit soll Diack unter anderem die Kampagne von Macky Sall für die senegalesische Präsidentenwahl im Jahr 2012 finanziert haben. Im Gegenzug sollte Diack die Verfahren gegen russische Doper verlangsamen.

Diack bestreitet die Vorwürfe weiter, vielmehr bezeichnete er die Ermittlungen zunächst als "Teil einer Verschwörung". Von den sportlichen Institutionen hatte Diack kaum etwas zu befürchten, erst die französische Finanzstaatsanwaltschaft verhängte 2015 Hausarrest gegen ihn. Der gilt bis heute.

hba/dpa/Reuters