Doppel-Olympiasiegerin Südkoreanische Antifeministen attackieren An San – wegen ihrer Frisur

Zwei Goldmedaillen gewann Bogenschützin An San in Tokio. Nun versuchen junge Männer vermehrt, die Aufmerksamkeit in Südkorea vom sportlichen Triumph auf das kurze Haar der 20-Jährigen zu lenken.
An San in Tokio: Die 20-Jährige gewann bereits zwei Goldmedaillen

An San in Tokio: Die 20-Jährige gewann bereits zwei Goldmedaillen

Foto: ADEK BERRY / AFP

Im Bogenschießen hat das Team aus Südkorea bei den Olympischen Spielen in Tokio bislang groß aufgetrumpft. In bisher drei Teamwettkämpfen gab es dreimal Gold. Einen großen Anteil an dieser Dominanz hat An San, die sowohl mit dem Frauenteam als auch an der Seite von Kim Je Deok im Mixed-Wettbewerb triumphierte. Neben dem Gewinn ihrer zwei Goldmedaillen stellte sie auch noch einen neuen olympischen Rekord für Bogenschützinnen auf.

In ihrer Heimat versuchen jedoch vermehrt junge Männer, die Diskussion weg von ihrer sportlichen Leistung und hin zur Optik der 20-Jährigen zu lenken . Vor allem in sozialen Medien wird ihre Kurzhaarfrisur zum Thema gemacht. Es ist offenbar der Versuch, die große Aufmerksamkeit zu nutzen, um antifeministische Stimmung zu verbreiten.

Am Donnerstag, nachdem An im Achtelfinale der Qualifikationsrunde für den Einzelwettbewerb angetreten war, wehrte ihr Trainer bereits »unnötige« Fragen von Journalisten ab. Eine Reporterfrage nach dem toxischen Onlineklima unterbrach An mit dem Hinweis, sie werden nur Fragen beantworten, die sich auf die Spiele beziehen.

Wachsende antifeministische Bewegung

Der Vorwurf, der in den sozialen Medien immer wieder wiederholt wird, lautet, ihr Haarschnitt sei »feministisch«. In Südkorea gibt es eine wachsende Bewegung von vornehmlich jungen Männern , die der ebenfalls zunehmenden Anerkennung feministischer Positionen und einer Politik der Gleichberechtigung kritisch gegenübersteht. Sie kämpfen gegen die aktuelle Politik und vertreten ihre Haltung auch öffentlich lautstark – zumindest online.

Genau über diesen Kanal gab es aber nun auch zahlreiche Solidaritätsbekundungen mit An aus Politik, Prominenz und Gesellschaft. »Schieß mit deinem festen Blick durch jedes Vorurteil auf der Welt«, twitterte die Oppositionspolitikerin Sim Sang Jung und sicherte der Athletin Unterstützung zu.

An San (links) gewinnt ihre zweite Goldmedaille mit dem Frauenteam

An San (links) gewinnt ihre zweite Goldmedaille mit dem Frauenteam

Foto: Justin Setterfield / Getty Images

Auch aus der südkoreanischen Bevölkerung werden Stimmen lauter, die den nationalen Bogenschießverband dazu auffordern, ihre Sportlerin zu schützen und sich deutlich gegen die Menschen zu positionieren, die sie attackieren. Mehr als 300 Menschen forderten den Verband in Beiträgen auf dessen Homepage zum Handeln auf.

An antwortet auf Instagram

Für die Olympiasiegerin ist es nichts Neues, dass sie wegen ihres Äußeren öffentlich angegangen wird. Bereits im März wurde ihre Frisur zum Thema, als sie bei Instagram ein Trainingsvideo hochgeladen hatte. Auf eine Frage in den Kommentaren, warum sie ihre Haare kurz geschnitten habe, antwortete An, »weil es angenehmer ist«.

Während sie bei dem Thema gegenüber Medien bewusst abblockt, antwortete sie ihren Kritikern unlängst auf Instagram: »Während ihr mit euren Minderwertigkeitskomplexen in euren Zimmern sitzt und Nachrichten schreibt, gewinne ich bei den Olympischen Spielen zwei Goldmedaillen.«

tip/Reuters
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