Zeichen gegen Rassismus Fußballerinnen knien zum Olympia-Auftakt – doch die Aktion wird nicht abgebildet

Mehrere Teams haben beim Olympia-Start der Fußballerinnen in Tokio ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt. Erlaubt ist das, doch auf den olympischen Social-Media-Kanälen wurde es offenbar nicht gezeigt.
Spielerinnen des britischen Olympiaaufgebots knien vor ihrer Partie gegen Chile

Spielerinnen des britischen Olympiaaufgebots knien vor ihrer Partie gegen Chile

Foto:

--- / dpa

Vor dem Auftaktspiel des Olympia-Turniers der Fußballspielerinnen haben die Teams aus Großbritannien und Chile mit einem Kniefall ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Auch das Schiedsrichtergespann beteiligte sich am Mittwoch in Sapporo an der Aktion. »Wir wollen allen zeigen, dass das etwas Ernstes ist«, hatte die britische Verteidigerin Demi Stokes schon vor der Partie angekündigt. Die chilenischen Spielerinnen gingen dabei etwas später auf die Knie. Sie seien von dem Zeichen ihrer Gegnerinnen überrascht gewesen, hätten sich dann aber angeschlossen, sagte Chiles Mittelfeldspielerin Karen Araya der Nachrichtenagentur AP.

Auch vor dem Duell zwischen Weltmeister USA und dem WM-Dritten Schweden (0:3) gingen alle Spielerinnen zum Protest auf die Knie.

»Das ist erlaubt, das ist kein Verstoß gegen die Regel 50«, sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Mittwoch in Tokio und verwies auf die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees. Das IOC hatte erst vor einigen Tagen das jahrelange Verbot von Athletenprotesten bei Olympischen Spielen aufgehoben und die Regel 50 der olympischen Charta angepasst.

Die Lockerung gilt jedoch nur in den Wettkampfstätten und nicht für die Medaillenzeremonien. Zudem wurde den Dachverbänden der einzelnen Sportarten die finale Entscheidung einer Zulassung von Protesten überlassen.

Erlaubt, aber nicht gern gesehen?

Der Fußball-Weltverband hatte dem zugestimmt. »Die Fifa glaubt an die Rede- und Meinungsfreiheit, und das gilt für Spieler, Trainer, Offizielle und jede andere Person oder Organisation im Rahmen der Aktivitäten der Fifa«, hieß es unlängst in einer Erklärung.

Der britische »Guardian« berichtete  am Mittwochnachmittag jedoch, dass keines der Bilder der knienden Spielerinnen auf den Social-Media-Kanälen der Olympischen Spiele oder des IOC abgebildet war. Laut AP wurde die Aktion auch auf der offiziellen Webseite der Olympischen Spiele  nicht erwähnt. In den Fernsehübertragungen waren die knienden Spielerinnen hingegen zu sehen.

Nach Informationen des »Guardian« soll das IOC gemeinsam mit den Olympia-Organisatoren ihren Social-Media-Teams untersagt haben, derartige Bilder auf den Kanälen zu spielen. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen Informanten. Demnach soll die Anweisung am Dienstagabend Ortszeit überbracht worden sein, mit einem expliziten Verweis auf das Spiel Großbritannien gegen Chile.

Das IOC teilte auf Rückfrage des »Guardian« lediglich mit: »Das Signal wird an alle Sender der ganzen Welt übertragen und erreicht ein riesiges Fernsehpublikum« (»the signal is distributed to all the broadcasters around the world with a huge TV audience«).

ngo/dpa/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.