Olympia in Tokio Impfstoffpriorität für Athletinnen und Athleten? »Wunsch trifft auf Wirklichkeit«

In der Coronakrise fordert der erste Sportverband eine priorisierte Impfung von Sportlerinnen und Sportlern – spätestens bis Ende Mai. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag nennt das unrealistisch.
Die Olympischen Spiele stehen trotz ihrer Verlegung auf 2021 im Zeichen der Coronakrise

Die Olympischen Spiele stehen trotz ihrer Verlegung auf 2021 im Zeichen der Coronakrise

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Werden Sportlerinnen und Sportler vor den Olympischen Spielen geimpft? Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), hat dem eine Abfuhr erteilt. »Hier trifft ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch auf die Wirklichkeit«, sagte Freitag dem Sport-Informations-Dienst.

Zuvor hatte der Präsident des Tischtennisweltverbandes (ITTF), Thomas Weikert, gefordert, dass Sportler nach den Risikogruppen die Möglichkeiten einer Impfung bekommen. »Das sollte bis spätestens Ende Mai geschehen«, sagte Weikert der Nachrichtenagentur. Ein Szenario, das für Freitag angesichts der Lieferengpässe auch in Deutschland derzeit unrealistisch ist. »Wir sehen jeden Tag, wie mühsam es ist, eine funktionierende Impfinfrastruktur in Gang zu bringen«, sagte sie.

Findet den Vorschlag der ITTF derzeit unrealistisch: Dagmar Freitag

Findet den Vorschlag der ITTF derzeit unrealistisch: Dagmar Freitag

Foto: Fabian Strauch / dpa

»In der Konsequenz erübrigt sich aus meiner Sicht daher zum jetzigen Zeitpunkt die Diskussion, ob ab Anfang Mai Athletinnen und Athleten geimpft werden können«, sagte Freitag. »Es spricht aus meiner Sicht aber nichts dagegen, das Thema je nach tatsächlicher Entwicklung zu gegebener Zeit neu zu diskutieren.«

Das israelische Nationale Olympische Komitee (NOK) teilte am Mittwoch mit, dass alle Sportlerinnen und Sportler, die an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen, bis Ende Mai geimpft werden sollen. Schon jetzt sei die Hälfte der israelischen Olympia-Delegation geimpft, sagte eine NOK-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.

NOKs sollen Kontakt zu Regierungen aufnehmen

Der deutsche Sport hatte sich bislang zurückhaltend geäußert und keine Forderung nach einer Bevorzugung von Sportlerinnen und Sportlern gestellt. Doch die Zeit drängt bis zum Start der Olympischen Spiele am 23. Juli in Tokio. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte zuletzt die NOKs aufgefordert, sich ein umfassendes Bild bei den Regierungen einzuholen.

Wenn genug Impfstoff vorhanden sei, werde das IOC die nationalen Komitees dabei unterstützen, Impfungen rechtzeitig vor der Reise nach Japan zu erhalten. »Eine Reihe« von Regierungen habe beim Thema Impfen bereits »positive Entscheidungen« getroffen, hieß es vom IOC.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht hingegen keine Priorität für die Olympischen Spiele. Die Spiele seien »ein wunderbares Symbol«, doch man müsse sich den Realitäten stellen, sagte der Direktor des Programms für Notfälle bei der WHO, Michael Ryan. Derzeit gebe es noch nicht einmal genug Impfstoff, um »selbst den am stärksten gefährdeten Menschen« zu helfen.

hba/sid/Reuters
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