Fünfkampf-Weltverband nach Olympia-Drama »Es gibt keine Grundlage für die Sportler, sich zu beschweren«

Unter Tränen schlug die Fünfkämpferin Annika Schleu bei Olympia auf ihr Pferd ein, weil sie ihre sicher geglaubte Goldmedaille verlor. Der Weltverbandspräsident weist nun Kritik am Wettbewerb zurück.
Weinte bereits auf dem Pferd: Fünfkämpferin Annika Schleu in Tokio

Weinte bereits auf dem Pferd: Fünfkämpferin Annika Schleu in Tokio

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Marijan Murat / dpa

Nach dem Olympia-Drama um Annika Schleu hat der Weltverband der Modernen Fünfkämpfer die Auswahl der Pferde verteidigt. Man habe die Pferde getestet, und sie seien gut präpariert gewesen, sagte Präsident Klaus Schormann. »Es gibt keine Grundlage für die Sportler, sich zu beschweren.« Es habe nur an den Athletinnen selbst gelegen, wenn sie in einigen Teilen des Wettbewerbs nicht erfolgreich gewesen seien, sagte der 75-Jährige.

Schleu war am Freitag als Führende ins Reiten gestartet, doch das ihr zugeloste Pferd verweigerte mehrfach, sie blieb ohne Punkte und kam am Ende auf Rang 31. Danach gab es heftige Kritik an der Sportlerin und an Bundestrainerin Kim Raisner. »Hau mal richtig drauf! Hau drauf!«, hatte sie – im Fernsehen deutlich hörbar – Schleu zugerufen. Die sichtlich überforderte Athletin hatte daraufhin unter Tränen mit der Gerte auf das Pferd eingeschlagen.

Der Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf (DVMF) beschrieb die Situation »als unglückliche Konstellation« mit einem traumatisierten Pferd, das »aufgrund des Reglements des Weltverbandes nicht ausgetauscht werden durfte«. Entsprechende Änderungen des Reglements wurden nach Angaben des nationalen Verbandes bereits erarbeitet und dem Weltverband UIPM vorgeschlagen. Der DVMF kündigte an, die Geschehnisse aufzuarbeiten.

»Alles war genial, war super«

»Alles war genial, war super«, sagte Schormann. Er sei mit der Organisation »sehr zufrieden«. Vielleicht habe es ein paar Momente gegeben, von denen man sagen würde, dass sie nicht so schön gewesen seien, sagte Schormann. Aber: »Die Pferde sind absolut exzellent.«

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Zuvor hatte bereits der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine Änderung des Regelwerks gefordert. Dieses müsse »so umgestaltet werden, dass es Pferd und Reiter schützt«, teilte der DOSB mit. »Das Wohl der Tiere und faire Wettkampfbedingungen für die Athletinnen und Athleten müssen im Mittelpunkt stehen.« Die aktuellen Wettkampfbestimmungen erlauben den Sportlerinnen vor dem Ritt nur 20 Minuten, um sich mit dem zugelosten Pferd vertraut zu machen.

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In den sozialen Netzwerken wurde Schleu nach dem Wettkampf unter anderem als »Tierquälerin« angefeindet. Der DVMF teilte mit, dass man sich dagegen wehre, »dass eine Sportlerin persönlich beschimpft und beleidigt wird«, stattdessen wünsche man sich »eine konstruktiv-sachliche Debatte rund um den Modernen Fünfkampf«.

hba/dpa/sid
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